Rhein-Pfalz-Kreis
Landratswahl: So haben die Kreisgemeinden gewählt
Rheinauens Bürgermeister Patrick Fassott (SPD) bewegt vor dem Hintergrund, dass die Landratswahl eine Personenwahl ist, dass AfD-Kandidat Joachim Paul aus Koblenz kreisweit fast 20 Prozent erzielt hat. Das Engagement der Kandidaten vor Ort, die sehr engagiert Wahlkampf betrieben und zahlreiche Veranstaltungen besucht haben, werde ad absurdum geführt, wenn ein Kandidat, der bislang nichts für den Kreis geleistet habe, ein solches Ergebnis erreichen könne, sagt Fassott am Montag.
Der Bürgermeister kennt bis auf Joachim Paul alle Kandidaten persönlich, weil sowohl Volker Knörr (CDU, Waldsee) als auch Bianca Staßen (SPD, Otterstadt), Ralf Marohn (FDP, Neuhofen) und Maurice Kuhn (Grüne, Altrip) aus der Verbandsgemeinde Rheinauen kommen. Das spiegelt sich im Ergebnis auf VG-Ebene wider. Knörr gewinnt, Marohn überholt den AfD-Kandidaten, belegt den dritten Platz und liegt mit 20,4 Prozent fast gleichauf mit Staßen (20,7 Prozent). Von Maurice Kuhn hätte Fassott ein besseres Ergebnis erwartet. Der 27-Jährige hat auf VG-Ebene mit 8,7 Prozent den fünften Rang erzielt.
Seinen Heimatort Altrip konnte Kuhn im Gegensatz zu den anderen Kandidaten nicht gewinnen. Dort holte Knörr die meisten Stimmen, auf Platz zwei liegt Paul. Neuhofen ging – wie erwartet – an Marohn. Fassott findet allerdings, dass auch das Ergebnis für den FDP-Mann in seinem Heimatort hätte besser ausfallen können. Er vermutet, dass der ein oder andere Neuhofener womöglich bewusst nicht für Ralf Marohn gestimmt hat, damit die Gemeinde ihren Ortsbürgermeister nicht verliert. Denn gleichzeitig Landrat und Ortsbürgermeister hätte Marohn nicht sein dürfen.
Bianca Staßen gewinnt mit knappem Abstand auf CDU-Mann Volker Knörr ihren eher christdemokratisch geprägten Heimatort Otterstadt. „Wenn man Landrätin werden will, muss man seine Homebase gewinnen“, kommentiert Fassott das Ergebnis seiner Parteikollegin. Volker Knörr gelingt dies auch in Waldsee. Er erzielt dort 45,9 Prozent und liegt deutlich vor den anderen Kandidaten – mit 28,7 Prozentpunkten vor Bianca Staßen und Joachim Paul, die in Waldsee beide 17,2 Prozent der Stimmen holen. Zum erneuten Urnengang am 16. März sagt Fassott: „Die Stichwahl wird eine reine Persönlichkeitswahl, weil sie nicht an eine Bundestagswahl gekoppelt ist. Jetzt geht es darum, die eigenen Wähler zur Stimmabgabe zu mobilisieren. Die spannende Frage wird sein, wie sich die Stimmen des AfD-Kandidaten sowie von Maurice Kuhn und Ralf Marohn verteilen.“
Aussagen zu Wahlempfehlung
Ralf Marohn äußert sich auf Anfrage am Montag klar zum Thema Wahlempfehlung. Er werde keine aussprechen, sagt der 57-Jährige. Er hält sich laut eigener Aussage bewusst zurück, weil er davon überzeugt ist, dass die Wählerinnen und Wähler selbst entscheiden können und sollen, wem sie in der Stichwahl ihre Stimme geben. Marohn interpretiert angesichts des Einzugs von Volker Knörr und Bianca Staßen in die Stichwahl, dass sich die Mehrheit der Wähler für eine Fortsetzung der bisherigen Arbeitsweise in der Kreisverwaltung und gegen eine Veränderung entschieden habe. Er selbst freut sich über seinen Sieg in seinem Heimatort Neuhofen und auf die weitere Arbeit im Kreistag.
Maurice Kuhn analysiert sein Abschneiden in den einzelnen Gemeinden nüchtern: „Dort, wo die Grünen stark sind, ist auch mein Ergebnis gut.“ Er weist zudem auf das starke Bewerberfeld mit zwei Kreisbeigeordneten, einem Bürgermeister und einem Landtagsabgeordneten hin, der die Stimmen der AfD ziehe. Seine Erwartungen seien daher und angesichts der Stimmung gegenüber den Grünen realistisch gewesen, sagt Kuhn. Auf die Frage, ob er für die Stichwahl eine Wahlempfehlung aussprechen werde, antwortete er, dass er oder die Partei noch nicht gefragt worden seien. „Wenn wir gefragt werden, besprechen wir das in den Parteigremien“, sagt der 27-Jährige.
In Schifferstadt kam Kuhn auf 9,8 Prozent der abgegebenen Stimmen. Hier gab es also offenbar keinen Bonus für den Kandidaten der Grünen, obwohl mit Ilona Volk eine Parteifreundin Bürgermeisterin ist. „Ich hätte Maurice Kuhn gerne in der Stichwahl gesehen. Aber ich freue mich auch, dass es Volker Knörr und Bianca Staßen geschafft haben“, sagt Volk. Kuhn habe sich ob seines Auftretens aber großen Respekt bei den Menschen verschafft. Mit 38,8 Prozent lag Knörr in Schifferstadt, das früher als CDU-Hochburg galt, über seinem Ergebnis für den gesamten Kreis.
Mit 31,6 Prozent hatte die Otterstadterin Bianca Staßen ihr bestes Einzelergebnis, was die Gemeinden angeht, in Mutterstadt. Was auch nicht verwunderlich ist, schließlich ist dort mit Thorsten Leva ein Sozialdemokrat Bürgermeister. Er drückt nach eigenem Bekunden jetzt selbstverständlich der Genossin die Daumen im Endspurt und bei der Stichwahl. „Sie ist eine, die anpackt“, sagt Leva über Staßen. AfD-Kandidat Joachim Paul habe er wesentlich weiter hinten erwartet, Maurice Kuhn habe er im zweistelligen Bereich gesehen.
Auffällig aus Levas Sicht waren knapp 100 ungültige Stimmen. Diese seien fast alle im Bereich der Briefwähler zu verzeichnen gewesen. „Vielleicht hätten wir da früher stärker aufklären müssen, wie es funktioniert“, sinniert der Mutterstadter Bürgermeister. So viele ungültige Stimmen finde er als Demokrat schade, weil diese keine Berücksichtigung fänden.
An diesem Punkt knüpft auch Paul Poje (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Maxdorf, an. Er habe Ähnliches beobachtet. Auch er freue sich über den Erfolg seines Parteifreunds Volker Knörr. Der Trend, dass dieser an erster Stelle stehe, sei deutlich gewesen. Schockierend sei allerdings, dass der Abstand der Wahlergebnisse von Bianca Staßen zu Joachim Paul nicht größer ist. Bei der Stichwahl komme es darauf an, die Wähler zu mobilisieren. Auch wenn Poje damit rechnet, dass die Wahlbeteiligung wesentlich geringer sein werde.
Mit 14,4 Prozent hat Ralf Marohn (FDP) in Limburgerhof ein gutes Ergebnis eingefahren. Bürgermeister Andreas Poignée (CDU) begründet das mit der geografischen Nähe seiner Gemeinde zu Neuhofen. Er sei überrascht, wie nah das Ergebnis der Landratswahl an der CMR-Umfrage der RHEINPFALZ gewesen sei. Vom Gefühl her habe Knörr für die Stichwahl Vorteile. „Aber am Ende entscheidet der Wähler.“
Mit 40,5 Prozent der Stimmen hat Knörr in der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim sogar sein Ergebnis aus Schifferstadt noch mal getoppt. Das hat auch seinen Parteifreund und Bürgermeister Stefan Veth gefreut. Veth hat bei Knörr einen „Qualitäts- und Sympathiebonus“ ausgemacht, weshalb dieser auch in „traditionell roten“ Wahllokalen obsiegt habe. Knörr sei für ihn auch bei der bevorstehenden Stichwahl der erste Anwärter auf den Wahlsieg. „Dafür muss er aber jetzt noch drei Wochen Gas geben. Da läuft manches auf Notstromaggregat“, sagt Veth.
Wenn überhaupt. „Der Akku ist leer“, sagt Knörr am Montag im RHEINPFALZ-Gespräch. Am wichtigsten sei es jetzt, die Wähler zu aktivieren, die Leute an die Urne zu bringen. „Es ist ein Landkreis mit 133.000 Wahlberechtigten. Ich werde nichts unversucht lassen, werde an jeder Schraube noch ein bisschen drehen“, gibt sich Knörr kämpferisch. Er wisse, dass er sich dabei auf sein Wahlkampfteam verlassen könne. „Es ist unfassbar, was die Leute an Energie versprühen.“ Er baue im Endspurt vor allem auf das Potenzial der eigenen Wähler.
Ob er auch Stimmen von Menschen bekommt, die AfD-Kandidat Joachim Paul gewählt haben? Der Koblenzer sagt im RHEINPFALZ-Gespräch, dass es aus seiner Sicht die richtige Strategie gewesen sei, dem Wähler ein AfD-Angebot zu machen. Paul ist mit den 19,5 Prozent sehr zufrieden. Und er ist überzeugt: „Mit einem längeren Wahlkampf wäre es möglich gewesen, über das eigene Reservoir an Wählern hinaus mobilisieren zu können.“ Für die eigene Zukunft hat er offenbar mehrere Optionen. „Ich will 2026 wieder für den Landtag kandidieren“, sagt der 54-Jährige. Aber auch eine Kandidatur bei der Oberbürgermeisterwahl in seiner Heimatstadt Koblenz sei möglich. „Die AfD wird auf jeden Fall einen Kandidaten stellen. Wer das sein wird, steht aber noch nicht fest.“
Im, über oder unter Schnitt
Zurück in den Rhein-Pfalz-Kreis: Dort hat Bianca Staßen nach anstrengenden Wahlkampf-Wochen kaum Zeit zum Durchschnaufen. Die 48-jährige Sozialdemokratin geht davon aus, dass ihr auch ihr Haustür-Wahlkampf zum Einzug in die Stichwahl geholfen hat. Dieser soll in den kommenden drei Wochen bis zum nächsten Wahltag ebenfalls eine zentrale Rolle spielen. „Der Fokus liegt schon auf der Stichwahl. Wir sind bereits wieder mittendrin in den Vorbereitungen“, berichtet die Otterstadterin, die sich auch besonders über den Sieg in ihrer Heimatgemeinde freut.
In der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim und in der verbandsfreien Gemeinde Bobenheim-Roxheim sehen die Wahlergebnisse für Knörr und Staßen ungefähr so aus, wie es sich kreisweit darstellt. Aber auf den folgenden drei Plätzen sind Unterschiede auszumachen. Während kreisweit Ralf Marohn mehr Zuspruch erhielt als Maurice Kuhn, ist es in den beiden Kommunen im Kreisnorden umgekehrt. Das könnte daran liegen, dass dort die Grünen seit Längerem in den Parlamenten vertreten sind und mit ihren Profilen und Veranstaltungen auch wahrgenommen werden. Aber gerade deshalb hätte man erwarten können, dass der Grünen-Vertreter Kuhn mindestens so viele Prozente holt wie im Kreisdurchschnitt. Auch was Joachim Paul betrifft, weicht der Kreisnorden vom Gesamtergebnis (19,5 Prozent) ab: Der AfD-Mann holte in der Verbandsgemeinde 21,1 Prozent der Wählerstimmen, in Bobenheim-Roxheim sogar 26,3 Prozent. An der Landratswahl beteiligten sich in der VG fast so viele Wähler wie im Durchschnitt, in Bobenheim-Roxheim waren es mit 77,2 Prozent etwas weniger.
In der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen schnitten die CDU- und Grünen-Kandidaten etwas stärker, die übrigen drei Bewerber hingegen etwas schlechter als im Kreis-Schnitt ab. Volker Knörr kam in Dudenhofen und Harthausen über 40 Prozent. Bianca Staßen blieb besonders in Harthausen mit 19,2 Prozent unter dem Schnitt und sogar knapp hinter AfD-Mann Paul. Dem gaben vor allem in Hanhofen viele Menschen ihre Stimme, 26,5 Prozent bekam er dort. Orts- und Verbandsgemeinde-Bürgermeisterin Silke Schmitt-Makdice (SPD) sieht darin einen Ausdruck des bundesweiten Aufwärtstrends der Rechtspopulisten. Dass Volker Knörr und Bianca Staßen am 16. März noch einmal zur Wahl stehen, ist für sie nicht überraschend. „Es war klar, dass wir bei fünf Kandidaten von einer Stichwahl reden“, sagt sie. Für diese müssten die Kandidaten nun noch einmal die Wähler mobilisieren. Bereits am Dienstag dieser Woche will Schmitt-Makdices Verwaltung mit der Vorbereitung der Briefwahl dafür beginnen. Die mehr als 7000 Briefwähler seien auch ein Grund gewesen, warum es am Sonntag etwas länger gedauert habe, bis das Gesamtergebnis für die Verbandsgemeinde vorlag. Bei künftigen Wahlen, insbesondere wenn mehrere gleichzeitig stattfänden, werde die Verwaltung womöglich mehr Wahlbezirke bilden.