Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Leute im Landkreis: Helge Weichmann – mit zwei Seelen in der Brust

Mördersuche mit Sagentier: Helge Weichmann hat einen unterhaltsamen Pfalz-Krimi geschrieben.
Mördersuche mit Sagentier: Helge Weichmann hat einen unterhaltsamen Pfalz-Krimi geschrieben.

Das kann nur einem Pfälzer einfallen: Eine Elwetritsch entpuppt sich als Hilfskommissar. Helge Weichmann ist allerdings Exil-Pfälzer. Doch das darf man ihm verzeihen. Hat doch das Heimweh ihn diesen Krimi schreiben lassen. Und außerdem: Rheinhessen ist ja auch ganz schön. So viel Toleranz muss sein.

War es zu viel Rieslingschorle? Kommissar Marcel Bleibier traut seinen Augen nicht, als er neben seiner Freiluft-Badewanne ein seltsames Wesen sieht: Größer als ein Huhn und kräftiger, aber mit Entenfüßen, einem breiten Schnabel und – einem kleinen Geweih? Es ist eine Elwetritsch. Sie besucht den Kommissar noch öfter, ist rotzfrech und hilft ihm, einen Mordfall aufzuklären.

„Mörderjagd mit Elwetritsch – En Krimi aus de Palz“ heißt das Buch, das der Exil-Pfälzer Helge Weichmann geschrieben hat. 1972 in Ludwigshafen geboren, wuchs er in Mutterstadt auf, ging in Schifferstadt auf das Paul-von-Denis-Gymnasium und lebt seit etwa 25 Jahren in der Nähe von Mainz in dem kleinen Weinort Köngernheim. Hier hat er auch schon eine Reihe von rheinhessischen Regional-Krimis geschrieben. Doch jetzt hat ihn als Autor das Heimweh gepackt und so hat er seinen neuesten Krimi in die Pfalz verlegt – aber nicht in die Rheinebene der Vorderpfalz, sondern an den Haardtrand.

Die gute Hausmacher ist komplett vegan

Das fiktive Dorf Grumberg an der südlichen Weinstraße wird zum Schauplatz seltsamer Aktivitäten. Da machen ein paar junge Leute ihre eigene kleine Wurstfabrik auf. Nur, dass die gute Hausmacher, also Lewwer- und Grieweworschd, Schwaademaage und Broodworschd komplett vegan ist. Die Grumberger sind empört, allen voran Metzger Bertl Bopp und Frau Krawehl, die Wirtin der Dorfwirtschaft. Der Kommissar, dessen Familienname eigentlich französisch gesprochen werden sollte, also „Bleibje“, ist für die Älteren im Dorf „de Mazzel“ und sie verlangen, dass er einschreitet. Doch dann liegt ein Toter im Wald und der Kommissar bekommt Besuch von einer Elwetritsch.

Den Schauplatz seiner Geschichte, die Südpfalz, besucht Autor Weichmann recht regelmäßig. Mit der Familie geht er dann „Keschde sammle“ oder wandert durch Wald und Wingert. Nach dem Abitur in Schifferstadt studierte er Geographie in Mainz, machte seinen Doktor und blieb da. Seine Hauptarbeit hat er als „Filmwerker“ – so heißt sein Unternehmen, das sich auf die Produktion von Werbe- und Informationsfilmen spezialisiert hat. Das Schreiben von Krimis hat er als eine Art Ausgleich angefangen. Aber es hat sich gut entwickelt. Und in Rheinhessen fühlt er sich zu Hause und kennt sich aus, weshalb die Fälle auch dort spielen. Aber die Pfalz liebt er nicht minder. „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“, zitiert er einen berühmten Kollegen auf die Frage, wo denn für ihn Heimat sei.

Elwetritsche lieben Wein und hassen Schorle

Dass die Elwetritsch unvermittelt bei Kommissar Bleibier auftaucht und sich auch nur ihm zeigt, darauf hat ihn ein Verwandter der Elwetritsch gebracht: Der Pumuckl, ein Kobold. „Ich hab als Kind die Serie im Fernsehen gesehen, wo nur Meister Eder den Pumuckl sehen kann“, erklärt Weichmann. Die Elwetritsche werden aber gar nicht unsichtbar – sie können sich nur sehr gut verstecken. Der Autor hat keine Mühe gescheut, sich den Elwetritsche zu nähern und tatsächlich an einer Tritsche-Jagd teilgenommen. „Ich hab keine gekriegt, aber es war ganz knapp!“, sagt er. Und er war im Elwetritsche-Museum in Speyer. So hat er gelernt, dass Elwetritsche einen enormen Durst haben, den sie mit Wein stillen, während sie Schorle verabscheuen. Und sie lieben Hausmacher.

Das Büchlein mit 186 Seiten liest man an einem Nachmittag weg und hat Spaß dabei. Natürlich ist das kein klassischer Krimi mit einem scharf kombinierenden Kriminalisten. Der Witz des Buches besteht aus dem Zusammenspiel von Elwetritsch und Kommissar – wobei das pfiffige Fabelwesen dem Polizisten sogar voraus zu sein scheint. Zumindest tritt es so auf. Die Geschichte entwickelt sich anders als erwartet, scheinbar lose Enden werden doch noch verknüpft. Am Ende ist klar, dass der Kommissar die freche Elwetritsch nicht los wird. Und das sieht schon ganz nach einer Fortsetzung aus. „Ich hätte wahnsinnig Lust dazu und hätte auch schon eine Handlung für den nächsten Fall“, sagt Autor Weichmann.

Leider sind derzeit alle Lesungen abgesagt, so gibt es aber eine Videolesung auf des Autors Youtube Kanal „Helge Weichmann“.

Zur Sache

Mehr zu Autor und Buch gibt es im Internet unter helgeweichmann.de/autor. Das Buch „Mörderjagd mit Elwetritsch“ ist im April im Gmeiner Verlag erschienen. Es ist im Handel erhältlich

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