Mutterstadt
Leute im Landkreis: Mohammad Ghavi kandidiert für das Presbyterium
„Ich habe mir den Islam als Glauben nicht ausgesucht, ich bin da hinein geboren“, sagt Mohammad Ghavi, der nach nur zwei Jahren fast perfekt Deutsch spricht. Er fühlte sich zum christlichen Glauben hingezogen und hat sich in seiner Heimatstadt Shiraz heimlich mit Gleichgesinnten getroffen, wohl wissend, dass im Iran auf Konvertieren die Todesstrafe steht. „Es gibt im Iran eine Polizei, so ähnlich wie die Gestapo“, berichtet er, und die habe Wind von den Treffen bekommen. Der Anführer der Christengruppe und einige Mitglieder wurden verhaftet, Ghavi und andere konnten telefonisch gewarnt werden.
Einen Monat versteckte er sich im Garten seiner Eltern, während sein Vater die Flucht organisierte. Mit dem Flugzeug konnte der damals 20-Jährige nach Belgrad fliehen, dann ging es zu Fuß nach Rumänien. Ein Lkw brachte ihn nach Wien, ein Pkw nach Köln. Kaum in Deutschland angekommen, nutzte Ghavi die erste Möglichkeit, sich taufen zu lassen. „Das war im Iran nicht möglich, wir waren Christen im Kopf.“ Aus wirtschaftlichen Gründen sei er nicht nach Deutschland gekommen, betont er.
Günter Krick: „Mohammad ist für mich wie ein Enkel“
Während der darauffolgenden zwei Monate in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Ingelheim suchte der junge Mann Kontakt zur evangelischen Gustav-Adolf-Kirchengemeinde. Dann ging die Reise weiter und Ghavi landete in der Sammelunterkunft am Mutterstadter Ortsrand. „Keine gute Zeit“, sagt er. Als Christ unter Moslems habe er es schwer gehabt. Er habe das der Pfarrerin in Ingelheim geschrieben – und die habe den Mutterstadter Pfarrer Heiko Schipper kontaktiert. „Wir haben ihn zu unserem Gemeindefest eingeladen“, erzählt Schipper. Als der junge Mann im Hof stand, fragten ihn Schipper und Presbyter Günter Krick spontan, ob er nicht Lust hätte, mit zum Wurstmarkt zu gehen. Das war der Beginn einer schönen Freundschaft, sagen die drei Männer. „Mohammad ist für mich wie ein Enkel, für ihn würde ich durchs Feuer gehen“, sagt Krick. Und auch in der Gemeinde sei Ghavi sehr gut aufgenommen worden. Nach acht Monaten in der Unterkunft hat der Iraner von einem Gemeindemitglied ein schönes Ein-Zimmer-Apartment vermietet bekommen.
Der 23-Jährige sucht einen Ausbildungsplatz
Wenn in der Kirchengemeinde etwas zu tun ist: Ghavi ist da und packt mit an. Er hat bei der Konfirmandenfreizeit mitgeholfen und diskutiert beim Männerstammtisch über Gott und die Welt. „Die Menschen kennen ihn, er ist 100 Prozent zuverlässig, pünktlich, freundlich. Da war es nur eine logische Folge, ihn zu fragen, ob er für das Presbyterium kandidieren möchte“, erzählt Schipper. Nun steht er auf der Kandidatenliste für die Wahl am Ersten Advent.
Ghavis große Leidenschaft ist das Fotografieren. Er hält sämtliche Gemeindeaktivitäten mit seiner Kamera fest. In Zukunft würde er gerne im Bereich Mediengestaltung und Grafik-Design arbeiten. Er sucht eine Ausbildungsstelle und würde sich über einen Praktikumsplatz freuen. Im Moment arbeitet er in einer Teppich-Wäscherei. In seiner Freizeit macht er Musik mit dem Tombak, einer persischen Trommel, und spielt Piano. Er ist in einer iranischen Theatergruppe aktiv, mit der er nächstes Jahr beim iranischen Kulturfestival in Heidelberg auftreten möchte. Außerdem hilft er anderen Christen, die aus dem Iran geflohen sind. Denn nicht jeder habe es so gut getroffen wie er. „Ich möchte mich bedanken, dass mir die Deutschen so viel geholfen haben und so freundlich zu mir sind.“