Rhein-Pfalz Kreis „Man wächst mit den Ideen“

Die knapp 20 Kilometer zwischen Lambsheim und Ludwigshafen legt Bedrush Gaxherri, den alle nur Pedro nennen, mehrmals pro Woche zurück. Meistens führt ihn sein Weg vom Firmensitz in die nördliche Innenstadt, genauer gesagt in den Hemshof – die Altstadt und Keimzelle Ludwigshafens. In einem Radius von wenigen Hundert Metern trägt das Viertel die Handschrift des Gaxherri-Clans, der hier seit über zehn Jahren in Immobilien investiert, die er aus Privathand oder von der Stadt erwirbt. Überwiegend sind es Altbauten, die aufwendig saniert werden, um danach Wohnungen vermieten zu können. Offensichtlich ein lohnendes Geschäft, denn mittlerweile gehören der Firma im Umland gut 25 Häuser. Sechs sind es in Lambsheim, darunter die Firmenzentrale in der Hauptstraße. Zwei sind es in Frankenthal, darunter das Prestigeobjekt Café Ideal am Bahnhof mit 200 Plätzen innen, 100 weiteren auf den Terrassen und mehr als 40 Beschäftigten. Dahinter haben die Gaxherris ein siebenstöckiges Hochhaus – das ehemalige Hotel Zur Post, jahrelang eine Problemimmobilie – auf Hochglanz getrimmt. Hinzu kommt ein Fliesengeschäft in Bobenheim-Roxheim, das als Lager dient. 20 bis 25 Mitarbeiter sind im Einsatz, der Fuhrpark besteht aus 15 Fahrzeugen, darunter drei Lkw. In den 1960er-Jahren hat der 2002 verstorbene Vater die Firma gegründet. Aus Junik im Westen des heutigen Kosovo führte sein Weg über Groß-Gerau nach Mannheim und von dort in die Vorderpfalz. Später folgten ihm seine Söhne Rruste (49), Bedrush (47), Ben (44) und Bujar (38). Längst halten sie die Zügel in der Hand. Kaum zu glauben, dass die Altbausanierungen quasi nebenbei laufen. „90 Prozent machen wir selbst“, versichert Bedrush Gaxherri. Der Rest der Arbeiten werde vergeben. „Das ist unser Hobby“, bestätigt sein Bruder Bujar, der im Café Ideal das Sagen hat. Der Ausbau des Lambsheimer Firmensitzes brachte die Brüder darauf, in dieser Branche Fuß fassen zu wollen. „Man wächst mit den Ideen“, sagt Bedrush Gaxherri. Im Fokus haben die Brüder hauptsächlich Ludwigshafen. Vor elf Jahren begann ihr Engagement mit der Sanierung eines Gebäudes in der Kanalstraße, gleich um die Ecke des Bistros Abaco. Inzwischen sind mehr als 15 Häuser mit rund 100 Wohnungen in Kanal-, Seiler-, Hartmann- und Rohrlachstraße im Besitz der gebürtigen Albaner, die auch über die Grenzen des Hemshofs hinausblicken. In der Valentin-Bauer-Straße in West füllen sie gerade eine Baulücke: Sechs 110-Quadratmeter-Wohnungen, jeweils mit Balkonen ausgestattet, sollen bis Ende des Jahres entstehen. Das Haus daneben gehört den Gaxherris bereits. Mittlerweile haben sie alle einen deutschen Pass, sind verheiratet und haben insgesamt 13 Kinder. Der Zusammenhalt in der Familie ist für sie der Schlüssel zum Erfolg. „Ohne diese Kompaktheit würde alles nicht funktionieren“, sagt Bedrush Gaxherri, bei dem alle Fäden zusammenlaufen. „Jeder unterstützt jeden.“ Über die Investitionen, die in die Hunderttausende gehen dürften, spricht er nicht so gerne. Er sagt lieber Sätze wie: „Mir liegen diese alten Häuser am Herzen.“ Und wenn man miterlebt, wie er mit großen Augen über Baustellen spaziert, auf schöne Fassaden deutet und regelrecht ins Schwärmen gerät, ist das ein Indiz dafür, dass das keine Floskel und Geld wichtig, aber nicht alles für ihn ist. Dass der Rubel rollt, kann man nur erahnen. „Die Wohnungen sind immer schnell weg“, erzählt Bedrush Gaxherri – speziell im multikulturell geprägten Hemshof sei die Nachfrage riesig. Interessenten kommen aus der ganzen Region: Familien aus Ludwigshafen, Singles aus Mannheim, Ärzte aus Heidelberg, Pärchen aus dem Kreis. Die Vermarktung läuft weitgehend über das Internet oder über Mundpropaganda. „Die Menschen kennen uns und sprechen uns direkt an“, berichtet der Firmenchef. Seine leicht ergrauten langen Haare hat er zum Zopf gebunden. Er tritt bescheiden auf, hört aufmerksam zu und pflegt einen freundlichen Umgangston – ob im legeren Pulli bei einer Tasse Kaffee oder in der Arbeitskluft im staubigen Rohbau. Der 47-Jährige hat in Priština Landwirtschaft studiert. Bujar ist Kommunikations- und Informationstechniker, Rruste Maschinenbauer, Ben im Steuerfach zu Hause. Beruflich ergänzen sich die Brüder insofern prima. Natürlich hat der Fleiß seinen Preis. Mehrere Monate im Jahr ist Bedrush Gaxherri auf Achse. Oft kommt der Vater von fünf Kindern im Alter von neun bis 25 Jahren erst nach 22 Uhr heim. „Das ist ein doppelter Job, aber das passt schon“, sagt er über die Belastung. Seine alte Heimat bereist er im Jahr nur für eine Woche. Um die 25 Hektar Land gehören den Gaxherris dort noch. Sehnsucht hat er nicht. „Ich bin hier zu Hause, ein richtiger Pfälzer“, sagt er. Bei der Fußball-EM werde er zunächst den Deutschen und dann den Albanern die Daumen drücken. Das aktuelle Sanierungsprojekt in der Ludwigshafener Rohrlachstraße 49 bis 51 – direkt gegenüber dem Gasthaus Maffenbeier – ist nach zwei Jahren fast abgeschlossen. Noch im April sollen erste Mieter einziehen. An dieser Stelle haben die Gaxherris einen Neubau in einer Lücke hochgezogen und mit dem Altbau daneben verbunden. Es gibt einen gemeinsamen Fahrstuhl und eine Tiefgarage mit elf Stellplätzen. Die zehn Drei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen sind fast fertig, alle mit Balkon und Parkettboden, jeweils 115 bis 120 Quadratmeter groß. Der Quadratmeterpreis liegt bei etwa sieben Euro. Es gibt einen Innenhof und Platz für einen Garten, der bald angelegt werden soll. In den oberen Etagen hat man eine tolle Aussicht auf die Innenstadt, den Würfelbunker, das Rathaus und das Sparkassengebäude. Auf der anderen Seite sieht man durchs Fenster den Goerdelerplatz. Die Klinkerfassade am älteren Haus will Bedrush Gaxherri unbedingt erhalten. Restauriert hat die Firma auch die hinreißende Außenhaut eines Schmuckstücks wenige Meter weiter in der Seilerstraße 17 – die Ornamente zwischen und über den Fenstern sind Hingucker. Ein kleines Schild weist das Gebäude als Kulturdenkmal aus. Renoviert wurde das fünfstöckige Haus mit fünf Wohnungen nach dem gleichen Muster wie in der Rohrlachstraße. „Das ist das schönste Haus in Ludwigshafen“, sprudelt es aus einem Mann mit Schnauzbart heraus, als er vor dem Gebäude aus seinem Auto steigt und Bedrush Gaxherri auf sich zukommen sieht. Der nimmt’s lächelnd zur Kenntnis und mag sich denken: Alles richtig gemacht.