Mutterstadt
Leute im Landkreis: Für Wehrleiter Geib wird es Zeit zu gehen
Aktiv in der Feuerwehr zu sein, ist für Rüdiger Geib so selbstverständlich, dass er gar nicht mehr so richtig weiß, warum er vor 45 Jahren eingetreten ist. Sein Vater, von Beruf Maschinenbauer, war bei der Feuerwehr, erzählt er, ein bisschen habe er es wohl in die Wiege gelegt bekommen. „Vor allem interessierte mich aber die Technik der Feuerwehrautos.“ Schrauben, tüfteln, handwerken – das mag Rüdiger Geib, dennoch entschied er sich nach einem Praktikum für einen Job in der Mutterstadter Gemeindeverwaltung. Irgendwie liegt ihm beides. So sei die Feuerwehr der ideale Ausgleich geworden.
Doch acht Stunden nur am Schreibtisch sitzen, das ist auch nicht sein Ding. So ist der Fachbereich Bürgerdienste, den er seit 2010 leitet, genau das Richtige: „Man kommt auch mal raus.“ Zudem ist er für die Feuerwehr zuständig. Seit 1973 ist er bei der Gemeindeverwaltung, hat dort die Ausbildung im mittleren, dann das Fachhochschulstudium zum gehobenen Dienst absolviert und in verschiedenen Bereichen und Leitungspositionen gearbeitet. Der Vorteil, wenn man im Ort arbeitet, ist, dass man fast immer einsatzbereit ist, wenn der Feuermelder losgeht. So war er bei sehr vielen Einsätzen der Wehr dabei, in Erinnerung bleiben die Unfälle auf den Autobahnen, bei denen Menschen starben, der Großbrand bei Maurer Parat in Dannstadt 1993 oder die tagelangen Brände bei der Recycling-Firma Zeller. In der aktiven Wehr hat Geib verschiedene Ausbildungen durchlaufen, vor allem die technischen Lehrgänge haben ihm gelegen. Gern erinnert er sich an seine Zeit als Gerätewart: „Dann durfte sich der Büromann auch mal an kniffligerer Technik versuchen“, erzählt er und lacht.
Guter Rat für die Ehe
Die Feuerwehr ist ein Ehrenamt, das viel Freizeit kostet. „Meine Frau Renate hat einen Feuerwehrmann geheiratet“, sagt Rüdiger Geib. In diesem Punkt seien sie sich einig gewesen, denn auch sie habe ein zeitintensives Hobby. Dass jeder seine Interessen verfolgen könne und man einander vertraut, das sei wichtig. Ein Rat, den er auch schon mal den frisch gebackenen Eheleuten mitgibt, die er als Standesbeamter traut.
Vertrauen, aufeinander zählen können, das sei auch in der Wehr enorm wichtig. Und das funktioniere in seiner Truppe – auch weil das Miteinander in all den Jahren demokratischer geworden sei. „In meinen Anfängen gab es einen Wehrleiter und einen Stellvertreter – von denen ist alles ausgegangen“, erzählt er. Das sei zum Glück nicht mehr so. Die Ehrenamtlichen heute wollen sich einbringen und nicht nur Befehlsempfänger sein, meint Geib. „Man muss den Leuten Verantwortung übergeben, um sie bei der Stange zu erhalten.“ Eine weitere Bereicherung sind die Frauen in der Wehr und der Nachwuchs. Mit dem Einzug ins neue, große Feuerwehrhaus 2005 habe es mehr Möglichkeiten für Jugendarbeit gegeben. Die Abschaffung der Wehrpflicht in den 1990er-Jahren habe auch in Mutterstadt zu Nachwuchsproblemen geführt, berichtet Geib. Es fehlten die jungen Männer, die sich, anstatt in der Bundeswehr zu dienen, für zehn Jahre Feuerwehr-Dienst verpflichteten. Nach Jahren der Stagnation fanden aber wieder mehr Jugendliche zur Wehr, derzeit sind es 25 junge Aktive, bei den Erwachsenen sind es 62. Das neue Haus biete viele Freizeitmöglichkeiten. „Wir haben zum Beispiel einen Sportraum oder veranstalten Spieleabende, das Haus ist offen, die Jugendlichen können kommen, wann sie wollen“, sagt Geib stolz. Er ist überzeugt, dass das der richtige Weg ist, um attraktiv zu bleiben.
Mehr Technik, mehr Vorschriften
Zudem werde die Wehr über die neuen Medien viel mehr wahrgenommen. „Früher hatte ein Wehrleiter einen Schreibtisch, einen Notizblock und einen Bleistift. Heute ist das Haus komplett vernetzt, wir arbeiten mit drei Software-Programmen, viel mehr Technik und Vorschriften“, sagt Geib, der seit 2000 Wehrleiter ist.
Nun möchte er seinen Posten freigeben: „Jetzt ist der Moment gekommen loszulassen, ich habe ein gut funktionierendes Team“, sagt er, gibt aber auch zu, dass das Alter auch ein Grund ist. Einsätze stecke er nicht mehr so gut weg wie früher. Seit zwei Jahren bereitet er seinen Weggang mit seinem Team vor, wobei es kein Weggang werden soll: „Ich bleibe im aktiven Dienst, trete nur einen Schritt zurück.“ Denn bei der Frage, warum er bis heute Feuerwehrmann ist, muss er nicht lang überlegen: „Es ist ein tolles Gefühl nach einem Einsatz, zu wissen, dass man jemanden geholfen hat.“