Mutterstadt Mahnwache: Mutterstadter setzen ein klares Zeichen

Einige Mutterstadter kamen mit selbstgemachten Plakaten mit eindeutigen Botschaften zur Mahnwache.
Einige Mutterstadter kamen mit selbstgemachten Plakaten mit eindeutigen Botschaften zur Mahnwache.

Etwa 300 Mutterstadter sind am Sonntagnachmittag zur Mahnwache auf den Platz an der Neuen Pforte gekommen, um ein Zeichen zu setzen gegen den aufkeimenden Rechtspopulismus. Mit dem Slogan „Nie wieder! – Aufstehen für die Demokratie!“ hat Thorsten Scheurer (FWG) zu einer Mahnwache aufgerufen. Die Botschaft war eindeutig – auch dank der zum Teil sehr emotionalen Redebeiträgen.

„In Mutterstadt gibt es keinen Platz für Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz!“ Mit diesen Worten brachte Bürgermeister Thorsten Leva (SPD) auf den Punkt, was wohl die meisten Bürgerinnen und Bürger zeigen wollten, als sie an diesem sonnigen Sonntagnachmittag auf den Platz vor der Neuen Pforte gekommen waren. Einige hatten selbst gemachte Plakate und Regenbogenfahnen dabei, die Atmosphäre war friedlich, besonders darüber war Thorsten Scheurer sehr glücklich. Seine Intention ist aufgegangen. Er hat die Mahnwache spontan initiiert und zusammen mit Mutterstadter Vertretern aller Parteien und Glaubensgemeinschaften organisiert, um aktiv zu zeigen, dass es „eine stille Mehrheit gibt, die nicht die Ansichten der AfD teilt“, sagte er im Vorfeld der Veranstaltung. Als er dann am Sonntag ans Mikrofon trat, verlas er die berühmten eindrücklichen Worte des Theologen und evangelischen Pfarrer Martin Niemöller: „Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Gewerkschaftler holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Gewerkschaftler. Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Jude. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“ Niemöller sympathisierte zunächst mit den Nationalsozialisten, wandte sich dann gegen sie. Soweit darf es nach Scheurers Meinung nie mehr kommen. Wehret den Anfängen!

In einem ARD-Interview sagte die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer: „So hat es damals auch angefangen.“ Sie bezog sich auf die zunehmenden antisemitischen Vorfälle hierzulande. Bürgermeister Leva zitierte sie in seiner Rede und warnte vor dem „Monster, das wir unbedingt einfangen müssen – und zwar jetzt“. Das Monster, das sind für ihn die rechtspopulistischen Kräfte, die nach einer Recherche der Correctiv-Journalisten in einem Geheimtreffen einen „Masterplan“ geschmiedet haben sollen zur Abschiebung von Menschen, die nicht deren völkischer Ideologie entsprechen. Leva warnte: „Berechtigte Kritik an der Politik der Regierenden darf nicht dazu führen, die Demokratie als Ganzes in Frage zu stellen.“ Er appellierte, den Dialog zu suchen. „Sprechen Sie persönlich oder in den sozialen Medien allen Mut zu, um der Verächtlichmachung der Demokratie entgegenzutreten.“

„Demonstrieren allein reicht nicht“, sagte der katholische Pfarrer Michael Hergl. „Treten Sie in den Dialog, hören Sie sich die Geschichten hinter den Geschichten von den Menschen an, die sich unverstanden und abgehängt fühlen!“, riet er und stellte klar: Eine sich radikalisierende AfD sei nicht wählbar.

„Wir müssen alle den Mund aufmachen und die Menschenwürde verteidigen“, forderte auch der evangelische Pfarrer Knut Trautwein. Es sei ihm schwergefallen, an diesem Tag zu sprechen. In den sozialen Medien sei ihm das Recht quasi abgesprochen worden mit der Bemerkung: ,Kümmert euch doch erst einmal um eure Missbrauchsfälle!’ Pfarrer Trautwein sagte: „Diese in der Forum-Studie bekanntgewordenen Fälle sind schrecklich und beschämend, aber kein Grund, jetzt zu schweigen.“ Ihn besorgt, dass in den politischen Diskussionen und Entwicklungen so unterschiedslos von „der Politik“ gesprochen werde. Stattdessen wünschte er sich bei der Bewältigung der vielen Herausforderungen, dass mehr bei der Sache geblieben und keine parteipolitische Machtkämpfe ausgetragen werden.

Zum Abschluss sang der Mutterstadter Sänger und Liedermacher Uli Valnion Friedenslieder: „Es hat erst angefangen, wir werden immer mehr …“, hieß es darin unter anderem.

In Mutterstadt sei kein Platz für Fremdenfeindlichkeiten, stellte Bürgermeister Thorsten Leva (links) in seiner Rede klar.
In Mutterstadt sei kein Platz für Fremdenfeindlichkeiten, stellte Bürgermeister Thorsten Leva (links) in seiner Rede klar.
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