Bobenheim-Roxheim
Manuel Hettmannsperger (SPD): Bock auf Politik
Warum er sich politisch engagiert? „Weil ich einfach Bock darauf habe“, erklärt Hettmannsperger. Dass ihn Politik interessiert, hat er in Seminaren an der Uni gemerkt, als er noch für Geschichte eingeschrieben war. Sein Vater, bekannter Pfarrer der Gemeinde, ist seit jeher Sozialdemokrat und nahm den Sohn oft mit zu Parteiveranstaltungen. Im Winter 2018 trat der damals knapp 20-Jährige in die SPD ein und holte wenige Monate später Listenplatz drei bei den Kommunalwahlen.
„Das war krass“, erinnert sich der Student. „Ich saß in der Uni und habe den Live-Ticker der Auszählung verfolgt. Irgendwann hab’ ich von der Vorlesung nur noch wenig mitbekommen.“ Man könne in der Politik etwas erreichen – vor allem, wenn man vorne mit dabei sei. Die große Zustimmung in der Wählerschaft habe er aber als Auftrag empfunden. Es sei ein Ansporn, wenn die Bürger mit ihren Anliegen zu ihm kämen oder er positive Rückmeldung bekomme.
Spagat zwischen Uni und Ratsarbeit
Manchmal kann Hettmannsperger Univeranstaltungen in Heidelberg und Ratssitzungen nach eigenen Aussagen nur schwer unter einen Hut bringen. „Klar ärgert es mich, wenn ich dann nicht so mitarbeiten kann, wie ich es gerne würde“, sagt der 23-Jährige. „Manchmal bin ich etwas ungeduldig und will zu schnell zu viel.“ Er informiere sich dann im Nachhinein per Telefon über den neusten Sachstand. Wichtig sind Hettmannsperger die Eh-da-Flächen sowie der Rundweg und die Neugestaltung des alten Sportplatzes am Altrhein. „Auch die Frage, wie es am Silbersee weitergeht, halte ich für wichtig. Ich war in meiner Jugend im Sommer selbst oft dort“, sagt er. Außerdem will der Sozialdemokrat, der neben dem Studium in der Rheinschule arbeitet, mehr Bildungsmöglichkeiten schaffen.
Als er 2019 Ratsmitglied wurde, habe er zuerst die Strukturen in der Kommunalpolitik verstehen müssen, wie der 23-Jährige erzählt. „Es gibt eine große Vielfalt an Themen, und es ist eine Vielzahl von Leuten beteiligt, da muss man erst mal sehen, wer für was verantwortlich ist.“ Besonders interessant seien die Themen, die ihn selbst betreffen, weshalb er auch im Ausschuss für Jugend und Soziales sitze. Aber auch bei der Biodiversität bringe er durch sein Studium eine gewisse Expertise mit. Frustrierend könne es sein, wenn Ratsmitglieder schlecht vorbereitet in Sitzungen kämen oder bereits zu Ende diskutierte Themen immer wieder angesprochen würden.
Offen für Ideen und Sorgen
Hettmannsperger fühlt sich trotz seines noch jungen Alters ernst genommen und gehört, gerade in seiner Fraktion. „Ohne die, die jetzt dabei sind, würde ich vielleicht nicht mitmachen.“ Im Meinungsaustausch mit anderen könne er seine eigenen Argumente weiterentwickeln – das bereite ihm Spaß. „Ich kann meinen Standpunkt vertreten, aber auch meine Meinung ändern, wenn ich falsch liege.“ Damit sich junge Menschen für Politik begeistern können, hält Hettmannsperger es für unabdingbar, mehr Plattformen zu schaffen und sich die Ideen und Probleme der Menschen anzuhören. „Wir müssen auf die Leute zugehen und unsere Arbeit transparent machen. In der stillen Kammer sitzen bringt nichts.“ Es ärgere ihn, wenn die Menschen in sozialen Medien falschen Informationen Glauben schenkten und sich nicht anderweitig informierten.
Der Student hat nach eigenen Aussagen sehr viele Interessen. In seiner Freizeit geht er gerne Joggen und beschäftigt sich mit der Natur. Außerdem reist er gerne, seine absolute Lieblingsstadt: Rom in Italien. Nach seinem Bachelor-Abschluss würde er gerne ein Auslandsemester im Stiefelstaat oder in Japan machen.
Die Serie
Sie entscheiden, was im Dorf läuft: Gemeinderäte. Die meisten ehrenamtlichen Ratsmitglieder sind älter als 40 Jahre – aber nicht alle. Wer sind die Nachwuchspolitiker und was motiviert jüngere Menschen zum Engagement in der Kommunalpolitik? Dieser Frage gehen wir nach.