Mutterstadt
Leute im Landkreis: Mit Ehrlichkeit und Humor feiert Emma Schimmelschmidt ihren 100. Geburtstag
„Ich glaube selbst nicht, dass ich so alt geworden bin. Ich war die Jüngste, und jetzt bin ich die Älteste“, sagt sie und schüttelt lächelnd den Kopf. Denn zur Welt kam Emma Schimmelschmidt als jüngstes von neun Geschwistern. Aufgewachsen und zur Schule gegangen ist sie in Retzow in Brandenburg. Eine Ausbildung hat sie anschließend nicht absolviert. „Früher hieß es, die Mädels brauchen keinen Beruf, die heiraten ja eh“, erzählt sie. Gearbeitet hat das Geburtstagskind aber natürlich trotzdem, und zwar in der Landwirtschaft. „Wir mussten bei den Bauern mithelfen“, erinnert sie sich.
Als 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, war sie zarte 19 Jahre alt. Während des Kriegs, 1942, lernte sie ihren Mann Werner kennen, der als Soldat diente. Entgegen den Gepflogenheiten jener Zeit habe sie das große Glück gehabt, sich ihren Gatten selbst aussuchen zu dürfen. „Ich sollte ihn nur zum Abendessen einladen, weil meine Eltern neugierig waren und meinen Freund kennenlernen wollten“, sagt sie. „Mein Vater und er haben sich auf Anhieb so gut verstanden, als wären sie alte Bekannte.“
Überhaupt, ihr Werner: Das Schönste in ihrem langen Leben sei gewesen, „dass ich mit ihm einen lieben, guten Mann hatte und wir uns immer vertraut haben“. Gemeinsam mit ihm ist sie 1946 mit dem Zug in die Pfalz gekommen, wo das Paar zwei Töchtern das Leben schenkte. Mittlerweile ist die Familie auf fünf Enkel, neun Urenkel und eine Ururenkelin angewachsen. „Die Kleine ist erst sieben Wochen jung“, erzählt Schimmelschmidt freudig.
Für das selige Alter ein gutes Wort an oberster Stelle eingelegt
Wenn sie nicht damit beschäftigt war, die Kinder und Enkelkinder großzuziehen oder bei den Bauern zu arbeiten, hat das Geburtstagskind gerne gehäkelt und gestrickt. Inzwischen hält sie sich in der Gymnastikgruppe körperlich fit und ihren wachen Geist unter anderem mit dem Lösen von Rätseln. Trotz manchem schweren Verlust wie dem Tod ihres Mannes hat Schimmelschmidt sich ihren Humor und das sympathische Lachen bewahrt. „Ganz wichtig war mir auch immer, ehrlich zu bleiben“, betont sie. Denn Ehrlichkeit währt bekanntlich am längsten – in ihrem Fall bis zum dreistelligen Geburtstag. Das habe sie ihrem Vater zu verdanken: „Er hat mir, als ich vier Jahre alt war, erklärt, was Lügen bedeutet. Dann hat er mich gefragt, ob ich das tun werde, wenn ich groß bin. Da hab’ ich ihm gesagt: Nee, da werd’ ich ja eingesperrt. Daran halte ich mich bis heute“, sagt die 100-Jährige und lacht wieder. Was außerdem hilft, ein so seliges Alter zu erreichen? Ein gutes Wort an oberster Stelle einlegen: „Ich sage Gott jeden Abend vor dem Schlafengehen Danke, dass ich diesen Tag noch erleben durfte“, sagt sie.
Zu ihrem ersten dreistelligen Geburtstag wünscht sich Schimmelschmidt lediglich „Schnitzel, Bratkartoffeln und Salat“. Wirklich nicht mehr? „Man soll ja bescheiden bleiben“, antwortet sie. Eine Feier im großen Freundes- und Familienkreis, wie ursprünglich geplant, erlauben die verschärften Corona-Regeln leider nicht. Doch ihre Enkelin Birgit und das Pro-Seniore-Team haben sich in den vergangenen Tagen zusammengesetzt, kreative Lösungen gefunden und kaum eine Mühe gescheut, damit sie diesen besonderen Geburtstag trotzdem schön feiern kann.