Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Lebensretter für Bobenheim-Roxheimer gesucht

Seit Januar hat Andreas seine beiden Söhne kaum gesehen. Die Familie hofft, dass die Typisierungsaktion am 25. Mai ein Erfolg wi
Seit Januar hat Andreas seine beiden Söhne kaum gesehen. Die Familie hofft, dass die Typisierungsaktion am 25. Mai ein Erfolg wird.

Andreas möchte leben. Der Familienvater aus Bobenheim-Roxheim ist an Leukämie erkrankt und unterzieht sich derzeit einer Chemotherapie. Am 25. Mai findet für den 39-Jährigen eine Typisierungsaktion statt. Die Organisatoren hoffen, dass dort ein passender Stammzellspender gefunden wird.

Die schreckliche Diagnose kam am 3. Januar. Sandra Kapper, die eng mit Andreas und seiner Familie befreundet ist, erinnert sich noch gut an den Tag. Schon zwischen den Jahren fühlte sich der Familienvater nicht wohl. Er dachte an eine verschleppte Grippe, ging vorsorglich zum Arzt. Der verschrieb nicht einfach nur ein Antibiotikum, sondern nahm eine Blutprobe. Ein Tag später stand fest: Andreas leidet an akuter Leukämie. Nur eine Stammzellspende kann sein Leben retten. Seit diesem Tag ist für Andreas und seine Familie nichts, wie es einmal war. Der Familienvater wurde sofort ins Klinikum in Ludwigshafen gebracht, musste sich dort bisher drei Chemotherapien unterziehen. Dreimal durfte er je eine Woche zu Hause in Bobenheim-Roxheim verbringen. „Die restliche Zeit war er ununterbrochen im Krankenhaus“, erzählt Sandra Kapper. Nicht nur für Andreas ist die Situation belastend. Vor allem sein fast vierjähriger Sohn versteht nicht, wieso er den Papa kaum noch sehen darf. „Er möchte mit ihm Ball spielen, Fahrrad fahren, schwimmen gehen, Ausflüge machen. An all das ist im Moment aber nicht zu denken“, erzählt Kapper von der schwierigen Situation. Der Kleine weiß, dass sein Vater krank ist. „Aber natürlich kann er das in dem Alter noch nicht richtig verstehen.“ Dass ihn so eine Diagnose einmal treffen könnte, damit habe in Andreas’ Umfeld keiner gerechnet, berichtet Sandra Kapper. Der Familienvater habe immer sehr auf seine Gesundheit geachtet, bei den „Jedermännern“ der Gymnastikabteilung des SC Bobenheim-Roxheim trainierte er vor der Krankheit jede Woche. Noch im August vergangenen Jahres war er zu einer routinemäßigen Vorsorgeuntersuchung beim Arzt gewesen. Nichts deutete damals auf die schreckliche Krankheit hin. Dabei stand Andreas gerade mitten im Leben. Vor einem Jahr hat der Bobenheim-Roxheimer geheiratet, im vergangenen Sommer kam der zweite Sohn zur Welt. „Er war überglücklich“, erinnert sich Sandra Kapper. „Ich habe eine tolle Frau, zwei gesunde Söhne, mir könnte es nicht besser gehen“, habe er damals gesagt. Vater zu sein, sei für ihn das Größte auf der Welt, sagt Kapper. Umso mehr schmerzt es, dass Andreas seine beiden Söhne kaum noch sehen kann. Per Videotelefonie versucht die Familie, den 39-Jährigen auf dem Laufenden zu halten. „Trotzdem verpasst er natürlich gerade bei seinem jüngsten Sohn unglaublich viel“, sagt Sandra Kapper. Der erste Brei, die ersten Krabbelversuche, das alles konnte Andreas nicht miterleben. Gerade hat der Familienvater die dritte Chemotherapie hinter sich gebracht. Die Schlimmste, wie Kapper berichtet. In den nächsten Tagen darf Andreas ein paar Tage nach Hause, seinen 40. Geburtstag in der kommenden Woche wird er mit der Familie verbringen. An eine große Feier ist aber nicht zu denken. Denn die Chemotherapie hat Spuren hinterlassen. Andreas hat mit Wassereinlagerungen und Übelkeit zu kämpfen. Die Schleimhäute sind so stark angegriffen, dass er keine normale Nahrung mehr zu sich nehmen kann. Umso wichtiger ist es, dass nun schnell ein Stammzellspender gefunden wird, meint Kapper. Gemeinsam mit der Stefan-Morsch-Stiftung sowie der örtlichen Manfred-und-Christel-Gräf-Stiftung hat Sandra Kapper deshalb eine Typisierungsaktion organisiert. „Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ein genetischer Zwilling nicht irgendwo auf der Welt, sondern hier in der Region lebt“, berichtet Kapper. Die Hoffnung ist deshalb groß, dass bei der Veranstaltung am 25. Mai ein passender Spender gefunden wird. Damit genügend Besucher kommen, hat sich das Organisationsteam einiges einfallen lassen. Die Landfrauen versorgen die Gäste gegen eine Spende mit Kaffee, Kuchen und Waffeln. Der Elternausschuss des Kindergartens St. Laurentius zeigt ein Kasperltheater. Die Kinder- und Jugendtanzgruppe des SC Bobenheim-Roxheim wird ebenso auftreten wie eine Gruppe des TV Kleinniedesheim. Der Sozialverein Kunterbunt wird mit Spielen vor Ort vertreten sein, und am Stand der Kita Edith Stein können sich Kinder schminken lassen. Von 14 bis 16 Uhr wird es einen Benefiz-Zumba-Tanz geben. Alle Spenden, die an diesem Tag zusammenkommen, gehen laut Kapper direkt an die Stefan-Morsch-Stiftung. Denn eine Typisierung ist teuer. Die Auswertung einer einzelnen Spende kostet die Stefan-Morsch-Stiftung rund 40 Euro. Sie übernimmt die Kosten für alle Freiwilligen zwischen 16 und 40 Jahren. Denn, so weiß Kapper, je jünger ein potenzieller Spender ist, desto größer ist die Verträglichkeit der Stammzellen. Auch Freiwillige, die älter als 40 Jahre sind, können sich typisieren lassen, müssen dann die Kosten für die Auswertung aber selbst übernehmen. Wer schon einmal typisiert wurde, brauche das übrigens kein zweites Mal machen zu lassen. Die Daten werden in einer weltweiten Spenderkartei gespeichert. Das heißt: Auch wenn die Stammzellen nicht zu Andreas passen, kann unter Umständen einem anderen Leukämiekranken geholfen werden.

Termin

Die Typisierungsaktion findet am Samstag, 25. Mai, von 12 bis 17 Uhr in der Realschule plus in Bobenheim-Roxheim, Grünstadter Straße 6, statt.

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