Dannstadt-Schauernheim / Schifferstadt
Leute im Landkreis: Schifferstadter Hartmut Gihr baut originalgetreues Lokalbahn-Modell
Alles fing damit an, dass Hartmut Gihr vor rund 30 Jahren ein Echtdampf-Treffen in der Ludwigshafener Eberthalle besuchte. „Das hat mich sofort fasziniert“, erzählt der heute 63-Jährige. Kein Wunder, war der im Kuseler Raum geborene Gihr doch bis zum Ruhestand als Maschinenbautechniker bei der BASF in der Forschung tätig. „Das prägt natürlich, man schaut genau, wie ist etwas konstruiert, wie geht man an so eine Maschine ran.“ Der Schifferstadter war „infiziert“ und baute seine erste Lok, eine Gartenbahn.
Mit dem Thema Lokalbahn in der Vorderpfalz kam Hartmut Gihr, der damals noch in Ludwigshafen-Friesenheim wohnte, über die Buchautoren Wilhelm Distler und Jochen Glatt in Berührung. Für eine Ausstellung im dortigen Heimatmuseum vor zwölf Jahren baute Gihr dann die erste „Elias-Lok“, im Maßstab 1:22,5.
Beim Gespräch im Dannstadter Rathaus, vor seinem jetzt erbauten neuesten Modell, hat Hartmut Gihr diese Lok sogar dabei – sorgsam in ein Holzgestell verpackt. Um sie zu zeigen, ist der passionierte Radfahrer mit dem Auto gekommen – es soll ja nichts drankommen an das gute Stück, zumal es regnet. Sonst bewegt sich der Schifferstadter am liebsten mit seinem Zweirad fort, bei Wind und Wetter, erzählt er.
An der Farbgebung getüftelt
Diese erste Lok ist erheblich größer als das Modell, das Gihr für die Vitrine im Dannstadter Rathaus gebaut hat – dort haben Lok und Wagen den Maßstab 1:32. Wie das Modell des 1890 erbauten Lokalbahnhofs, das die Aktiven des Kultur- und Heimatkreises Dannstadter Höhe geschaffen und 2017 hier aufgestellt haben (siehe „Zur Sache“). Die vorherige Zug-Garnitur war nur „angenähert“, heißt es aus dem Rathaus, „das hat nicht so gepasst“, erzählt Gihr. Wo doch das Modell des Lokalbahnhofs so gut gelungen sei. Das ließ ihm keine Ruhe – er nahm Kontakt zum Kultur- und Heimatkreis auf und machte sich ans Werk. Und das mit Akribie. „Bei 200 Arbeitsstunden habe ich aufgehört zu zählen“, sagt Gihr nun vor dem fertigen Modell mit einem Schmunzeln. Da sei die Lok erst halbwegs fertig gewesen. Letztlich hat Gihr neben der Lok noch zwei Personenwagen, einen Post- und Packwagen und einen Güterwagen – beladen mit echter Kohle – erbaut. Alles in Handarbeit aus Materialien wie Messing, Holz und Kunststoff. Ein großes Problem für den Tüftler war die Farbgestaltung. „Leider liegen uns von den damaligen Lokalbahn-Dampfzügen bisher keine Farbfotografien vor“, hat dazu auch Hans-Martin Weber vom Kultur- und Heimatkreis gesagt, aber: „Die Farbgebung kommt der früheren Wirklichkeit sehr nahe“. Es gibt ja noch Zeitzeugen. Gihr hat dazu viel recherchiert, mit Experten gesprochen und ausprobiert. Mit ebenso viel Liebe zum Detail hat er sich der Beschriftung von Lok und Wagen gewidmet, bis hin zur Inneneinrichtung mit zeitgenössischer Werbung.
Kritisch blickt Hartmut Gihr auf sein Werk
Die Lokomotive birgt eine kleine Besonderheit: Gihr hat testweise einen kleinen Antrieb eingebaut. Das heißt, die Maschine könnte sogar fahren – was sie in der Schauvitrine natürlich nicht braucht. „Das war schon sehr viel Aufwand“, meint der Schifferstadter dazu bescheiden. Seine Frau mache da schon was mit, sagt er mit einem Augenzwinkern. Und steht schon wieder mit kritischem Blick vor seinem Werk im Foyer des Dannstadter Rathauses. Die Dachbelüfter der Waggons will er austauschen, sagt er, „und der Hydrant auf dem Bahnsteig ist im Vergleich zu groß geraten, den mache ich neu“. Inzwischen arbeitet Hartmut Gihr sogar mit einem 3-D-Drucker, „das ist eine tolle Sache“. Einen ganzen Zug will er auf diese Weise bauen.
Trotz des aufwendigen Hobbys: Hartmut Gihr findet Zeit für andere Beschäftigungen. Mit Holz bastle er gerne, „Feines und Grobes“, durchaus auch mal mit der Kettensäge. Schwimmen geht er ebenfalls gerne – und Singen beim Männergesangverein 1854 Schifferstadt.
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