Rhein-Pfalz Kreis Lyrische Liebe zur Bretagne

Mutterstadt. Zum ersten Mal hat Autorin Katrin Kirchner ihren neuen Gedichtband „Armorika, Land am Meer gelegen – Eine Liebeserklärung“ in ihrer Wahlheimat Mutterstadt vorgestellt. Der Abend mit Spezialitäten aus der Bretagne, bretonischer Musik und den Radierungen von Günther Berlejung in der Gemeindebibliothek ist beim Publikum sehr gut angekommen.
„Ich freue mich, dass so viele gekommen sind“, sagt Kirchner. Und kündigt gleich eine kleine Überraschung an: Ihre Gedichte werden nicht nur von ihr selbst vorgetragen, sondern auch von Monika Schönbucher, einer Freundin der Autorin und Französischlehrerin. Sie liest die Werke zudem in klingendem Französisch, was die Atomsphäre und Stimmungen der Gedichte umso authentischer wirken lässt. Und die haben es in sich, vermitteln das Gefühl, dass das lyrische Ich die Gegebenheiten auf sich wirken lässt, einsaugt und sogar noch Positives im Verfall sieht. Wie in „Meeres-Veteran“, das die Schiffsfriedhöfe besingt, die in der Bretagne zum Bild gehören. Denn die verfallenen Schiffe haben nicht nur eine Geschichte zu erzählen, sondern sie besitzen auch eine Zukunft als Zuhause für Pflanzen und Tiere. Inspiriert von diesem Gedicht fängt Berlejung die Stimmung in seiner Radierung „Nachmittag am alten Schiffsfriedhof“ ein, die zu seinen Lieblingsradierungen zählt. Das Bild strahlt Ordnung und Chaos zugleich aus. Warme Farben wechseln sich mit kalten ab. Eine Art roter Spirale wirbelt in der Mitte die zerfallende Ordnung und das Blau durcheinander. Am Rand im Blau kaum sichtbar die Umrisse von Menschen und groß ein schwarzer (Toten)-Vogel. Trauer und Anklage schwingen mit in „Für Volk und Vaterland“. Denn die Gräber der Soldaten stehen in Reih und Glied – so wie die Soldaten marschieren mussten. Dazu die Radierung „Von Helden und Heiligen“, in der die menschlichen, grob gezeichneten Figuren ebenfalls in Reih und Glied sitzen, im Hintergrund eine Art braunes Kreuz und sechs blaue, fast ovale Gestalten oder Flammen, ebenfalls in Reih und Glied. „Sie drücken bestimmte Stimmungen und Themen aus“, sagt der Künstler. „Und sie sind alle schwierig zu drucken“, sagt er schmunzelnd. Er selbst mag Kirchners Liebesgedichte. Über sie kam er zu der Autorin und gestaltete zeichnerisch ihr erstes Buch „Hautgefühl“. Und natürlich würdigt die Autorin immer wieder die Bretagne, vor allem Lorient, die Partnerstadt Ludwigshafens, für die sie nicht nur von Berufs wegen eine große Zuneigung hegt. In der Stadtverwaltung Ludwigshafen für die Städtepartnerschaft zuständig, war sie schon rund 60 Mal in Lorient. „Die Bretagne ist eine Sehnsuchtsgegend.“ So heißt denn auch eins ihrer Gedichte „Lorient“. Oder „Blaue Hortensien“, die es in dieser Gegend „in allen Schattierungen“ gibt. Und sie fokussiert die Bunker, die „wie Perlen an einer Kette von Deutschen erbaut wurden“, jetzt aber Künstlern dazu dienen, aus den traurigen Erinnerungen Kunstwerke zu machen. Kirchner würdigt sie in „Bunker in der Bretagne“. „Vieles entsteht mit dem ersten Satz“, sagt sie zu ihrer Arbeitsweise. „Das gilt auch für Prosatexte.“ Sie wird weiterschreiben, aufhören geht nicht. Ideen gibt es viele, wie ihre Kinderbücher. (udn)