Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Lesetipps der Büchereien im Speyerer Umland: Spannung und Emotion

Viele Büchereien im Speyerer Umland bieten Onleihe an: Nutzer können Bücher in elektronischer Form ausleihen.
Viele Büchereien im Speyerer Umland bieten Onleihe an: Nutzer können Bücher in elektronischer Form ausleihen.

Frühlingsausflüge, Treffen mit Freunden, Arbeiten im Büro – vieles ist derzeit nicht möglich. Doch ein gutes Buch lesen, das bleibt auch in der Corona-Zeit möglich. Die RHEINPFALZ hat die aktuell geschlossenen Büchereien im Speyerer Umland um Lesetipps gebeten. Die meisten Bücher lassen sich sogar als E-Book ausleihen.

Mediathek Römerberg

Die Leiterin der Mediathek in Berghausen, Julia Hegel, und ihr Team haben sich für einige Bücher entschieden, die auch als E-Book in der Onleihe Rheinland-Pfalz zum Ausleihen verfügbar sind. „Unser Onleihe-Angebot wird vermehrt genutzt“, sagt Hegel. Genaue Zahlen gebe es erst Ende April, aber ein deutlicher Anstieg sei aktuell auf jeden Fall zu merken.

Die Mediathek stellt ihren Nutzern auch den Filmstreaming-Dienst „Filmfriend“ mit mehr als 2000 Filmen, Serien und Dokumentationen zur Verfügung. Das neue Angebot, das es seit 1. März in Römerberg gibt, werde sehr gut angenommen. „Wir wollen auch in dieser Zeit für die Menschen da sein“, sagt Hegel. „Wir bieten Onleihe und Filmfriend für alle kostenlos an. Man muss sich nur bei uns registrieren. Wir melden uns dann bei denjenigen, die sich gemeldet haben, und erklären, wie alles funktioniert.“ Die Lesetipps der Mediathek:

„Die Unsterblichen“ von Chloe Benjamin

In dem Buch geht es um vier Geschwister im New York der 1960er-Jahre, die auf eine Wahrsagerin treffen. Diese nennt allen Geschwistern den Tag, an dem sie sterben werden. Daraufhin beginnt bei jedem der vier eine Entwicklungsgeschichte, über der immer der Gedanke des Todes schwebt. Die Geschichte wird umso dichter erzählt, je näher es auf das Datum zugeht, und man will dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen. Man will unbedingt wissen, ob die Wahrsagerin recht behält.

„Der größte Spaß, den wir je hatten“ von Claire Lombardo

In der Geschichte begleitet man eine Familie mit vier Töchtern über einen Zeitraum von 40 Jahren. Man lacht, man weint mit den Protagonisten, deren Charaktere genau und lebhaft beschrieben sind, und man kann das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

„Der Gesang der Flusskrebse“ von Delia Owens

Dieses Buch haben sowohl die Römerberger Mediathek als auch die Waldseer Gemeindebücherei in ihrer Empfehlungsliste. Die Mediathek findet: In der Mischung aus Biografie, Krimi, Natur und Gesellschaftsroman bietet das Buch für jeden Geschmack etwas. Es geht um Kya, die allein in der Nachkriegszeit im Marschland von North Carolina aufwächst und ihren eigenen Weg geht. Und als zwei Männer auftauchen, bringt das das Leben von Kya durcheinander.

Das Buch ist zu recht seit Monaten auf den Bestseller-Listen. Die Waldseer Büchereimitarbeiterin Maria-Theresia Schlosser urteilt so: Die Erzählung spielt auf zwei Ebenen, und man kann es kaum erwarten, wie das Leben des Mädchens weitergeht. Sie ist sehr poetisch und detailliert geschrieben, reich an Bildern: besonders die Natur in all ihrer Vielfalt. Schade, dass das Buch zu Ende geht.

Gemeindebücherei Waldsee

Die Onleihe-Zahlen der Gemeindebücherei Waldsee sind seit Beginn der Corona-Krise kräftig gestiegen, wie Büchereileiterin Isabell Mayer berichtet: Im Januar waren es noch 279 Ausleihen durch 46 Nutzer, im März schon 367 Ausleihen durch mittlerweile 58 Nutzer.

Wie Mayer mitteilt, haben die Büchereien im Gebiet der Verbandsgemeinde Rheinauen eine gemeinsame Werbeaktion gestartet. „Darin geht es um die Angebote, die trotz Schließung der Büchereien fleißige Leser und Leserinnen nutzen können“, sagt sie. Alle Büchereien böten bis 30. Juni eine kostenlose Mitgliedschaft an, so dass Neumitglieder die Onleihe mit rund 100.000 Medien ab sofort nutzen könnten.

Außerdem wirbt Mayer für das Angebot „Einfach vorlesen!“ der Stiftung Lesen. Auf der Internetseite www.einfachvorlesen.de stehen wöchentlich online viele neue Vorlesegeschichten für Kinder verschiedenen Alters kostenfrei zur Verfügung. Eine Anmeldung oder App ist nicht notwendig. Die Lesetipps der Gemeindebücherei Waldsee beziehungsweise von Mitarbeiterin Brigitte Dinier:

„Die Wächter“ von John Grisham

Der junge Afroamerikaner Quincy Miller wird beschuldigt, den Anwalt Keith Russo erschossen zu haben. Obwohl es keine Spuren, keine Zeugen und kein Motiv gibt, wird er zu lebenslanger Haft verurteilt und sitzt 22 Jahre zu Unrecht in einem Hochsicherheitsgefängnis. Dann wendet er sich an die ehrenamtlich arbeitende Organisation „Guardian Ministries“, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, unschuldige, sogar zum Tode verurteilte Gefängnisinsassen zu rehabilitieren.

Der Anwalt Cullen Post und sein Team übernehmen den Fall und kämpfen um ein Wiederaufnahmeverfahren, denn sie glauben an die Unschuld ihres Mandanten. Es beginnt ein Kampf, der sie in die Vergangenheit führt: gegen einen skrupellosen Staatsanwalt, einen unfähigen Pflichtverteidiger und ein damals korruptes Kleinstadt-Polizeirevier. „Die Wächter“ ist ein Justizthriller, spannend geschrieben, und Fans von John Grisham werden das Buch lieben.

„Der Wal und das Ende der Welt“ von John Ironmonger

Die Empfehlung von Büchereimitarbeiterin Christa Heikamp: Am Strand von St. Piran, einem kleinen Fischerdorf an der englischen Küste, wird eines Morgens ein nackter junger Mann angeschwemmt. Die Dorfbewohner kümmern sich um den Mann namens Joe Haak und nehmen ihn freundlich in ihrer Gemeinschaft auf.

Keiner von ihnen ahnt, dass Joe aus der City of London, dem Londoner Bankenviertel, geflohen ist, nachdem das von ihm entwickelte Computerprogramm „Cassie“ den Zusammenbruch der Wirtschaftssysteme weltweit und der gesamten Zivilisation als Folge einer Grippewelle prognostiziert hat. Als dann auch noch ein Wal am selben Küstenabschnitt strandet, müssen die Dorfbewohner und Joe nicht zum letzten Mal beweisen, was eine echte Gemeinschaft alles schaffen kann.

In Zeiten von Corona liest sich dieses Buch an vielen Stellen mit dem beklemmenden Gefühl eines Déjà-vu. Man erkennt erschreckende Parallelen zwischen dem fiktiven Szenario des Romans und unserer heutigen komplexen globalen Welt und ihrer Zerbrechlichkeit. Gleichzeitig gibt einem das Buch aber auch den Glauben an Menschlichkeit, an Zusammenhalt in Krisenzeiten und an das Mitgefühl unserer Mitmenschen zurück. Insgesamt ein Buch, das mich sofort mitgerissen und zutiefst berührt hat.

Katholische Öffentliche Bücherei St. Gangolf Dudenhofen

Die Dudenhofener Büchereileiterin Barbara Kischka gehört als Steuerfachangestellte zu denen, die wegen der Corona-Krise aktuell beruflich mehr statt weniger zu tun haben. Das Hobby Bücher muss deshalb momentan hinten anstehen, und es gibt „leider nur einen Buchtipp“. Wenn es die Zeit erlaubt, versucht Kischka, die Bücherei auf die Zeit nach der Krise vorzubereiten. Die aktuellsten Zahlen zur Onleihe, die Kischka vorliegen, stammen von Januar/Februar. Damals gab es 86 Leser. Der Buchtipp der Dudenhofener Bücherei:

„América“ von T.C. Boyle

Von Büchereimitarbeiter Klaus Patz stammt dieser Tipp. Das Buch handelt vom Leben in den USA in den 1990er-Jahren (damals war Bill Clinton Präsident), und es ging auch damals schon um (illegale) Einwanderung aus dem Süden und die Furcht vor Überfremdung. Reiche Kalifornier spielen mit dem Gedanken, ihre Wohnanlagen durch Mauern zu schützen. Man sieht, die Gedanken von Präsident Trump haben schon lange Wurzeln.

Dagegen stehen die Träume der Eingewanderten, die trotz mickriger Löhne für sich und ihre Familien zu Hause einen Traum vom besseren Leben haben. Es gibt gute Demokraten, die jedem das Recht auf diesen Traum zubilligen, und es gibt skrupellose Geschäftemacher, die an der Not der Immigranten verdienen. Eine gut unterhaltende Lektüre.

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