Altrip RHEINPFALZ Plus Artikel Leute im Landkreis: Rita Hammann singt seit 70 Jahren im Chor

Rita Hammann singt seit 70 Jahren im protestantischen Kirchenchor Altrip. Und sie erinnert sich noch an ihr erstes Lied: „Hebe d
Rita Hammann singt seit 70 Jahren im protestantischen Kirchenchor Altrip. Und sie erinnert sich noch an ihr erstes Lied: »Hebe deine Augen auf zu den Bergen«.

Gesungen hat Rita Hammann schon immer viel und gern. Die vergangenen 70 Jahre musizierte die 81-Jährige mit großer Freude im protestantischen Kirchenchor Altrip. Nun blickt sie zurück auf sieben Jahrzehnte Chorgesang mit vielen Erlebnissen.

Aufgewachsen in einer musikalischen Familie, ist Hammann das Singen quasi in die Wiege gelegt worden. Zum Kirchenchor kam sie durch den „Lehrer Volker“. Der sei ein Flüchtling aus Ostpreußen gewesen, der nach dem Krieg in Altrip Rektor an der Schule wurde, erinnert sie sich. Es habe sich herumgesprochen, dass er ein großer Kirchenmusiker sei, und so habe man ihn gebeten, den Kirchenchor nach der kriegsbedingten Zwangspause wieder ins zu Leben rufen. Außerdem gab er Klavierunterricht. „Meine Eltern meinten, es wäre nicht verkehrt, wenn ich Klavier spielen lerne“, erzählt Hammann. Als sie elf Jahre alt war, habe er ihr dann gesagt: Es wird Zeit, dass du in den Chor gehst. „Er hat mich nicht gefragt, sondern es einfach bestimmt. Er war sehr streng.“

Sie erinnert sich noch ganz genau an das erste Lied, das sie mit dem Chor eingeübt hat: „Hebe deine Augen auf zu den Bergen“, von welchen Dir Hilfe kommt. „Ich könnte es heute noch singen“, versichert die Jubilarin. Damals sei es ein reiner Frauenchor mit rund einem Dutzend Sängerinnen gewesen, erst nach und nach seien Männer und weitere Frauen dazugekommen. Anfangs habe es keine Räume für den Chor gegeben, so dass die Proben im Kindergarten stattgefunden hätten. „Wir saßen aufeinander wie die Heringe, aber es war so schön“, sagt Hammann.

Alle hatten Tränen in den Augen, als er ging

Leider sei der Lehrer Volker nicht lang geblieben. „Wir hatten alle Tränen in den Augen als er ging“, erzählt Hammann. Danach habe es ein Kommen und Gehen von Dirigenten und Dirigentinnen gegeben. Manche seien ein paar Jahre geblieben, andere nicht so lang – es sei in dieser Zeit schon schwer gewesen, Dirigenten für den Chor zu finden. „Plötzlich hieß es, wir haben einen. Der ,Lehrer Krakehl’ aus Waldsee. Das war wohl Anfang der 1960er-Jahre“, rechnet sie zurück, „denn bei unserer Hochzeit 1963 hat er dirigiert.“ Wie auch beim Lehrer Volker scheint sich im Chor keiner mehr an den Vornamen zu erinnern, es war eben der Lehrer Krakehl.

Der neue Chorleiter war das komplette Gegenteil des Lehrers Volker. Ein lustiger Mann sei er gewesen, der am liebsten „Feld-, Wald- und Wiesenlieder“ mit dem Chor eingeübt habe. „Wir mussten uns nicht so anstrengen, aber es hat uns gutgetan“, sagt Hammann. Orgel habe er nicht spielen können, dafür habe er immer seine Gitarre dabei gehabt. „Mit dem Lehrer Krakehl haben wir dann flotte Ausflüge gemacht. Das steht zwar nicht auf Punkt eins, aber der gesellige Teil ist auch wichtig“, meint Hammann. Gerade in den Anfangsjahren seien diese Ausflüge mit dem Bus etwas ganz Besonderes gewesen, denn man habe ja privat noch keine Autos gehabt. Auch die Adventsfeiern und die Grillfeste im Sommer seien immer sehr schön gewesen.

„Hebe deine Augen auf zu den Bergen“

Auch der Lehrer Krakehl ist nicht ewig geblieben. Gut erinnern kann sich Hammann an Thomas Bauer. „Ein echter Altriper Bub“, wie sie sagt, der mit dem Chor neue christliche Lieder einstudiert hat. Mit ihm war der Chor gleich nach dem Mauerfall zweimal an Wochenenden im Thüringischen Eisleben. Die Sänger seien bei Privatpersonen untergebracht worden und hätten ein Konzert gegeben.

Später sei dann kein Jahr vergangen, in dem der Chor neben den vielen Auftritten in Gottesdiensten nicht auch noch ein Konzert gegeben habe. „Auch immer recht anspruchsvoll“, wie Rita Hammann betont. „Aber es hat uns viel Freude gemacht und wir hatten großen Zuspruch von den Leuten.“

Nach weiteren Wechseln ist nun Alfred Hirsch seit mehr als zehn Jahren Dirigent. Rita Hammann singt immer noch gerne im Chor, auch wenn die Pandemie für eine Gesangsgruppe sicher nicht einfach ist. Ihr absolutes Lieblingslied ist heute: „Geh unter der Gnade, geh mit Gottes Segen“. Doch wenn Sie sich etwas wünschen dürfte, würde sie mit dem Chor gerne noch einmal Ihr allererstes Lied singen: „Hebe deine Augen auf zu den Bergen“.

Ehrungen

Bei einem Gottesdienst Ende Januar wurden neben Rita Zimmermann noch weitere Sängerinnen und Sänger geehrt, die 2020 oder 2021 ein Jubiläum gefeiert haben: Für 50 Jahre Ella Frey, für 35 Jahre: Andrea Alshut, Brigitte Baumann, Barbara Jacob, Inge und Robert Lang und Anni Ludt, für 30 Jahre: Elisabeth und Eberhard Heinrich, Monika Hook, Annelise Landes, Roswitha Regenauer, Helga Heinrich, für 25 Jahre: Horst und Karola Kremer.

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