Rhein-Pfalz Kreis
Leute im Landkreis: Ulrike Ballreich pendelt mit dem E-Bike von Maxdorf nach Mannheim
Mit den guten Vorsätzen hat Ulrike Ballreich nicht bis zum Jahreswechsel gewartet. Die Maxdorferin hat sich nach der Sperrung der Hochstraße Süd in Ludwigshafen überlegt, dass sie keine Lust mehr hat auf den Stress im Auto. Seither fährt die 48-Jährige mit dem Fahrrad zu ihrem Arbeitsplatz nach Mannheim und hat viele schöne Erfahrungen gesammelt.
„So, die Testphase lief jetzt knapp vier Monate“, lautete eine erste Bilanz von Ulrike Ballreich per Facebook. „Es geht alles besser als gedacht. Gerade am Donnerstag war ich mit dem Fahrrad deutlich schneller in Mannheim als die Autos, die im Stau standen.“ Zudem listet sie auf, dass sie bei ihrem Fahrrad-statt-Auto-Projekt vielfach überrascht wurde: „Das Wetter sieht von drinnen oft schlechter aus, als es draußen ist, die gefühlten Kilometer verschieben sich ebenso wie die eigenen Grenzen im Kopf, und ICE-Fahren mit dem Fahrrad klappt. Man wird sogar freundlich vom Schaffner auf dem Bahnsteig begrüßt.“
Ursprünglich sollte die E-Bike-Testphase nur einen Monat dauern. So hatte es die Mittvierzigerin am 24. August via Facebook verkündet: „Bei dem Verkehrschaos in MA-LU mache ich nicht mit.“ Inzwischen ist aus dem Test ein neues Lebensgefühl geworden.
Durch die Felder und den Friedenspark
Zu dem Gespräch über ihre Erfahrungen kommt die Maxdorferin mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht und roten Wangen. Denn auch an diesem Morgen Ende Dezember ist sie die Strecke von Maxdorf durch die Felder über Oggersheim, die Mannheimer- und Industriestraße und durch den Friedenspark in die Ludwigshafener Innenstadt geradelt. Dass ihr das an diesem eiskalten sonnigen Wintertag gut getan hat, ist offensichtlich.
Hätte sie nicht frei, dann würde sie ihr Weg mit dem silberfarbenen E-Bike noch weiter über die Konrad-Adenauer-Brücke, am Mannheimer Schloss und am Neckar entlang bis nach Neuostheim führen. Denn hier arbeitet Ulrike Ballreich montags bis donnerstags im Personalwesen einer großen Patentanwaltskanzlei.
Planbare Fahrradtour
Bis zur überraschenden Sperrung der Pilzhochstraße ist die Mutter dreier erwachsener Töchter ganz klassisch immer mit dem Auto ins Büro gependelt. Eine halbe bis dreiviertel Stunde hat sie für die 25 Kilometer lange Strecke gebraucht. Und kam vor allem nach der Arbeit in der Kanzlei oft ziemlich gestresst nach Hause. Das sei jetzt ganz anders. Im Gegensatz zur Fahrt mit dem Auto sei die Tour mit dem Fahrrad sehr gut planbar, und das Abschalten gelinge dabei ganz automatisch. Außerdem ist Ulrike Ballreich überrascht, wie viele andere Berufspendler inzwischen ebenfalls in die Pedale treten: „Es sind viel mehr Leute mit dem Fahrrad unterwegs, als man so denkt.“
Das schicke E-Bike hat sie sich erst gekauft, nachdem sie den Entschluss gefasst hatte, die Fahrrad-Testphase zu starten. Stundenlang probierte sie in einem Fahrrad-Fachgeschäft diverse Modelle aus, bis sie das passende Rad gefunden hatte. Mithilfe eines guten Freundes erkundete sie dann die optimale Strecke von Maxdorf nach Mannheim-Neuostheim.
Mit dem Fahrrad nach München
Nur einmal ist die gebürtige Mannheimerin bisher richtig patschnass geworden. „Aber das war ein warmer Sommerregen“, erzählt sie. Außerdem habe sie immer Wechselsachen dabei. Zweimal hatte sie einen platten Reifen. Seit sie etwas Geld in bessere Mäntel investiert habe, sei das aber auch kein Thema mehr gewesen.
Auf ihr neues Fahrrad wollte Ulrike Ballreich auch bei einer Dienstreise nach München nicht verzichten. „Beim Einsteigen in den ICE wurde ich sogar freundlich vom Schaffner begrüßt.“ Der habe ihr dann auch geholfen, das Fahrrad in einem Gepäckwaggon unterzubringen, weil es für die normalem Halterungen zu groß und zu schwer war. In ihrem Münchner Hotel gab es sogar einen Fahrradkeller für die Gäste.
Japanische Handschuhe im Regionalzug
Die Rückfahrt in Regionalexpresszügen war dann zwar etwas unbequemer, komplizierter und anstrengender. Aber dabei kam Ulrike Ballreich dann zum Beispiel mit einer Frau ins Gespräch, die japanische Handschuhe gestrickt hat. Und als die meisten Mitreisenden in Stuttgart ausgestiegen sind, hätten sich alle noch herzlich „Frohe Weihnachten“ gewünscht.
Den Spruch eines Kollegen „Wenn man bis Weihnachten radelt, kann man auch das ganze Jahr radeln“, unterschreibt Ulrike Ballreich sofort. Ihr fällt zurzeit auch kein Grund ein, warum sie wieder zu alten Auto-Gewohnheiten zurückkehren sollte. Ihren Pkw will die Maxdorferin zwar nicht abschaffen, aber mittelfristig kann sie sich schon vorstellen, dass sie und Ehemann Bernd vielleicht nur noch ein Auto brauchen werden. Denn auch er denkt über einen Umstieg aufs Fahrrad nach.
Ein guter Vorsatz.