Lambsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Litfaßsäulen warten auf Plakate

Schmuckes Türmchen neben schmuddeliger Säule: zu sehen im Zentrum von Lambsheim.
Schmuckes Türmchen neben schmuddeliger Säule: zu sehen im Zentrum von Lambsheim.

„Außenwerbung mit Kultfaktor.“ So wirbt ein Anbieter von Werbeflächen an Litfaßsäulen. Doch statt mit bunten Plakaten beklebt, stehen die Säulen oft im langweiligen Rohzustand oder mit Fetzen alter Werbeträger da. Wozu braucht man die Dinger eigentlich noch?

Wie ein schmuddeliger Klotz steht die Litfaßsäule am Übergang der Weisenheimer Straße in die Hauptstraße da, ausgerechnet in Sichtweite des Lambsheimer Türmchens als Wahrzeichen des Dorfs. Drei weitere Werbesäulen stehen in Mühltor-, Maxdorfer und Stadtgrabenstraße. Die Corona-Pandemie hinterlässt offenbar auch in der Werbebranche ihre Spuren. Keine Veranstaltungen, das heißt: keine Werbeplakate. Schön fürs Ortsbild sind die kahlen oder von Papierfetzen übersäten Oberflächen jedoch nicht.

Vier solcher Betonsäulen gibt es noch in Lambsheim, die fünfte musste während des Umbaus des Bahnhofs weichen. „Wie lange die Litfaßsäulen in Lambsheim schon stehen, lässt sich nicht mehr nachvollziehen“, sagt Thomas Bauer, Leiter des für Sicherheit und Ordnung zuständigen Fachbereichs, auf Anfrage. „Wenn sie in schlechtem Zustand sind, melden wir das bei der Werbefirma“, sagt Bauer. Das sei in den vergangenen zwei Jahren jeweils einmal notwendig gewesen, zuletzt im Dezember.

Magere Einnahmequelle

„Die Litfaßsäulen sind Eigentum der jeweiligen Gemeinde. Der Betrag, den sie für die Werbeplakate erhält, ist vergleichsweise gering“, sagt Bauer. Wegen des Wegfalls von Veranstaltungen lagen die Einnahmen Lambsheims dafür im vergangenen Jahr gerade mal bei 60 Euro. Der größte Teil der durch die Werbung erzielten Einnahmen geht laut Bauer an die Werbefirma als Vertragspartner. Die soll ihrerseits dafür sorgen, dass die Reklame ordentlich aussieht.

Der Grundgedanke bei der Erfindung von „Annoncier-Säulen“ vor mehr als 200 Jahren war die Eindämmung des wilden Plakatierens in Städten und Gemeinden. Der Berliner Drucker Ernst Theodor Amandus Litfaß verband damals das Nützliche mit dem Praktischen. Auf den seinerzeit hölzernen Säulen konnten Berliner Bürger Nachrichten und Annoncen veröffentlichen. Schnell verbreiteten sich die gut sichtbaren Informationsträger zunächst in Deutschland, dann in aller Welt.

Zehntausende noch übrig

Heute jedoch muten Litfaßsäulen altmodisch an, wie aus der Zeit gefallen. Wer professionelle Außenwerbung macht, nutzt doch eher die großen Werbeflächen an stark befahrenen Straßen und viel frequentierten Stellen, sollte man meinen. Und auch die Ankündigung einer Ü30-Party verbreitet sich inzwischen wohl besser über die sozialen Medien als am Straßenrand. Dennoch halten Werbefirmen und Kommunen an den Litfaßsäulen fest. Rund 67.000 soll es in Deutschland noch geben.

Ihr Entfernen sei in Lambsheim bisher kein Thema für den Gemeinderat gewesen, sagt Ortsbürgermeister Herbert Knoll (CDU). Ein Rückbau dieser Werbeträger sei auch nicht unbedingt günstig. „Außer der Betonsäule müsste auch der Sockel entfernt werden“, meint Knoll, „und der Gehsteig müsste dann erneuert werden.“ Bleibt zu hoffen, dass in der Kulturszene irgendwann wieder Normalität einkehrt und Theaterabende, Konzerte, Partys und Feste wieder zahlreich stattfinden. Dann dürfte für die regionalen Veranstalter das Plakatekleben an der Litfaßsäule wieder attraktiv sein – wenn auch nur aus Nostalgie.

Auch diese Litfaßsäule im Schatten des Lambsheimer Kirchturms hat schon mal bessere Tage gesehen.
Auch diese Litfaßsäule im Schatten des Lambsheimer Kirchturms hat schon mal bessere Tage gesehen.
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