Rhein-Pfalz Kreis Letzte Ruhe unterm Baum

Dudenhofen. Der Wald gilt den Deutschen als Ort der Ruhe. Hier wird das Leben und Vergehen der Natur sichtbar und spürbar. Da liegt es nahe, auch die letzte Ruhe im Wald zu suchen. Im Rhein-Pfalz-Kreis gibt es den Friedwald Dudenhofen. Die Nachfrage ist enorm, es gibt wöchentliche Führungen, bei denen die Förster das Konzept erklären. Wir haben eine Führung mitgemacht.
Die Gruppe ist bunt gemischt: Es gibt junge Leute und ältere, Paare und Singles, Eltern und Kinder. „Die Nachfrage ist so groß, dass wir Anmeldungen brauchen“, sagt Förster Martin Neureither. 20 bis 25 Teilnehmer seien pro Gruppe machbar, zwei bis vier Wochen Wartezeit könne es schon mal geben. Der Friedwald Dudenhofen wurde 2008 eröffnet. „Friedwald“ ist eigentlich der Name eines Unternehmens, ebenso wie „Ruheforst“ der Name eines Mitbewerbers ist. Angeboten werden Bestattungen unter Bäumen. Die Unternehmen schaffen die planungsrechtlichen und logistischen Voraussetzungen und verkaufen Bestattungsplätze. „Mit 54 Hektar gehört der Friedwald Dudenhofen zu den größeren“, berichtet Neureither. Der Wald sei sehr artenreich. Es wachsen Kiefer, Buche, Eiche, Ahorn, Linde, Birke, Robinie, Kastanie und Wildobst. Der Boden ist sandig, das Profil flach – ein Vorteil für Menschen mit Rollstühlen oder Gehhilfen. Der Wald gehöre nach wie vor der Gemeinde, das Unternehmen Friedwald kümmere sich im laufenden Betrieb um die Verwaltung. Die Förster sind auch bei der Gemeinde angestellt und wählen die geeigneten Bäume für spätere Bestattungen aus. Kriterium dafür ist zuerst die Gesundheit der Bäume, denn sie sollen ja noch möglichst lange, nämlich 99 Jahre nach Eröffnung des Friedwalds, noch stehen. Alter, Art und Lage seien weitere Aspekte. Zwischen 60 und 80 Bestattungsbäumen je Hektar seien üblich. Zwischen den Bäumen müsse es ausreichend Platz geben. Aus zwei Gründen: Die Kronen müssen sich entfalten können, und es sollen meist zehn bis zwölf Urnen rundherum begraben werden können. Wer den Friedwald besucht, wird verschiedene Bänder an den Bäumen finden. Ein blaues Band sagt: Der Baum ist noch zu haben. Neureither nennt verschiedene Arten, Bäume zu erwerben: Ein Partnerbaum sei für Paare gedacht, biete aber auch die Möglichkeit, nachträglich Plätze an gleicher Stelle zu erwerben. Ein Gemeinschaftsbaum werde anteilig von mehreren Kunden gekauft, die sich dann einzelne Plätze sichern. Ein Prachtbaum sei ein besonders schöner und großer Baum. Natürlich sind die Kosten unterschiedlich. Die preiswerteste Möglichkeit sei, ohne besondere Präferenz einen Platz zu reservieren. Dann übernehmen die Förster die Platzauswahl. In diesem Fall sei allerdings die Ruhezeit auf 15 Jahre begrenzt. Inzwischen ist unsere Gruppe weitergegangen. Bäume, die zur Auswahl bereit sind, tragen eine Nummer. Auf der Rückseite zeigt eine bestimmte Farbe, zu welcher Preiskategorie dieser Baum gehört. Die Lage der nummerierten Bäume ist in einem Kataster erfasst. Damit wird auch dokumentiert, wer wo begraben ist. Einen Baum oder einen Platz können sich Interessenten jederzeit sichern. „Manche Leute entschuldigen sich fast, dass sie sich schon ohne konkreten Anlass einen Begräbnisplatz sichern“, sagt der Förster. Etwa die Hälfte der Kunden treffe solche Vorsorge. Bei einem Trauerfall könne auch der Bestatter Informationen geben und den Kontakt herstellen. Es sei auch möglich, sich schon früh seinen eigenen Baum zu pflanzen. Dafür gebe es im Dudenhofener Wald entsprechende Abschnitte. „Junge Familien nutzen diese Möglichkeit und sehen ihren Baum aufwachsen“, berichtet Neureither. „Was passiert, wenn ein Baum durch einen Sturm umstürzt, oder sonstwie abstirbt?“, will ein Besucher wissen. Dann werde Ersatz gepflanzt, lautet die Antwort. Im Friedwald ist einiges anders als auf einem Friedhof. In der freien Natur dürfen Hunde mit, auch zur Beerdigung, wenn dies gewünscht wird. Bestattung und Trauerfeier können ganz individuell gestaltet werden. Ein geistlicher oder weltlicher Trauerredner kann die Zeremonie leiten, doch auch seien Begräbnisse ganz in Eigenregie möglich. Zu beachten gibt es lediglich die Vorgaben des Gesetzgebers: Demnach sind nur Bestattungen in einer Urne möglich, die zudem ökologisch abbaubar sein und in 80 bis 100 Zentimetern Tiefe begraben werden muss. Das Urnengrab bereitet der Förster vor, als Schmuck dienen Blumen, Blätter und Waldfrüchte. Nach dem Begräbnis ist außer diesem natürlichen Schmuck kein anderer erlaubt. Kerzen, Gestecke und Schalen dürfen nicht aufgestellt werden, betont Neureither. Es sei ja das Prinzip dieser Bestattungsart, dass das Grab sich ganz in die Natur einfüge. Bleiben wird eine Nummer an den Bäumen, die zum Auffinden dient, sowie eine kleine Namenstafel, die die Hinterbliebenen selbst gestalten können. Dass hier schon mehr als 1200 Menschen bestattet sind, würde man nicht vermuten. An verschiedenen Stellen laden Holzbänke zum stillen Verweilen ein. Diese werden von Angehörigen gestiftet und gestaltet. Buntes Laub bedeckt den Boden, es ist ruhig und – wie der Name schon sagt – sehr friedlich.