Mutterstadt
Leute im Landkreis: Evi Muy ist am liebsten für die Menschen unterwegs
Evi Muy plant und verwaltet ihre Termine auf dem Handy. Bei deren Vielzahl würde sie vermutlich sonst auch den Überblick verlieren. Denn obwohl sie seit 2014 Rentnerin ist, befindet sie sich keineswegs im Ruhestand. Allein bis zu vier Mal in der Woche fährt sie nach Dudenhofen, um das Personal in dem vom Mannheimer Verein Sterntaler eingerichteten Kinderhospiz zu entlasten. „Ich erzähle mit den Kindern, aber auch mit ihren Eltern und Geschwistern, spiele mit ihnen drinnen oder auf dem Hof, lese ihnen vor, wir hören zusammen Musik, puzzeln oder schauen auch mal fern“, erzählt die 73-jährige Seniorin.
Darüber hinaus unterstütze sie beim Füttern oder Waschen der Kinder, helfe auch mal in der Küche, beim Bügeln oder im Büro. „Wenn sie mich rufen, dann komme ich“, sagt sie ganz selbstverständlich. Damit hat sie auch schon fast die Frage beantwortet, warum ausgerechnet sie von Sterntaler für das Projekt „Ehrensache“, das seit 2001 in Zusammenarbeit von Südwestrundfunk und Staatskanzlei Rheinland-Pfalz organisiert wird, vorgeschlagen wurde und ergänzt fast entschuldigend: „Die wissen das halt, dass sie sich auf mich verlassen können“. Denn gleichzeitig ist sie der Überzeugung, dass jeder andere vor Ort die Auszeichnung auch verdient hätte.
Trauer nicht nach Hause mitnehmen
Die live aus Bad Kreuznach übertragene Gala-Veranstaltung, bei der sie und zwei weitere Preisträger vor Publikum geehrt wurden, hat sie auf jeden Fall sehr genossen. Ausgewählt wurde „ihre Wenigkeit“, wie sie sich bescheiden nennt, von einer Jury aus Gabriela Fürstin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, Sänger Gregor Meyle sowie Kabarettist Tobias Mann, der zu Muys großer Freude sich an diesem Abend zum Botschafter für das Sterntaler-Hospiz erklärte. „So eine schöne und harmonische Veranstaltung“, schwärmt sie und zählt die anwesend gewesene Prominenz auf: Malu Dreyer, Julia Klöckner und Christian Baldauf sowie die Oberbürgermeisterin von Bad Kreuznach, Heike Kaster-Meurer. Der Preis, ein bronzefarbenes gekipptes „E“ auf einem Glassockel, hat nun seinen festen Platz im Hospiz.
Als sich für Evi Muy nach 50-jähriger Berufstätigkeit bei der BASF die Frage stellte, was sie nun mit ihrer Zeit anfangen wollte, war es ihr wichtig, dass es „irgendetwas, woran man Freude hat, und was mit Kindern“ ist. Sie absolvierte einen Kurs für Sterbehilfe und einen 100-stündigen Lehrgang, in dem auch die Thematik „Wie gehe ich mit den Kindern und den Eltern in dieser speziellen Situation um“ behandelt wurde.
Inzwischen hat sie sehr gute Erfahrung darin, hat aber auch gelernt, sich abzugrenzen und mögliche Trauer nicht mit nach Hause oder zu einem anderen Kind mitzunehmen. „Dann muss ich wieder ein Lächeln im Gesicht haben und keine Tränen“, ist ihr Anspruch an sich selbst. „Da sind noch ein paar mehr Jobs“, räumt die dreifache Oma schmunzelnd ein. Eine Ausbildung in Altenheimseelsorge in der Tasche, praktiziert sie ihre Kenntnisse in einem Schauernheimer Seniorenheim, ist im Seniorenkreis der Pfarrei aktiv, Kommunionhelferin, im Vorstand des Pfarr-Cäcilien-Vereins, Mitglied des Seniorenbeirats der Gemeinde und regelmäßig in der Schulbibliothek der IGS Mutterstadt tätig.
Auf Fernsehen kann sie verzichten
„Ich gucke, dass ich da überall einmal in der Woche hingehe“, hat sich die in Neuburg an der Donau geborene, aber in Mutterstadt aufgewachsene Rentnerin auferlegt. „Und den Rest bin ich hier“, zeigt sie auf das Umfeld des Raumes, in dem sie sich mit der RHEINPFALZ zum Gespräch getroffen hat. Heißt, sie unterstützt ihre Tochter Bianca Biello, Leiterin der Katholischen Kindertagesstätte St. Medardus, bei anfallenden Bürotätigkeiten in der Kita. Und ihr Haushalt? „Der muss halt bissl zurückstecken“, lacht sie.
Obwohl sie sich über die aktuellsten Nachrichten auf dem Laufenden hält, kann sie auf Unterhaltungsprogramm im Fernsehen gut verzichten. „Ich tu’ lieber was für die Menschen“, setzt sie klar ihre Prioritäten. Sich selbst genehmigt sie hin und wieder einen ausgiebigen Spaziergang. „Eineinhalb bis zwei Stunden auf den Feldwegen rund um Mutterstadt unterwegs, das gönne ich mir“, verrät sie. Spaß hat sie auch am Singen und freut sich, wenn es mit ihrem Kirchenchor wieder richtig los geht. Müßiggang wird für sie jedenfalls nicht so schnell in Frage kommen. „Gerne möchte ich noch zehn Jahre weitermachen“, sagt sie: „Solange ich die Kraft dazu habe, möchte ich meine Freude an andere weitergeben.“