Rhein-Pfalz Kreis Landwirte nervt Glyphosat-Debatte

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Ludwigshafen

. Landwirt Uwe Beutelmann aus Hochdorf-Assenheim ärgert sich darüber, dass das Thema so hochgespielt wird. In Deutschland habe man den Einsatz des Herbizids im Griff. Im Gemüsebau komme es ohnehin kaum zum Einsatz. „Unser Betrieb spritzt es seit vergangenem Jahr gar nicht mehr, weil Kunden verunsichert waren – aber ich versichere Ihnen: Noch nie sind Rückstände bei einer Probe nachgewiesen worden. Und wir werden wöchentlich mehrfach beprobt.“ Im Rhein-Pfalz-Kreis werde Glyphosat fast nur zur Ackerhygiene eingesetzt, also dann, wenn Felder entweder abgeerntet sind oder stehengelassene Kulturen umgepflückt werden, damit sich keine Bakterien verbreiten. Beutelmann versteht außerdem nicht, warum es bei der umstrittenen Zulassungsverlängerung gleich um neun Jahre geht. „Man könnte auch erst mal im Zeitraum von ein, zwei Jahren denken und in dieser Zeit prüfen, wie gefährlich das Mittel überhaupt ist.“ Für den Hochdorf-Assenheimer ist diese Diskussion eine von vielen – entfacht von Öko-Aktivisten. „Ist Glyphosat vom Tisch, kommt was Neues – soll man uns doch gleich vorschreiben, nur noch Bioprodukte anzubauen. Aber dann muss auch die Ware aus Übersee streng kontrolliert werden. Gerade beim Sojaanbau – oft für vegane Kost – soll Glyphosat eine bedeutende Rolle spielen.“ Den ewigen Streit um das Pflanzengift Glyphosat kennt Roni Zürker nicht nur von seiner Arbeit als Landwirt. Als Ortsbeigeordneter ist er in Dudenhofen für den Friedhof zuständig. „Da darf auf Anweisung der Landesregierung auch kein Glyphosat verwendet werden“, sagt Zürker (CDU). Was er davon hält? „Gar nichts, deswegen ist da alles voller Unkraut. Ich verstehe es ja, wenn man Glyphosat nicht auf Gehwegen benutzen darf, weil es da direkt in den Kanal geht.“ Aber auf dem Friedhof? „Da geht nichts in die Kanalisation.“ In „sehr geringem Umfang“ nutzt Zürker das Gift auf seinen Feldern, bei den Verbrauchern komme davon aber nichts an: „Da bleiben keine Rückstände übrig“, sagt er. Ludwig Hartmann ist Geschäftsführer von Maurer Parat in Dannstadt, einem Großhändler für Agrarprodukte, der auch glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel in der Region verkauft. „Aber nur in sehr kleinen Mengen“, sagt er. Im Gemüseanbau werde das Mittel in der Vorderpfalz fast gar nicht genutzt. „Das wird vor allem verwendet, wenn Getreide angebaut wird.“ Im Kreis setzten Bauern das Gift auch erst nach der Ernte ein, um spezielle Unkraute zu bekämpfen. Hintergrund der aktuellen Diskussion ist, dass der Ausschuss für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit der Europäischen Union (EU) voraussichtlich heute entscheidet, ob die Zulassung des Unkrautvernichters für weitere neun Jahre verlängert werden soll oder nicht. Glyphosat ist der weltweit am meisten eingesetzte Wirkstoff in Pflanzenschutzmitteln. Die beiden SPD-Minister für Umwelt und Wirtschaft in Berlin, Barbara Hendricks und Sigmar Gabriel, wollen einer Zulassung nicht zustimmen, obwohl sich der Bundestag Ende Februar für eine Verlängerung der Zulassung ausgesprochen hatte. Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) pocht auf die Einhaltung dieser Entscheidung. Nach jetzigem Stand müsste sich die Bundesregierung in Brüssel enthalten. Warum das Mittel so umstritten ist? Schon seit Jahren wird darüber diskutiert, ob das Pflanzengift krebserregend ist oder nicht. Eine neue Studie der Vereinten Nationen (UN) hat den Krebsverdacht nicht bestätigt. Tiertests mit für Menschen relevanten Dosen des Mittels hätten gezeigt, dass Glyphosat bei der Nahrungsaufnahme nicht zu genetischen Zellveränderungen führe, hieß es in einem Entwurf des UN-Berichts. Allerdings wurde auch darauf hingewiesen, dass es bei Tests mit Mäusen bei sehr hohen Dosen Krebsverdacht gab. Auch die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hatte Glyphosat im März 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Roni Zürker sagt dazu: „Wenn Sie einer Maus eine Überdosis Koffein geben, stirbt sie daran auch.“ Grundsätzlich seien Pflanzenschutzmittel für seinen Betrieb sehr wichtig, „sonst hätten wir nur die halben Erträge“. Das könne man sich in Deutschland vielleicht erlauben, weil man den Rest an Nahrungsmitteln zukaufen könne. „Aber dann verhungern die Leute in Afrika“, sagt Zürker. Auch sein Kollege Tim Ballreich vom Martinshof Beck in Dudenhofen sagt, dass auf dem Hof Glyphosat verwendet werde. „Aber nur bei Rhabarber, insgesamt spielt das eine unwesentliche Rolle.“ Sollte das Mittel irgendwann verboten werden, könne man relativ schnell auf ein anderes Produkt umsteigen. „Das wäre kein Problem.“ Anders bei Roni Zürker: „Für uns wäre das schon ein Problem.“ Er glaubt auch, dass die Menschen heute so gesund leben würden wie noch nie. „Die Argumente gegen Glyphosat sind an den Haaren herbeigezogen.“ Immerhin gebe es strenge Grenzwerte, an die sich alle Landwirte halten müssten. Auf diese Grenzwerte verweist auch Beate Speth, die beim Pfalzmarkt in Mutterstadt für die Qualitätssicherung zuständig ist. Bevor der Pfalzmarkt ein Produkt vermarktet, wird ein „Rückstandsmonitoring“ erstellt, das bei ihr auf dem Tisch landet. Nur wenn alle Werte unbedenklich sind, wird der Auftrag zur Ernte erteilt. „Ich habe noch nie Glyphosat-Rückstände gehabt“, sagt sie. Die Erzeuger könnten sich das auch gar nicht leisten: „Die Vorgaben von unseren Kunden, zum Beispiel den großen Supermarkt-Ketten, sind viel strenger als die EU-Vorgaben. Ein Landwirt kann sich da keinen Ausrutscher erlauben, sonst kann er gar nichts mehr vermarkten.“ Für Speth kommt die Diskussion über Glyphosat einer Hetzkampagne gleich. „Da wird ein Krieg gegen die Erzeuger geführt.“ Roni Zürker sieht das ähnlich: „Es wird mit aller Macht daran gearbeitet, so viel wie möglich zu verbieten.“ Und da kommt Uwe Beutelmann wieder ins Spiel – mit seinem Bio-total-Zukunfts-Szenario.

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