Mutterstadt
Leute im Landkreis: Frank Wiening möchte weitergeben, was geht
Das Engagement von Frank Wiening steht auf zwei Säulen, die er so beschreibt: „Mein Mutterstadt“ und „mein Hobby“. 2019 ging er nach 40 Jahren BASF-Zugehörigkeit in Rente und überlegte sich: „Was mache ich jetzt mit der vielen Zeit?“ Schnell wurde ihm klar, worauf er sich fokussieren wollte. 2016 hatten er und seine Frau Stefanie das dreistöckige Reihenhaus in Neuhofen verkauft, seither wohnen sie in Mutterstadt in einer großzügigen und komfortable Etagenwohnung. Sie nennen sie ihren Alterswohnsitz, aber gleichzeitig „unsere Traumwohnung“.
Obwohl Mutterstadt, wo sie sich pudelwohl fühlen, versorgungstechnisch mit nahegelegenem Marktplatz, Ärztehaus und Supermarkt in Fußnähe, dessen Besuch sie gerne in einen Spaziergang durch die angrenzenden Felder einbinden, nahezu alles böte, hat den 60-jährigen die Frage beschäftigt, was ihnen denn in Mutterstadt noch fehlt. Bei der Antwort kam sein ganz großes Hobby ins Spiel: die Arbeit und der Umgang mit dem Computer. Er erzählt von seiner ersten Hardware, einem Commodore 64 – und davon, wie viel Spaß er schon von Anfang rund um den Rechner hatte und dass er alle Entwicklungen mitgemacht habe.
Warum also nicht aus dem Wissen ein Hobby machen und es mit anderen teilen? Eine Zielgruppe war schnell gefunden: ältere Menschen, die auf dem digitalen Weg nicht richtig vorankommen und dafür Unterstützung brauchen. Schon seit zwei Jahren fungiert er als Tutor im Ludwigshafener Café Klick und nutzte jüngst die Corona-Pause, um sich zum Digital-Botschafter Rheinland-Pfalz ausbilden zu lassen. Durch das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekts DiBiwohn (digitale Bildungsprozesse für ältere Menschen in seniorenspezifischen Wohnformen) möchte er demnächst, sobald es wieder möglich ist, in entsprechenden Mutterstadter Einrichtungen Vorträge halten, technikunerfahrenen Senioren zu digitalen Zugängen verhelfen, ihnen Online-Banking und Teilnahme an den sozialen Medien ermöglichen und ihre Fragen beantworten.
Viel Dank von impfwilligen Senioren
Engagiert ist der aktive Rentner auch bei der Bürgerstiftung Mutterstadt, seit einem Jahr als Schriftführer im Vorstand. Diese ließ mit Beginn der Covid-19-Impfkampagne über die Gemeindeverwaltung im örtlichen Amtsblatt die Telefonnummer ihres eingerichteten Dorftelefons veröffentlichen, dort wurde älteren Mitbürgern bei der Anmeldung zur Impfung Hilfe angeboten. „Die Anrufe kamen bei mir auf dem Handy raus“, erzählt Frank Wiening. Er war einer von dreien im Team, die für die Anrufer die Registrierung machten, mit ihnen die Online-Fragebogen durchgingen, die Termine kommunizierten oder verschoben. Natürlich unter Berücksichtigung des Datenschutzes. Insgesamt konnte er so 60 Impfwilligen behilflich sein, die oft sehr dankbar waren. „Ich erhielt viel positives Feedback“, freut er sich.
Ehefrau Stefanie (58) weiß um die guten Eigenschaften ihres Mannes. Er habe Geduld, viel Empathie, Einfühlungsvermögen und die Grundlage für seine ehrenamtliche Tätigkeiten: den Willen zu helfen. Darum sagte er auch nicht nein, als der Förderverein der Kita seines fünfjährigen Enkels einen neuen Vorstand suchte. Ebenso ließ er sich zum Mitgliederbeauftragten im Mutterstadter Ortsverband der CDU ernennen, in der er schon seit 28 Jahren Mitglied ist. In der Nach-Corona-Zeit möchte er auch, wie davor, wieder Führungen durch den Pfalzmarkt anbieten. „Ab und zu muss ich ihn mal bremsen“, kommentiert seine Frau und Mutter der beiden gemeinsamen Söhne (33 und 31 Jahre) seine vielen Aktivitäten lächelnd.
Er kocht – auf seine Art
Der, um den es geht, versichert dagegen ebenfalls lächelnd: „Alles ist weit, weit weg von Stress für mich.“ Auch die Pflege des Wochenendgrundstücks in Waldsee sei keine Arbeit. Wenn das Paar nicht dort oder gemeinsam im Pfälzerwald unterwegs ist – oder er für die gute Sache im Einsatz ist, tut er etwas, das er eigentlich schon immer gerne gemacht hat, wozu aber früher die Zeit gefehlt hat. Er kocht. Zwar auf eine andere Art als seine Frau – aber ein Grundsatz hilft, Durcheinander zu vermeiden: „Entweder er oder sie in der Küche.“ Die zweite wichtige Regel, an die sich beide halten: „Wer kocht, räumt auf.“
Das Abwechseln funktioniere gut und vom Grundsatz her passe alles, da sie den gleichen Geschmack haben. Beide aus Mundenheim stammend, sind sich auch darin einig, dass das Leben bislang gut zu ihnen war. Der Wahl-Mutterstadter Wiening machte 1979 bei der BASF eine kaufmännische Ausbildung, traf dort mit Glück auf die richtigen Leute sowie ab und zu jemanden, der ihn förderte, sodass er nach Stationen in München und Düren vier Jahrzehnte später als Direktor in Ruhestand gehen konnte. In der Welt ist er beruflich viel herumgekommen, sodass er kein Fernweh nach Übersee-Zielen mehr verspürt. Nun genießt er sein Heimatland mit der Überzeugung: „Es gibt in Deutschland genug zu entdecken.“ Dankbar für seine Situation sei es nun an ihm, Leuten zu helfen und etwas zurückzugeben. „Ich gebe weiter, was geht“, verspricht er.
Was eine fürsorglich gemeinte Mahnung seiner Frau zur Folge hat: „Aber nur bei Bedarf und so, wie du kannst!“ Aber wenn er ein Dankeschön in Form eines strahlenden Gesichts bekommt, kann er wohl gar nicht anders. Das kommt immer wieder vor. Fast entschuldigend wirkt da seine Reaktion: Mit Schulterzucken und Schmunzeln um den Mund sagt er: „Was will man da machen.“