Böhl-Iggelheim
Leute im Landkreis: Stefan Hornbachs Debüt-Roman ist vielbeachtet
Seit er sich erinnern kann, wollte er Schauspieler werden, erzählt der 35-jährige Autor des Romans „Den Hund überleben“ (Hanser Verlag), der aktuell in Konstanz am Bodensee lebt. Als Kind ist er in Iggelheim in die Jakob-Heinrich-Lützel-Grundschule gegangen und wollte in die Theater AG. Seine Freude an der Welt der Fantasie wurde durch Märchen geweckt. Die habe er gerne von den Eltern gehört und bald selbst gelesen.
Gerade die etwas gruseligen Geschichten faszinierten ihn. Im Gedächtnis geblieben und im Roman zitiert, ist ihm „Von dem Machandelboom“ (Vom Wacholderbaum), ein Märchen, das die Brüder Grimm in ihrer Sammlung von Kinder- und Hausmärchen veröffentlicht haben. Darin wird ein Junge geköpft, unwissentlich vom Vater aufgegessen, dann kehrt er in Gestalt eines Vogels zurück und erschlägt die böse Schwiegermutter mit einem Mühlstein. „Das ist eigentlich eine Horrorgeschichte, nicht unbedingt für Kinder“, sagt er heute.
Märchen selbst erfunden
Als Kind hatte er das und mehr gelesen und war etwas enttäuscht, als in der Theater AG dann „Das tapfere Schneiderlein“ einstudiert werden sollte. Das fand er langweilig und habe das auch gesagt. Seine Eltern haben ihm improvisierte Geschichten erzählt, und kürzlich habe er im Elternhaus in Iggelheim ein altes Heft gefunden, in dem er selbst erfundene Märchen aufgeschrieben habe.
In Mutterstadt besuchte Hornbach die Integrierte Gesamtschule (IGS). Eigentlich habe er erwartet, dort die Mittlere Reife zu machen und dann an eine Schauspielschule zu gehen. Doch in der Schule lief es gut, er machte Abitur. Danach jobbte er in einem Logistikunternehmen in Mannheim und nahm Schauspielunterricht. Zum Studium der Theaterwissenschaften ging Stefan Hornbach nach München, in der Zeit habe er parallel eine Schreibwerkstatt besucht und dort an seinen Texten und seinem Stil gefeilt, erzählt er. Nach seinem Abschluss ging er nach Ludwigsburg auf die Schauspielschule. Danach lebte er in Berlin, wo er sein Masterstudium Literarisches Schreiben machte, jetzt in Konstanz. Sebastian, der Protagonist seines erfolgreichen Roman-Debüts, wollte gerade in die Welt hinaus, als er schwer krank wurde. Dann kehrte er zurück in seine pfälzer Heimat, nach Mutterstadt.
Keine Autobiografie
„Zuerst hatte der Ort während des Schreibens noch keinen Namen, dann habe ich gemerkt, dass das erzählerisch schwierig wird“, sagt er. Er wollte einen Ort wählen, den er selbst gut kenne. Aber es sollte nicht Böhl-Iggelheim sein, das wäre zu nahe an ihm und seinem privaten Umfeld. „Mir ist wichtig, dass ich nicht mit meinem Protagonisten identisch bin. Der Roman ist keine Autobiografie“, betont Hornbach. Die Heimat seines Protagonisten sollte auch einen schönen Klang und positive Assoziationen haben, da eigne sich Mutterstadt gut. „Haßloch hätte für diesen Roman nicht gut gepasst, aber vielleicht für den nächsten“, sagt er.
Mit der Rückkehr ins Elternhaus will der Protagonist an einen Ort, wo er Frieden und Kraft finden kann. Dieses „Auftanken“ erlebt Hornbach, wenn er seine Eltern in Böhl-Iggelheim besucht, was er öfter mache. Dort im Garten genieße er Ruhe und Erholung. In Mutterstadt sei er länger nicht gewesen, aber er sei während der Arbeit am Roman durch den Gemeindewald spaziert, weil das auch sein Protagonist im Buch öfter mache.
Über ein Stipendium im Künstlerhaus Edenkoben im Jahr 2020 freute sich Hornbach besonders. Nicht nur wegen der Nähe zur alten Heimat. Von hier aus habe er die Pfalz wiederentdecken können und dazu auch Freunde eingeladen, von denen viele in Berlin leben. Auch zu seinen Freunden vom Jugendtheater Club in Speyer, wo er als Schüler mitspielte, halte er noch Verbindungen.
Aktuell hat der Autor viel zu tun: Der Erfolg seines Romans führt ihn zu Lesungen, Buchvorstellungen und mehr. Ideen für weitere Bücher und Projekte gebe es. „Im Moment genieße ich, dass der Roman erschienen ist, und dann werde ich mich ein bisschen erholen“, sagt er.