RHEIN-PFALZ-KREIS RHEINPFALZ Plus Artikel Letzte Rückzugsgebiete für seltene Tiere in Gefahr

Wie es sich gehört: Angeleinte Hunde auf einem Weg im Heidewald bei Maxdorf. Manche Menschen missachten allerdings auch die Rege
Wie es sich gehört: Angeleinte Hunde auf einem Weg im Heidewald bei Maxdorf. Manche Menschen missachten allerdings auch die Regeln, wodurch Wildtiere bedroht sind.

Immer mehr Menschen sind in den vergangenen Tagen und Wochen in sonst wenig frequentierten Wald- und Wiesengebieten unterwegs. Dadurch seien Wildtiere gefährdet, befürchtet Kreisjagdmeister Bernhard Sona. Ihm geht es aber nicht um Strafen, sondern um Aufklärung.

Aus Sonas Sicht kommt derzeit einiges zusammen, was Wildtiere stark unter Druck setzt und sogar in Lebensgefahr bringt: „Das Abstandsgebot aufgrund der Corona-Verordnung führt leider dazu, dass jetzt auch bisher sehr ruhige Bereiche außerhalb der Wege, auch mit nicht angeleinten Hunden, betreten werden. Außerdem sind jetzt im Frühjahr viele Wildtiere am anfälligsten für Störungen, weil sie Nachwuchs erwarten oder schon welchen haben“, sagt der Römerberger im Gespräch mit der RHEINPFALZ.

Kreisjagdmeister Sona nennt als Beispiele für Bereiche im Raum Speyer, die von dem Freizeitdruck stark betroffen sind, unter anderem Wiesen bei Dudenhofen, insbesondere am Atzelhof und im Mönchsbusch. „Sehr frequentiert werden auch die Sanddünen zwischen Dudenhofen und Speyer sowie die Bereiche entlang des Rheinhauptdeiches und der angrenzenden Streuobstwiesen in Römerberg“, sagt er.

Nach einer Mitteilung des Rhein-Pfalz-Kreises kennen ehrenamtliche Naturschutzbeauftragte darüber hinaus schon länger besondere Schwerpunkte hinsichtlich des „Problems freilaufender Hunde in Natur und Landschaft“: zum Beispiel das Naturschutzgebiet „Sporen“ bei Bobenheim-Roxheim oder das Landschaftsschutzgebiet „Heidewald“ bei Birkenheide/Maxdorf. „Die auf unverantwortliche Hundeführer zurückgehenden Verstöße schädigen jedoch immer weitere Bereiche im Rhein-Pfalz-Kreis erheblich“, heißt es weiter seitens der Unteren Naturschutzbehörde.

Seltene Vögel bei Brut gestört

Wie Sona informiert, könnten solche Störungen „viele nachteilige Folgen“ haben: „In der ansonsten sehr ausgeräumten Landschaft sind diese Bereiche die letzten Rückzugsgebiete für viele Tierarten und damit überlebenswichtig. Es handelt sich oft um Gebiete mit einem Schutzstatus, also Naturschutzgebiete und Landschaftsschutzgebiete. In diesen Gebieten gelten bestimmte Regeln, wie das Wegegebot und eine Anleinpflicht für Hunde“. Darüber hinaus sei auch schon beobachtet worden, „dass auf frisch eingesäten landwirtschaftlichen Flächen Leute mit ihren Hunden Ball spielen“, teilt der Jäger mit. Das könne man ebenfalls nicht tolerieren.

Nach Auskunft der Kreisverwaltung stellen Ornithologen im gesamten Landkreis schon seit Längerem in „erschreckendem Ausmaß“ durch freilaufende Hunde verursachte Beeinträchtigungen der Brut von Feldlerchen, Rotkehlchen und Nachtigallen fest. Diese Arten sind Boden- und Heckenbrüter; denn die Nester solcher Tiere befinden sich auf ebener Erde oder in Bodennähe. Falls umherstreifende Vierbeiner solche Gelege entdeckten, bestehe die große Gefahr, dass sie diese zerstören. „Selten gewordene Arten wie Ziegenmelker und Wiesenpieper, die ohnehin nur noch in geschützten Arealen vorkommen, sind durch stöbernde Hunde vielerorts so gut wie verschwunden“, teilt die Verwaltung mit.

Außer Vögeln verendeten aber auch Rehe und andere Wildtiere auf qualvolle Weise: Nicht nur Bisse jagender Hunde, auch die Flucht des Wildes selbst berge höchste Gefahr. Der tödliche Ausgang sei programmiert, wenn es panisch davonläuft und durch einen Zaun aufgehalten wird, heißt es weiter. Wildtiere verletzten sich oft schwer, wenn sie von Hunden gehetzt würden. „Sie können aber auch auf eine Straße und vor das nächste Auto geraten. Dann kommen zusätzlich Menschenleben in Gefahr“, zeigt die Untere Naturschutzbehörde einen Teufelskreis auf.

Appell: Auf den Wegen bleiben

Nach Auskunft von Kreisjagdmeister Sona geht es den Jägern, Naturschutzbeauftragten und auch den Landwirten, die den erhöhten Druck durch Erholungssuchende feststellten, nicht in erster Linie darum, Verstöße mit Anzeigen zu bestrafen. „Wichtig ist uns die Aufklärung der Bevölkerung und die Bitte um Rücksichtnahme auf die Tier- und Pflanzenwelt und auf fremdes Eigentum“, unterstreicht er. „Wiesen werden bei uns überwiegend zur Futtermittel-Erzeugung bewirtschaftet. Der von Hunden abgesetzte Kot kann Krankheiten übertragen und bei Pferden zum Beispiel Koliken verursachen“, verdeutlicht er. Deshalb appelliert Sona an die Bürger mit und ohne Vierbeiner. „Bitte bleiben Sie auf den Wegen!“

Die Kreisverwaltung macht auf Hinweisschilder aufmerksam, die über Regeln in Natur- und Landschaftsschutzgebieten sowie über kommunale Gefahrenabwehrverordnungen informieren. „Die Nichtbeachtung derartiger Regelungen ist ordnungswidrig und wird entsprechend geahndet. Im Rhein-Pfalz-Kreis beispielsweise finden deshalb stichprobenartig Kontrollen statt, auch an den Wochenenden. Die Bußgelder können bis zu 50.000 Euro betragen“, teilt die Behörde mit.

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