Neuhofen
Leute im Landkreis: Ein Sänger bleibt trotz Krise guter Laune
„Atmen ist Leben“ – davon ist Timo Maneri überzeugt. Nun, für einen Sänger ist es ohnehin essenziell, die richtige Atemtechnik zu beherrschen. Maneri ist Unterhaltungskünstler, und für ihn gibt es nichts Schöneres, als auf einer Feier für Stimmung zu sorgen – mal romantisch, besinnlich, mal ausgelassen und fröhlich. Am Klavier, als Sänger, manchmal als DJ. Timo Maneri erfüllt nahezu alle Wünsche, die seine Auftraggeber haben – egal ob Unternehmer oder Privatleute, er wird für Betriebsfeiern, Geburtstage oder Hochzeiten gebucht. „Einerseits erfülle ich konkrete Wünsche. Andererseits habe ich ein gutes Gespür, welche der über 1000 Titel in meinem Repertoire zum jeweiligen Publikum passen“, sagt Maneri. Seit zwei Jahren ist es mit solchen Aufträgen allerdings mau geworden. Corona hat auch den Musiker erwischt, zum einen wirtschaftlich. Aber auch für die Natur eines Künstlers sind solche Zeiten schwierig auszuhalten. Maneri arbeitet mit Hingabe und Gefühl für Menschen und möchte sie mit Musik glücklich machen. Wenn das nicht geht, wird’s schwierig.
Kraft durch Meditation
Dafür ist Gesundheit sein Potenzial. „Eine gemäßigte Lebensweise war für mich schon immer die Basis, mich körperlich und seelisch für meinen Beruf fit zu halten“, sagt Maneri. Zudem sieht er sich seinen Auftraggebern gegenüber in der Verantwortung: „Ausfälle durch Krankheit kann und konnte ich mir nie leisten“, sagt er. Mit Kraft- und Ausdauersport stärkt er sein Immunsystem, und auch die Ernährung spielt für ihn als Vegetarier eine große Rolle. Inzwischen isst er vegan.
Der Sänger achtet darauf, ein gutes Gefühl für den eigenen Körper, aber auch für die Seele zu haben. „Mir war schon immer wichtig, in meiner Mitte, meiner Ruhe und meiner Kraft zu sein“, sagt er – zum Beispiel mit Meditation. „Das hat mir stets geholfen, nach einem Auftritt wieder runterzufahren und mich die Woche über mit Kraft zu versorgen“, sagt er. Inzwischen habe er sich noch stärker auf fernöstliche Techniken eingelassen. „Schließlich gibt es sie nicht ohne Grund seit 3000 Jahren. Ich habe die Transzendentale Meditation für mich entdeckt, und ein zentraler Punkt darin ist die Atmung. Sie gibt tatsächlich Kraft, beruhigt und erdet mich“, sagt Maneri. Für ihn hat die Corona-Krise wie ein Katalysator gewirkt – indem sie ihm aufgezeigt hat, was im Leben zählt. Sensibler sei er dadurch geworden, spiritueller. Also lässt er den Atem fließen und trainiert gleichzeitig sein Lungenvolumen. Auch beim Didgeridoo-Spielen, wofür man ebenfalls einen langen Atem braucht.
Aufnahmen für Laien
Zu einem freudvollen Leben gehört für Maneri die Natur. In Neuhofen daheim ist er froh, hier zu leben, von der Haustür aus an die Schlicht zu joggen. Auch wenn es zurzeit keine Auftritte gibt – arbeitslos ist Maneri nicht. In seinem Haus hat er ein Tonstudio, in dem er üblicherweise Demoaufnahmen macht und sie an interessierte Kunden verschickt. Auf die Idee, dort auch Laiensänger aufzunehmen, hatte ihn Mitte der 2000er-Jahre sein Onkel gebracht. Der wollte damals als besonderes, persönliches Geschenk etwas singen, und so nahm ihn Maneri auf ein Playback auf und mischte das Ganze professionell ab. Seither betreut er immer wieder individuelle und kreative Aufnahmen: „Einmal kam eine Tante mit ihrem achtjährigen Neffen zu mir“, erinnert er sich. „Ein andermal hatten Leute ,Griechischer Wein’ auf Pfälzisch umgetextet.“
Es komme oft vor, dass Sangeswillige den Text eines bekannten englischen oder italienischen Songs umgeschrieben haben. „Man muss sich nur trauen, den Rest mache ich!“, sagt Maneri. Hinzu kamen die Musikschüler. „Ich habe mich in meinem Musikstudium damals bewusst für den künstlerischen und nicht den pädagogischen Schwerpunkt entschieden“, sagt er. „Gerade jetzt habe ich jedoch erfahren dürfen, dass auch das Lehren sehr erfüllend sein kann.“ Das Rüstzeug hat er durch seine Gesangsausbildung auch hierfür.
„Wenn ich sehe, dass ich Erwachsenen, die noch ein Trauma aus der Schulzeit haben, als sie vorsingen und Noten pauken mussten, die Freude am Singen zurückgeben kann, macht mich das glücklich“, sagt Maneri. Denn das Entwickeln der Stimme oder die Grundlagen des Instrumentenspiels gehen tatsächlich ganz ohne Büffeln und Druck – vielmehr lehrt Maneri seine Schüler das melodische Fundament, sich selbst oder jemand anderes am Klavier begleiten zu können. Er ist überzeugt: „Es soll Spaß machen, und das schafft man bereits mit ein paar Akkorden.“