Schifferstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Leuchtfeueraktion vor der Rettungswache

Mit Signalfeuer wollen die Rettungskräfte auf ihre Arbeitsbedingungen aufmerksam machen.
Mit Signalfeuer wollen die Rettungskräfte auf ihre Arbeitsbedingungen aufmerksam machen.

Hell erleuchtet war die Rettungswache Schifferstadt des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) am Samstag zur Dämmerstunde. Mit bunten Bengalos, Feuer und viel Licht machten rund 20 Mitarbeiter ihren Frust Luft. Die Tarifverhandlungen zwischen ihrem Arbeitgeber und der Gewerkschaft Verdi sind gescheitert. Die Unzufriedenheit über die Arbeitsbedingungen ist groß.

Zur Verhandlung zwischen Verdi und DRK stand die bessere Entlohnung der Rettungsdienstmitarbeiter. Unter anderem fordert Verdi 5,5 Prozent mehr Lohn, mindestens 150 Euro mehr. Auszubildende und Praktikanten sollen 150 Euro mehr verdienen. Und Notfallsanitäter, die für ihren Job drei Jahre ausgebildet werden, sollen analog zur Entgeltgruppe neun im Öffentlichen Dienst verdienen, so dass sich das Bruttogehalt von rund 2900 auf 3060 Euro erhöht. Ein weiterer Punkt der Verhandlungen war die Corona-Sonderzahlung von 1500 Euro steuerfrei wie im Öffentlichen Dienst.

Arbeitgeber und Verdi konnten sich bisher nicht einigen. Derzeit befinden sich beide Parteien in der Schlichtungsphase, es darf nicht gestreikt werden. Darum fanden in den vergangenen Tagen bundesweit Aktionen der Mitarbeiter im Rettungsdienst statt. Vor der Schifferstadter Wache, die mit der Wache in Mutterstadt eine Einheit bildet, war es eine beeindruckende Leuchtfeueraktion. Die Mitarbeiter wollten damit nicht nur auf die gescheiterten Verhandlungen aufmerksam machen, sondern auch auf die Lage ihres Berufsstands. Neben der geforderten besseren Entlohnung empfinden sie ihre Arbeitszeit als ungerecht. „Wir haben eine 45-Stunden-Woche, die Differenz zu den regulären 38,5 Stunden nennt sich Arbeitsbreitschaftsdienst“, erklärt Notfallsanitäterin Eva Ziemer. Das sei aber keine Bereitschaftszeit, in der man nur im Falle eines Einsatzes arbeitet. „Da können Sie nicht entspannen“, erklärt ihre Kollegin Franziska Grünfelder. Es müssen zum Beispiel Einsätze erfasst, die Wägen wieder einsatzbereit gemacht oder die Wache auf Vordermann gebracht werden. Darum erwarten die Notfall- und Rettungssanitäter, dass der Arbeitsbereitschaftsdienst bald abgeschafft wird.

Mehr Wertschätzung für den Berufsstand

Dadurch würde auch Druck aus der Arbeitsbelastung genommen werden. Derzeit gebe es laut Verdi bundesweit, aber auch im Wachenverbund Mutterstadt/Schifferstadt Vakanzen. DRK-Mitarbeiter Nikki Pahl schätzt, dass derzeit 25 Prozent der Stellen nicht besetzt seien. Auch dadurch häufen sich Überstunden. Schichten dauern immer öfter länger als die regulären zwölf Stunden, da leide dann schon die Konzentration, berichten die Mitarbeiter. In dem Zusammenhang erhoffen sich die Rettungskräfte auch, dass Nachtzuschläge nicht erst ab 23, sondern schon ab 20 Uhr, und das mit einem 35-prozentigen Aufschlag bezahlt werden. Bisher gibt es laut Giovanni Di Gneo, Mitarbeiter der DRK-Vorderpfalz GmbH und Verdi-Vertrauensmann, etwa drei Euro pro Stunde pauschal. Ein weiterer Wunsch sind geregelten Pausenzeiten. „Meist müssen wir zwei-, dreimal ansetzen, bis wir was essen können, manchmal schaffen wir es gar nicht in einer Schicht“, erzählt Mareike Leimpeters.

Da fragt sich der Bürger: Können die Rettungssanitäter die Notfallversorgung noch adäquat stemmen? Nun, die vorgeschriebenen 15 Minuten, in der ein Rettungswagen laut Gesetz im Notfall vor Ort sein muss, wird laut Di Gneo eingehalten – noch. Aber unter welchen Bedingungen! „Die Mitarbeiter leisten hier einen verantwortungsvollen Dienst am Menschen“, sagt er, und das solle wertgeschätzt werden. Auch um den Beruf weiterhin für den Nachwuchs attraktiv zu halten. „Fast alle, die hier arbeiten, machen ihren Job wirklich gern und wollen diesen auch weiterhin gut ausüben“, sagt Eva Ziemer. Dafür sollten sich aber die Bedingungen verbessern; und dafür würden die Rettungskräfte auch streiken.

Derzeit arbeiten in Schifferstadt und Mutterstadt rund 60 Mitarbeiter auf 39 Stellen , informiert Anna Meinhardt von der Geschäftsführung der DRK-Vorderpfalz. Unbesetzt sind nach ihrer Aussage 2,5 Stellen.

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