Römerberg / Dudenhofen Lese in Gemeindewingerten: Trauben werden zu Riesling und Saft
„Wir haben schon vorgelesen und die faulen Trauben rausgeschnitten“, erzählt Martin Rohr, der bei der Weinlese im Gemeindewingert am Montag den Traktor fährt. Denn durch Regen und wenig Wind, werde Fäule begünstigt. „Da reichen ein paar Tropfen. Aber letztes Jahr war es schlimmer“, sagt Rohr. Ein weiteres Hindernis: Dieses Jahr steht nur ein Fahrzeug zur Verfügung, sodass die zehn Erntehelferinnen und Erntehelfer die Eimer voll Trauben „rauf und runter“ tragen müssen. Warum unter der Woche geerntet wird? „Weil wir uns nach den Winzern richten müssen – der Winzer gibt den Takt vor.“ Die frühe Uhrzeit ist dem Umstand geschuldet, dass die Lese nicht bei zu hohen Temperaturen erfolgen soll.
Herauskommen soll ein trockener Riesling. Den bekommt man nach rund 14 Tagen, erklärt Ralf Gaggermeier, der auch eine Ausbildung zum Qualitätsweinprüfer hat. Nach dem Pressen werde der Most über Nacht geklärt, dann in den Gärbehälter mit Hefe und Nährsalz gegeben. Die Süßreserve ist reiner Traubensaft. Sie werde verwendet, um den Wein nach Geschmack zu süßen bis hin zu lieblichen Sorten. Durch gezielte Kühlung und Zusetzen von Hefe werde der Gärprozess gesteuert.
Gute Bedingungen
Qualitätsweinproduktion werde viele Male kontrolliert. Der so kontrollierte Wein sei frei von Weinfehlern, was aber nicht heißt, dass er schmeckt, sondern dass er zum Beispiel allen Kriterien, auch optisch, eines Rieslings entspricht. Doch Bürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne) und Beigeordnete Sabine Marczinke (SPD) sind guter Dinge, dass ein schmackhafter Wein herauskommt: „Nach einem trockenen Frühjahr mit verzögertem Austrieb konnten die Reben über den Sommer gut aufholen“, erklären sie. „Der nasse Juli hat für eine optimale Feuchte gesorgt, der heiße und sonnige August dann für eine gute Traubenentwicklung. Die sehr günstigen äußeren Bedingungen in Verbindung mit den Anstrengungen unseres Winzers Tobias Schmidt lassen uns auf gesundes Lesegut hoffen.“
Wie Gaggermeier betont, hätten heutige Winzerinnen und Winzer verstanden, dass man die Gesundheit von Boden, Mensch und Natur ganzheitlich sehen und schützen muss – im Gegensatz zu früher, wo man mit den Pflanzenschutzmitteln verschwenderisch umgegangen sei. „Man macht nur das, was man tun muss. Insektizide gehen fast gegen Null, an Herbiziden werden die meisten auch nicht mehr verwendet.“ Das verlangt Fachwissen und ein gutes Auge. Mit Maschinen lassen sich Unkräuter entfernen. „Die kann man aber auch wachsen lassen“, sagt Gaggermeier, denn die Pflanzen seien Wasserspeicher und hielten bei Regen den Boden an Ort und Stelle.
Hilfe von Schülern
Nicht nur in Römerberg, auch in Dudenhofen sind an den vergangenen beiden Tagen Trauben im Gemeindewingert gelesen worden. Die Traubenlese sowie die Pflege übernimmt hier schon seit Jahren die Kilianer AG der Ortsgemeinde. Deren Mitglied Johann Sammet organisiert die Arbeitseinsätze. Am Montag waren laut Gemeinde rund 20 Mitglieder der AG den ganzen Tag im Einsatz, am Dienstag rund 30 Mitglieder vormittags. An beiden Tagen gab es Unterstützung: Schülerinnen und Schüler der Speyerer Pestalozzi-Schule, die aktuell ihr Ausweichquartier in Römerberg hat, waren am Montag bei der Traubenlese dabei. Am Dienstag gab es Hilfe von Erstklässlern der Grundschule Dudenhofen. Am Dienstagmittag gab es einen zünftigen Abschluss der diesjährigen Traubenlese in der Bauhofhalle. Laut Sammet wurde in diesem Jahr eine etwas kleinere Menge als im vergangenen Jahr gelesen. Die Trauben hätten eine gute Qualität und würden nun zu Kilianer-Traubensaft verarbeitet. Sammet schätzt die Menge auf zirka 1500 Liter.