Mutterstadt
Leute im Landkreis: Zwei gute Seelen für die Vereine
Sie sind noch da, wenn der letzte Zuschauer den Sportpark verlässt. Sie koordinieren den Sportstättenbetrieb, so dass sich die verschiedenen Mutterstadter Sportvereine beim Training nicht in die Quere kommen. Und natürlich sorgen sie dafür, dass Rasen und Kunstrasen, die Bahnen und die gesamte Anlage stets in einem guten Zustand sind. Kurz: die Platzwarte der Gemeinde sind die gute Seele des Mutterstadter Sportparks.
Das wissen die Vereine zu schätzen, und deshalb hat der RKS Phoenix Mutterstadt Mario Neumann und seinen mittlerweile pensionierten Kollegen Wilhelm Neumann für eine Ehrung durch den Sportbund Pfalz sowie durch den Rasenkraftsport- und Tauziehverband (RTV) Rheinland-Pfalz vorgeschlagen. Phoenix-Geschäftsführer Gerhard Zachrau betont, dass das Engagement der Platzwarte aus Sicht des Vereins weit über das normale Maß hinaus gehe.
Der gleiche Nachname ist Zufall
Mario Neumann ist seit 2008 für die Gemeindeverwaltung als Platzwart tätig. Der 59-Jährige kam 1990 aus Dresden nach Mutterstadt und hat zunächst im Baugewerbe gearbeitet. Wilhelm Neumann, der nur zufällig den gleichen Nachnamen trägt und nicht mit seinem Kollegen verwandt ist, ist ein „waschechter Mutterstadter“, wie er sagt. Von 2015 bis 2020 war der gelernte Gärtner im Dienste der Gemeinde für den Sportpark zuständig. Seit vergangenem Jahr ist der 70-Jährige im Ruhestand. Doch es war dem RKS Phoenix wichtig, auch ihn zu ehren: „Wir vergessen unsere Freunde und Helfer nicht“, sagt Gerhard Zachrau.
Dass Angestellte der Gemeinde überhaupt eine solche Ehrung bekommen, sei schon außergewöhnlich, findet Mutterstadts Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD). Die Erfahrung sei eher, dass die Leistungen als selbstverständlich hingenommen würden. Dabei ist die Einsatzbereitschaft der Platzwarte groß. Vor allem zeitlich ist enorme Flexibilität erforderlich. „Wir sind schwer wetterabhängig“, nennt Mario Neumann ein Beispiel. Denn bei starkem Regen sei etwa Rasenpflege nicht möglich.
Arbeiten, wenn andere frei haben
Auf 45 bis 50 Stunden schätzt Wilhelm Neumann die Arbeitszeit pro Woche in der Trainings- und Spielsaison. „Außerhalb der Saison bauen wir dann Überstunden ab“, sagt Mario Neumann, wobei auch in dieser Zeit Pflege- und Reparaturarbeiten anfielen. Wenn andere Menschen am Wochenende ihre Freizeit genießen, müssen die Platzwarte häufig arbeiten. Denn dann stehen Fußballspiele und andere sportliche Wettkämpfe an. Und dabei ist immer mal wieder spät Feierabend. „Einmal wurde es kurz vor 23 Uhr“, erinnert sich Mario Neumann. Das sei jedoch eine Ausnahme für ein Pokalspiel gewesen. Normalerweise könne er spätestens um 22 Uhr den Platz abschließen.
Sowohl Sportbund, RTV als auch der Bürgermeister als Dienstherr waren sich über die Ehrung einig. Für den Sportbund überreicht an diesem Nachmittag Ralf Kissel, Vorsitzender der Sportjugend Ludwigshafen, die silberne Ehrennadel samt Urkunde an Mario Neumann und die bronzene Ehrennadel sowie Urkunde an Wilhelm Neumann. Auch der RTV-Vorsitzende Volker Strub hat Urkunden als Dank an die beiden Platzwarte mitgebracht. Und vom Bürgermeister gibt es dazu das passende Präsent, um auf die Ehrung anzustoßen.
Problemlöser-Qualitäten
Beispiele für das besondere Engagement und die Problemlöser-Qualitäten der „Neumänner“ gibt es viele. In seiner Begründung für die Ehrung nennt Gerhard Zachrau da unter anderem die schnelle Hilfe, als drei Wurfhämmer des Vereins im Gitter des Schutzkäfigs hängengeblieben waren. In seiner Freizeit sei einer der beiden Platzwarte schnell mit einer großen Leiter zur Stelle gewesen. Mario Neumann machen solche spontanen Einsätze nichts aus: „Ich bin ledig, da ist es nicht so schlimm.“
Bürgermeister Schneider fällt derweil ein anderes Problem ein, das von den Platzwarten gelöst wurde: Kaninchen hatten sich 2012 im Sportpark breit gemacht und immer wieder Löcher in den Naturrasen gewühlt. „Die Verletzungsgefahr für die Spieler war zu groß, da mussten wir reagieren“, meint Mario Neumann. Kurzerhand wurde um den Rasenplatz Hasendraht gelegt. „Das hat bis heute funktioniert.“
Neben dem Handwerklichen sind die Platzwarte aber auch mit dafür zuständig, die Trainingszeiten zu koordinieren. Und so manches Mal ist es auch nötig, diplomatisches Geschick zu beweisen. Denn trotz des generell guten Verhältnisses zu den Vereinen, Funktionären und Eltern gebe es auch gelegentlich „Querschläger“, merkt Wilhelm Neumann an. „Manchmal muss man auch ein bisschen härter sein“, sagt er.