Rhein-Pfalz Kreis Meditation ohne Monotonie

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Mutterstadt. In die Klangwelt der Klöster hat der Männerchor Gregorian Voices aus Bulgarien am Dienstag rund 350 Besucher in der protestantischen Kirche Mutterstadt entführt. Die musikalische Zeitreise reichte vom Mittelalter bis zur Neuzeit. Das Programm „Gregorianic meets Pop“ ließ beim Publikum keine Wünsche offen.

Der gregorianische Gesang, der seine Hochzeit von 600 bis etwa 1100 nach Christus erlebte, steht vor allem für Mystik. Doch er kann weitaus mehr. Als „Wiege der abendländischen Musik“ ist er zeitlos und verbindet das Gestern auf seltsame Art mit dem Heute. Dies bewiesen seit seiner Wiederentdeckung in den 90er Jahren zahlreiche Gruppen, die es sogar bis in die Charts schafften. Die Gregorian Voices sind eine relativ neue Formation. Auf ihrer aktuellen Frühjahrstournee trat sie am Dienstagabend in Mutterstadt auf – in einem verdunkelten Kirchenraum. Acht Gestalten in Habits, traditionellen Mönchstrachten, zogen still in die Kirche ein. Die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen – da war sie die Mystik. Nur die Leselampen an ihren Notenpulten deuten auf die Neuzeit hin. Als die vermeintlichen Mönche ihre Kapuzen zurückschlugen, herrschte im Zuschauerraum gebannte Stille. Acht klassisch ausgebildete bulgarische Sänger kamen zum Vorschein. Sie nennen sich Gregorian Voices, touren seit 2011 durch ganz Europa und haben schon einige internationale Preise eingeheimst. Mönche sind sie nicht, trotzdem wirkt alles echt. Unter der Leitung von Georgi Pandurov, erfolgreicher Opernsänger, hat es sich die Formation zur Aufgabe gemacht, die „Mystik und Faszination des gregorianischen Chorals in die Moderne zu tragen“. Wer anfangs befürchtete, gregorianische Gesänge seien aufgrund ihrer Einstimmigkeit monoton, wurde schnell eines Besseren belehrt: Schon die ersten zwei Stücke „Ave Maria ... Virgo Serena“ und „Ave Maris Stella“ hüllten die Kirche in eine meditative Stimmung fernab jeder Monotonie, die allein durch das Klatschen des Öfteren unterbrochen wurde. Orthodoxe Kirchenlieder und Madrigale wie „Cantate Domino“ folgten. Das Spektrum innerhalb der einzelnen Lieder reichte von piano bis fortissimo, von zart bis kraftvoll. Jeder Sänger hatte seine Soli, die anderen traten dann in den Hintergrund, stützten Melodie und Harmonik. Der erste Teil der Darbietung war ganz den klassischen Klängen gewidmet. Perfekt aufeinander abgestimmt steigerte sich unmerklich die Kraft der Melodien von Stück zu Stück, um ihren fulminanten, energetischen Höhepunkt in „Ameno“, dem Chartstürmer von 1997 des New-Age-Musikprojektes Era, zu finden. Das war zugleich eine perfekte Überleitung zu Teil zwei des Konzerts. Hier standen Klassiker der Popgeschichte im Zentrum. Genau in dieser Mischung liege das Geheimnis der Faszination, verriet Simeon Pilibosyan, einer der Sänger. Ob Paul Simons „The Sound of Silence“, „Knockin` on Heaven`s Door“ von Guns ’N’ Roses oder Rod Stewarts „Sailing“: Die acht Ausnahmetalente aus Bulgarien verliehen den Popsongs einen ganz eigenen, neuen Charakter und zusätzliche Tiefe. Drei Zugaben – „Amazing Grace“, Michael Jacksons „We Are the World“ und „Thank You for the Music“ von Abba – forderte das Publikum ein, und der Applaus untermauerte eines noch mal: Musik ist eine universelle Sprache des Herzens. (csst)

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