Fussgönheim
Leute im Landkreis: Glaube und Kirche auf Youtube
Mit modernen Gottesdiensten holt der 51-Jährige einmal im Monat so viele Leute in die Kirche, wie sonst nur an Weihnachten. Noch mehr Menschen hat er aber in den vergangenen vier Jahren mit den rund 130 Tutorials auf seinem 2018 gegründeten Youtube-Kanal „TheoLogo“ zum Thema Glauben erreicht, bei dem auch Mitglieder seiner Gemeinde aktiv mitwirken.
Da ist zum Beispiel Diana Prinz, eine junge Frau aus Fußgönheim, die seit 15 Jahren mit Multipler Sklerose lebt und davon erzählt, wie man das mit dem Glauben zusammenbringen kann. „Meinen Glauben habe ich nie verloren, sonst wäre ich ganz alleine, und ich wollte nie alleine sein. Tränen und Trauer müssen sein, aber dann muss es wieder weiter gehen, sonst verliert man sich darin. Ich weiß dass einem Gott die Antwort gibt, aber nie gleich“, erzählt sie in dem Videoclip.
Tipps für Gemeindearbeit
In dem Film „Enorme Probleme. Pause – Zuhause – Brause ... und Psalm 23“ sprechen der 15-jährige Mutterstadter Schüler Alexander Keck und sein Vater Rainer Keck zu Beginn der Pandemie darüber, wie sie die Corona-Herausforderungen meistern. Pauline Bellmann (19) erzählt in „Lust auf Orgel“, warum sie die Kirchenorgel so faszinierend findet. Zusammen mit ihrer Schwester Lena (23) und Daniel Barth (23) ist sie auch mit der Jugendband in einigen Musikvideos zu sehen, denn nicht nur die Kirchenorgel, auch das Equipment einer modernen Band hat Platz in einer Kirche, finden sie. Außerdem zeigen die Bellmann-Schwestern zusammen mit ihrer Familie, wie man Abendmahl zu Hause feiern kann, was gerade in der Corona-Zeit eine gute Möglichkeit war.
In vielen weiteren Videos geben Gemeindemitglieder und Pfarrer Wolfram Kerner ganz konkrete Tipps, wie eine moderne Gemeindearbeit aussehen kann. Die Idee, Video-Tutorials dazu zu drehen, ist auf Konfirmanden-Freizeiten entstanden. „Wir haben da vieles ausprobiert und auch Filme gedreht“, erklärt der Pfarrer. Die wurden dann in der Gemeinde gezeigt. Für den Youtube-Kanal dürfe man das natürlich nicht verwenden, erklärt Kerner. So wurden die Filme dann mit einem Team von Gemeindemitgliedern nachgedreht.
Zu guter Abi-Note verholfen
Außerdem hat Pfarrer Kerner eine Reihe Video-Tutorials aufgenommen, in dem er die theologischen Themen aufgreift, die er, als er noch Dozent an der Uni und später Religionslehrer im Gymnasium war, unterrichtet hat. Da geht es zum Beispiel um Gottesbeweise, den Heiligen Geist, Tipps zum Bibel-Lesen oder Jesus als historische Person. „Ich habe da viel Rückmeldung von Lehrern und Schülern bekommen“, erzählt er. Ein Abiturient habe sich bedankt für die Tutorials, die ihm zu 14 Punkten im Abi verholfen hätten. Eines seiner neusten Projekte ist ein zehnteiliger Video-Kurs über Dietrich Bonhoeffer.
Auch für Menschen, die spirituelle Erfahrungen machen möchten, hat Kerner einige Tutorials zu den Themenbereichen Mystik und Meditation. „Die Leute gehen erst mal in die esoterische Ecke. Dabei ist doch vieles schon in der christlichen Meditation verankert“, sagt Kerner, der Tipps gibt, wie es geht. Viele seien verblüfft, wenn sie feststellten, dass es so etwas auch in der christlichen Tradition gibt.
Idee kam beim Bassspielen
Wolfram Kerner ist in Bergkamen bei Dortmund aufgewachsen und war da schon in der Jugendarbeit engagiert. Nach Abitur und Wehrdienst studierte er zunächst Bauingenieurswesen in Lübeck, stellte danach aber fest, dass er doch lieber Pfarrer sein möchte. Es folgte ein Theologiestudium in Tübingen und Heidelberg sowie die Promotion. Nach einigen Jahren Dozententätigkeit in Heidelberg kam er 2009 als Pfarrer nach Fußgönheim und Schauernheim.
Filme hat Wolfram Kerner schon in seiner Jugend gedreht. Vor gut vier Jahren hat er begonnen, Video-Tutorials zu produzieren. Auf die Idee kam er, als er Bassspielen anhand eines Youtube-Tutorials übte. Gerade junge Leute nutzen inzwischen Youtube-Videos zum Lernen oder für ganz alltägliche Dinge. Warum also nicht Tutorials zum Thema Theologie?, dachte er damals. Lange hat er die Filme als reines Hobby neben dem Beruf als Pfarrer und dem Religionsunterricht gedreht. Inzwischen ist er vom Religionsunterricht freigestellt und nutzt die vier Stunden nun für die Arbeit an TheoLogo. Im Schnitt alle 14 Tage stellt er ein neues Video online. Die Ideen gehen ihm so schnell nicht aus.
Im Netz
Youtube-Kanal TheoLogo, www.theologo.info