Rhein-Pfalz-Kreis Landratswahl: Kandidaten beantworten Bürgerfragen
Bei der RHEINPFALZ-Podiumsdiskussion am 4. Februar in Neuhofen hatten die mehr als 500 Zuhörerinnen und Zuhörer zahlreiche Fragen an Volker Knörr (CDU), Bianca Staßen (SPD), Ralf Marohn (FDP), Maurice Kuhn (Grüne) und Joachim Paul (AfD). Nicht alle konnten an diesem Abend gestellt werden. Daher haben wir die fünf Bewerber um das Landratsamt danach um Antworten gebeten. Hier sind sie:
Frau Staßen und Herr Knörr, wieso haben Sie den „Servicemangel“ im Kreishaus nicht schon längst abgestellt? Schließlich sind Sie seit Jahren Kreisbeigeordnete.
Staßen: Ich bin Beigeordnete für den Bereich Jugend und Soziales und somit nur für diese spezifischen Aufgaben zuständig. Ich kann auf die Probleme in anderen Geschäftsbereichen hinweisen – was ich auch getan habe –, aber ich kann dort keine personellen und strukturellen Entscheidungen treffen.
Knörr: Ich habe in meinen Abteilungen (Eigenbetrieb Abfallwirtschaft sowie Schule, Kultur und Sport) keinen Servicemangel feststellen können. Wenn es Probleme gab, bin ich sofort mit hinzugezogen worden und habe versucht, diese umgehend zu klären. Generell halte ich es für die Motivation und das Selbstverständnis der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen äußerst bedenklich, alle unter den Generalverdacht des mangelnden Services zu stellen.
Was macht der zukünftige Landrat/die zukünftige Landrätin, um die Atmosphäre innerhalb der Kreisverwaltung zu verbessern?
Staßen: Es ist entscheidend, den Mitarbeitern aktiv zuzuhören, ihre Anliegen ernst zu nehmen und einen modernen Arbeitsplatz zu schaffen. Es muss eine Kultur des Vertrauens und der Wertschätzung geschaffen werden. Ich werde transparent kommunizieren und die Mitarbeiter in Entscheidungsprozesse einbeziehen, um ein Gefühl der Mitgestaltung und Zugehörigkeit zu schaffen.
Knörr: Ich werde für bessere Arbeitsbedingungen wie mobiles Arbeiten und flexiblere Arbeitszeiten sorgen. In den Kreishaus-Neubau würde ich gerne in Zusammenarbeit mit der Stadt Schifferstadt eine Betriebskita integrieren sowie Sportmöglichkeiten schaffen. Last but not least wird es eine Feedbackkultur geben, die fest integriert werden soll, sowie eine Vertretungsregelung, die auch entlastend wirken soll und kann.
Marohn: Ich werde die Bezahlung einiger Stellen an die in den Nachbar-Landkreisen geltende Vergütung – teilweise Erhöhung um eine Lohngruppe – anpassen. Mit der Stadt Ludwigshafen werde ich über die Nutzung einer nahe liegenden Freifläche verhandeln, um das Parkplatzproblem am Kreishaus zu lösen, oder einen Pendelbus zu einem entfernteren Parkplatz einrichten. Bei besonders herausfordernden Verwaltungsstellen (Ausländerbehörde, KFZ-Zulassung, Bauverwaltung) werde ich bereits angestellte Verwaltungsmitarbeiter zusätzlich qualifizieren, damit diese als Vertretung einspringen können oder auf diesen Stellen regelmäßig im Wechsel tätig werden. Vertretungsarbeit und Mehrarbeit werde ich stärker würdigen und belohnen.
Kuhn: Eine gute Arbeitsatmosphäre gelingt durch gute Führung: Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Raum geben, damit sie ihr Talent entfalten und auch mal neue Ideen ausprobieren können. Es ist essenziell, sie wertzuschätzen und zu motivieren. Außerdem braucht es gute Standortfaktoren für einen attraktiven Arbeitsplatz: Homeoffice ermöglichen, eine moderne IT-Ausstattung und betriebliches Gesundheitsmanagement gewährleisten sowie mit einem klaren Projekt- und Wissensmanagement Arbeitsprozesse effizienter gestalten.
Paul: Für eine angenehme und produktive Arbeitsatmosphäre zu sorgen, ist Teil der Führungskultur. Ich würde als Landrat erst einmal erheben, was die Mitarbeiter sich wünschen, erwarten oder konkret vermissen. Das geht am besten durch eine vertrauliche Erhebung eines externen professionellen Beraters. Es soll kein Mitarbeiter die Befürchtung haben, dass ihm seine Antworten krummgenommen werden. Zudem ermöglicht die Digitalisierung nach erfolgreicher Umsetzung die Entlastung von Routinetätigkeiten.
Wie sollen die geplanten höheren Gehaltsstufen der Kreismitarbeiter finanziert werden? Soll/Muss die Kreis-Umlage steigen und wie wollen Sie das gegenüber den Kreis-Kommunen rechtfertigen?
Staßen: Die Bezahlung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist von den Vorgaben des Tarifvertrages für den öffentlichen Diensts abhängig. Darauf hat die Kreisverwaltung keinen Einfluss, sie muss sich an die gesetzlichen Vorgaben halten. Eine gute haushaltärische Planung berücksichtigt immer tarifliche Steigerungen. Ziel muss es sein, die Kreis-Umlage stabil zu halten, um die Kommunen nicht noch weiter zu belasten.
Knörr: Die Stellen werden nach den vorliegenden Stellenbewertungen nach TVöD bezahlt. Eine Abweichung davon ist nicht möglich, es sei denn, es kämen weitere Aufgaben bei der entsprechenden Stelle hinzu, was zu einer Hochstufung führen würde. Weiterhin existiert ein Stellenplan, an den wir uns halten müssen. Eine weitere Belastung durch eine Erhöhung der Kreis-Umlage ist somit vorerst nicht zu erwarten.
Marohn: Die Angleichung der Lohngruppen an die Nachbar-Landkreise ist dringend erforderlich, damit wir im Wettbewerb qualifizierte Mitarbeiter motivieren und damit die bürgernahen Dienstleistungen der Kreisverwaltung sicherstellen. Die Finanzierung erfolgt aus dem Haushalt. Wenn wir die Anmietung des Kreishauses für monatlich 29,50 Euro pro Quadratmeter absagen und stattdessen einen Neubau planen, können die Ausgaben des Kreises um zirka 1,5 Millionen Euro pro Jahr gesenkt werden. Ein Teil dieser Ersparnis dient dann zur Finanzierung der höheren Lohngruppen. Eine Erhöhung der Kreis-Umlage lehne ich ab.
Kuhn: Gleich zu Beginn dieser Wahlperiode hat der Kreistag ein Organisationsgutachten auf den Weg gebracht, um die Verwaltungsstruktur nach Effizienz zu bewerten. Sobald die Ergebnisse vorliegen, brauchen wir eine Diskussion darüber, wie wir unsere Verwaltung effizient und gleichzeitig attraktiv für die Zukunft aufstellen. Der Vorschlag von höheren Gehaltsstufen für Mitarbeitende muss in einem Gesamtkonzept mit weiteren Maßnahmen zur Arbeitsplatz-Attraktivität diskutiert und dann abgewogen werden. Ziel muss ebenso sein, den Kommunen Planungssicherheit zu geben.
Paul: Das kommt auf die Haushaltslage insgesamt an. Bevor über eine Erhöhung nachgedacht wird, muss erst einmal nach Einsparpotenzialen gefahndet werden. Und da sehe ich einiges, bei dem man den Rotstift ansetzen könnte. Zugespitzt gesagt: Schaufensterpolitik, die wenig bringt und nur in Hochglanzbroschüren gut aussieht, sollte eingespart werden. Darüber hinaus: Eine kreative und ambitioniertere Wirtschaftsförderung muss dafür sorgen, dass langfristig erheblich mehr Gewerbesteuer im Kreis generiert wird.
Der Rhein-Pfalz-Kreis ist der Gemüsegarten Deutschlands. Mit welchen Maßnahmen wollen Sie sicherstellen, dass für die Produktion von Nahrungsmitteln immer ausreichend Wasser vorhanden ist?
Staßen: Hierzu ist eine enge Zusammenarbeit mit den Gewässerzweckverbänden und dem Beregnungsverband notwendig, um eine effiziente Nutzung und Verteilung der Wasserressourcen zu gewährleisten. Zudem müssen wir es schaffen, dass Landwirte klimatische Anpassungsmaßnahmen umsetzen, um den Wasserbedarf in Anbetracht sich verändernder Wetterbedingungen zu optimieren und die landwirtschaftliche Produktion zu sichern. Der Zivil-, Brand- und Katastrophenschutz spielt ebenfalls eine zentrale Rolle, indem er Strategien zur Risikominderung und Notfallvorsorge entwickelt, um bei extremen Wetterereignissen die Wasserversorgung für die Landwirtschaft zu gewährleisten.
Knörr: Durch unseren Beregnungsverband haben wir ein privilegiertes Mittel, den Gemüsebau im Rhein-Pfalz-Kreis zu betreiben. Nachhaltige Versickerungsmethoden in der Dorf- und Stadtentwicklung garantieren langfristig eine Erholung beziehungsweise Versorgung der Grundwasserströme.
Marohn: Es ist zwischen Trinkwasser und Beregnung der Landwirtschaft zu unterscheiden. Beim Trinkwasser für die Bevölkerung gibt es derzeit bereits Überlegungen und Berechnungen neben dem Grundwasser zirka 20 Prozent des benötigten Trinkwassers aus dem Rhein zu gewinnen. Das Wasser für die Landwirtschaft wird über den Beregnungsverband Vorderpfalz gewonnen und verteilt. Hier ist es bereits seit Jahren so, dass das Wasser aus dem Altrhein entnommen und auf die Felder gepumpt wird. Wasser muss zudem zur Vorsorge von Trockenperioden zurückgehalten und gespeichert werden.
Kuhn: Mit dem Beregnungsverband Vorderpfalz haben wir ein zentrales Instrument zur Nutzung von Altrheinwasser für die Landwirtschaft. Es wird darauf ankommen, dieses Instrument auszubauen und für die Zukunft und den steigenden Wasserbedarf gut aufzustellen. Auch die Gemeinden können mehr tun, um wassersparend zu haushalten: Hier besteht die Chance, das Konzept der Schwammstadt beziehungsweise Schwammgemeinde stärker zu etablieren, indem Gemeinden unter anderem Regenwasser speichern und nutzbar machen. Der Kreis kann die verschiedenen Akteure koordinieren und bei der Nutzung von Fördermitteln unterstützen.
Paul: Bei dieser Aufgabe müssen einige Faktoren berücksichtigt werden. Man muss zum Beispiel die Frage beantworten, ob alle Wassersparpotenziale schon gehoben worden sind – die Landwirte in Südspanien und Israel sind geradezu Pioniere auf dem Gebiet. Hier könnten natürlich auch Smartfarming-Lösungen zum Einsatz kommen, die dort bereits eine große Rolle spielen. Für Fördermittel und Impulse zu sorgen, wäre dann meine Aufgabe.
Wo wollen Sie finanzielle Mittel schwerpunktmäßig einsetzen - für was wollen Sie verstärkt Geld ausgeben?
Staßen: Investitionen in Bildung und soziale Dienste, insbesondere für Familien, Senioren und Menschen mit Behinderungen, sind entscheidend für die Zukunft und werden, aufgrund der kommunalen Pflichtaufgaben, den größten Teil des Haushaltes einnehmen. Mir ist es auch wichtig, einen effektiven Katastrophenschutz und eine gute Infrastruktur zu gewährleisten, wobei der Klima- und Umweltschutz immer im Vordergrund stehen sollte.
Knörr: Primär möchte ich den Rhein-Pfalz-Kreis als Bildungslandkreis weiter ausbauen, sprich verstärkte Investitionen in den Schulbau, die Volkshochschule sowie die Kreismusikschule. Zweitens möchte ich uns fit machen für den Katastrophenfall: Hier gilt es, das Katastrophenschutzzentrum aufzubauen, zwei hauptamtliche Brand- und Katastrophenschutzinspekteure einzustellen und die Ausrüstung immer up to date zu halten. Last, but not least wird die Bürgerfreundlichkeit, Erreichbarkeit und Digitalisierung durch Schulungen, Ausbau der Infrastruktur sowie multiprofessionelle Bürgerbüros von mir verstärkt unterstützt.
Marohn: Als Landrat werde ich insbesondere den Schwerpunkt bei Kindergarten und Schule setzen. Konkret werde ich den Kreis-Zuschuss für den Kita-Neubau von derzeit 40 Prozent erhöhen und die Kreisgemeinden stärker unterstützen, Kita-Neubauten oder Umbauten zu finanzieren. Ganztags-Kita-Plätze sind eine Voraussetzung für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auf der Einnahmenseite werde ich mich als Unternehmer verstärkt um die Wirtschaft und Expansion/Ansiedlung von Unternehmen kümmern, wodurch Steuereinnahmen gesichert werden.
Kuhn: Die zentralen Aufgaben sehe ich akut in einer digitalen, zuverlässigen Verwaltung, starken Familien und mehr Hochwasser- und Katastrophenschutz. Eine Priorisierung sehe ich vor allem in der Modernisierung der Verwaltung – mehr digitale Verwaltungsdienste und Tools, attraktive Arbeitsplätze. Ebenso, um Zuschüsse für den Bau von Kitas zu sichern und um mehr Sozialarbeit und Sprachförderung an Kitas zu etablieren. Und drittens, um den notwendigen Hochwasser- und Katastrophenschutz weiter zu stärken.
Paul: Ich würde verstärkt Geld ausgeben für die Ausstattung der Schulen, die näher an das Wirtschaftsleben herangeführt werden sollen. Sie sollten zu Messen der hier ansässigen Unternehmen werden und zum Beispiel mit Simulatoren und einer besseren IT-Infrastruktur, die spielerisch eingesetzte KI-Prozesse unterstützt, ausgestattet werden. Zudem würde ich ein Zentrum für junge Gründer aus Schulen, Hochschulen und Unternehmen aufbauen, in dem diese Arbeitsplätze mit schnellem Internet sowie rechtliche und betriebswirtschaftliche Beratung bekommen.
Was wollen Sie dafür tun, dass ausreichend bezahlbarer Wohnraum im Kreis zur Verfügung steht?
Staßen: Der Kreiswohnungsverband stellt aktuell nur 1700 Wohnungen zur Verfügung, was angesichts der hohen Einwohnerzahl mehr als unzureichend ist, zumal in den letzten 30 Jahren lediglich 100 Wohnungen hinzugekommen sind. Um den Wohnungsbau zu fördern, muss der Kreiswohnungsverband intensiver mit den Kreisgemeinden zusammenarbeiten, um Grundstücke über das Erbbaurecht zu akquirieren, und die modulare Bauweisen bevorzugen, um die Baukosten zu senken. Zudem müssen die bestehenden Fördermöglichkeiten des Landes und Bundes für den sozialen Wohnungsbau besser genutzt werden, während die Sanierung des bestehenden Wohnungsbestands weiterhin wichtig bleibt.
Knörr: Unser Kreiswohnungsverband mit seinen 20 Mitarbeitenden muss personell und finanziell – eventuell durch eine Erhöhung der Einlagen – gestärkt werden, um seiner Aufgabe gerecht zu werden. Ich werde verstärkt mit den Gemeinden in den Dialog treten, um Grundstücke für Wohnbauprojekte zu akquirieren.
Marohn: Der Kreiswohnungsverband muss wieder verstärkt in Neubau-Wohnungen investieren. Die Investitionen sind aufgrund mangelnder Zuschüsse, hoher Materialkosten und hoher Zinsen zurückgefahren beziehungsweise eingestellt worden. Das werde ich ändern! Die benötigten Grundstücke für die Neubauprojekte sollen von den Kreisgemeinden im Rahmen der Erbpacht zur Verfügung gestellt werden.
Kuhn: Im Rhein-Pfalz-Kreis brauchen wir dringend mehr bezahlbaren Wohnraum, konkret mehr Wohnungen. Der Kreiswohnungsverband ist dafür ein zentrales Instrument, der noch deutlich mehr machen kann. Ich schlage einen Wohnraum-Koordinator vor, der die Leerstände, freie Wohnbau-Grundstücke und den Wohnraumbedarf genau im Blick hält und sich mit den Gemeinden eng abstimmt. Auch neue Wohnformen wie Mehrgenerationenhäuser und Senioren-WGs kann der Kreiswohnungsverband in sein Angebot aufnehmen.
Paul: Zunächst müssen Bauanträge und Nutzungsänderungsanträge schneller beschieden werden. Bürger und Unternehmer bauen nur, wenn die Rahmenbedingungen gut sind. Hier müssen viele Prozesse, die die Kreisverwaltung beeinflussen kann, auf den Prüfstand gestellt werden.
Welche Maßnahmen ergreifen Sie für den Naturschutz?
Staßen: Ich werde unser Klimaschutzkonzept regelmäßig aktualisieren und den Ausbau von Windkraft und Photovoltaik, vor allem auf den kreiseigenen Gebäuden, fördern. Es gilt aber auch, eine effiziente und kostengünstige Abfallwirtschaft zu halten, um die Umweltbelastung zu minimieren. Des Weiteren möchte ich nachhaltige Projekte im Bereich Naturschutz, Gewässermanagement und Luftreinhaltung fördern und die Bevölkerung für Umweltthemen durch Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit sensibilisieren.
Knörr: Ich setze mich ein für eine nachhaltige Energiegewinnung und für die Förderung von nachhaltigem Bauen. Ich würde die Eh-da-Flächen kreisweit bekannt machen und somit ausweiten. Für Baumaßnahmen werde ich ökologisch wertvolle Ausgleichsflächen schaffen.
Marohn: Die Ausgleichsflächen für derzeit ausweisbare Wohn- und Gewerbegebiete im Landkreis sollen naturschutzrechtlich höher aufgewertet werden. Wir erhalten dadurch qualitativ bedeutendere Flächen für den Natur- und Artenschutz.
Kuhn: Die Untere Naturschutzbehörde bei der Kreisverwaltung braucht eine deutlich bessere personelle Ausstattung, um den wichtigen Naturschutzaufgaben nachzukommen. Diese liegen vor allem in der Kontrolle von Ausgleichsflächen, damit dort tatsächlich Flächen naturbelassen bleiben, genauso wie in der Planung und Pflege von bestehenden Naturschutzflächen. Wir brauchen im Kreis besser vernetzte Biotope und eine Aufwertung, zum Beispiel des Limburgerhofer Bruchs. Ich sehe perspektivisch auch die Möglichkeit für Grünbrücken über die A61 und über die B9.
Paul: Ich bin ein großer Freund von mehr Aufforstung beziehungsweise entsprechender Förderung. Wir haben in einigen Gemeinden bereits einmal durchgespielt, welche Ökobilanz sich bereits aus der Pflanzung von 100 oder 1000 Bäumen ergeben würde. Diese fiel in jeder Hinsicht überraschend positiv aus.
Wir leben in einer der heißesten Regionen Deutschlands. Welche Maßnahmen zum Hitzeschutz gehen Sie an?
Staßen: Der Landkreis muss seine zur Verfügung stehenden Flächen wie Straßenränder und Grünflächen optimal mit Bäumen und Sträuchern bepflanzen, damit diese als Schattenspender fungieren. Dazu möchte ich Informationskampagnen durchführen, um die Bürger über Hitzeschutzmaßnahmen und Verhaltensweisen bei Hitzewellen aufzuklären, sowie Notfallpläne entwickeln, um besonders gefährdete Gruppen zu schützen.
Knörr: Ein Hitzeschutz kann nur in Kooperation mit den Gemeinden, sprich, mit den jeweiligen Flächennutzungsplänen abgestimmt werden. Hier würde ich als Kreis, der den Überblick über diese Pläne hat, mit den Gemeinden sowie den Klimaschutzmanagern in einen Dialog treten.
Marohn: Die Maßnahmen des Klimaschutzes sind bekannt und werden von mir unterstützt! Als Landrat kann ich zudem den Hitzeschutz insbesondere in kommunalen Gebäuden und Liegenschaften verbessern. Schulen, Kindergärten, Verwaltungsgebäude sind schrittweise mit Hitzeschutz wie Jalousien, Klimageräten und Wärmepumpen auszustatten. Entsprechende Maßnahmen sind bereits eingeleitet.
Kuhn: Der Kreis kann ganz konkret bei seinen Gebäuden wie den weiterführenden Schulen, den Kreisbädern und weiteren Verwaltungsgebäuden selbst Hitzeschutzmaßnahmen wie Möglichkeiten zur Beschattung, mehr Grünflächen und Trinkwasserbrunnen schaffen. Auch bei diesem Thema kann der Kreis Gemeinden vernetzen und bei der Verwendung von Fördermitteln für Klimafolgenanpassung unterstützen, etwa über die gemeinsame Mitgliedschaft beim Kommunalen Klimapakt RLP.
Paul: Kinder und Senioren sind von Hitze am meisten betroffen, in den entsprechenden Einrichtungen sollte Konzepte erstellt werden. In einigen Städten und Landkreisen hat sich gezeigt, dass bereits einige wenige Maßnahmen, die gar nicht kompliziert sind, für mehr Schatten und Kühlung sorgen. Das gilt im Übrigen auch für Betriebe. Hier kann der Landkreis organisatorisch unterstützen.
Schutzbedürftige Frauen finden im Kreis kein Frauenhaus. Wollen Sie eine solche Anlaufstelle im Kreis schaffen?
Staßen: Da mir der Schutz von Frauen und Kindern sehr wichtig ist, wurde, seit ich für das Jugendamt zuständig bin, zumindest schon einmal eine Schutzwohnung eingerichtet, in der wir auch schon mehrfach Mütter mit Kindern aufgenommen haben. Derzeit nutzen und unterstützen wir finanziell die Frauenhäuser in den Städten, denn Frauenhäuser müssen eine gewisse Anonymität haben, was in unseren dörflichen Strukturen eher schwierig ist. Die einzige Möglichkeit, die ich sehe, um ein anonymes Frauenhaus einzurichten, wäre in Schifferstadt und sollte in den Gremien diskutiert werden.
Knörr: Diese Maßnahme muss globaler gesehen werden! Ich denke, dass es bei einem Frauenhaus auf eine interkommunale Zusammenarbeit ankommt. Hier setze ich mich ein für eine Abstimmung mit den umliegenden Städten und Kreisen, um gemeinsame Lösungen zu finden.
Marohn: Der Landkreis hat zirka 300 Quadratkilometer Fläche und zwischen dem nördlichen Teil (Bobenheim-Roxheim) und dem südlichen Teil (Römerberg) liegen zirka 45 Kilometer. Die Entfernungen im Landkreis sind sehr groß und die Erreichbarkeit der Frauenhäuser in Ludwigshafen, Frankenthal und Speyer je nach Wohnort im Landkreis schneller und besser. Ich unterstütze deshalb lieber die bestehenden Frauenhäuser in den drei Städten, als ein eigenes Frauenhaus im Landkreis aufzubauen.
Kuhn: Der Schutz von Frauen vor Gewalt muss stärker angegangen werden, von Politik und Gesellschaft. Dafür finanziert der Kreis soziale Träger, um auch für Frauen Beratung und Hilfe zu gewährleisten. Während die umliegenden Städte ihre Beratungs- und Unterstützungskapazitäten kontinuierlich ausgebaut haben, blieben die Zahlen bei uns im Kreis gleich. Wir müssen genau schauen, wo der Bedarf ist und wie wir diesen decken können. Je nachdem sehe ich ein Frauenhaus im Kreis als möglich an – auch dank Fördermittel vom Land.
Paul: Hier muss mit anderen Kreisen, Ludwigshafen und den Amtskirchen stärker zusammengearbeitet werden, um eine größere Anlaufstelle mit Wohn- oder Übernachtungsmöglichkeiten zu schaffen oder mehr Plätze regional anbieten zu können.
Wie kommt man mit dem ÖPNV nach Schifferstadt zum neuen Kreishaus? Es gibt nur von sehr wenigen Gemeinden aus eine direkte Verbindung nach Schifferstadt.
Staßen: Nach dem Umzug des Kreishauses nach Schifferstadt gilt es für mich die Voraussetzungen so zu schaffen, dass der ÖPNV an die neuen Bedingungen angepasst wird und dass man von allen Kreisgemeinden nach Schifferstadt kommt.
Knörr: Fast alle unsere Bus- und Straßenbahnverbindungen führen an Bahnhaltepunkten vorbei. Hier muss dann vom Bus auf die Bahn umgestiegen werden. Ich sehe in den nächsten zehn Jahren eher das Problem, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln an das Kreishaus nach Ludwigshafen zu kommen.
Marohn: Der Landkreis ist für den ÖPNV zuständig und als Landrat werde ich dafür sorgen, dass ein neues Kreishaus – egal wo es gebaut wird – ausreichend an den ÖPNV angebunden ist. Die Unterstellung, dass eine gute ÖPNV-Anbindung nur auf dem jetzt ausgewählten Gelände (der Firma Heberger) am Bahnhof in Schifferstadt möglich ist, teile ich nicht. In der Frage wird bereits darauf hingewiesen, dass die direkten Verbindungen nach Schifferstadt unzureichend sind.
Kuhn: Unsere ÖPNV-Verbindungen orientieren sich aktuell stark an den umliegenden Städte und sind weniger zwischen den Gemeinden ausgebaut. Die Grüne-Fraktion im Kreistag setzt sich schon lange dafür ein, mehr Bus-Querverbindungen zwischen Gemeinden zu schaffen. Der neue Verwaltungssitz ist ein Anreiz, mehr Busverbindungen Richtung Schifferstadt zu schaffen – auf Basis einer validen Potenzialanalyse. Darüber hinaus ist meine Idee, dass der Rhein-Pfalz-Kreis sich zusammen mit dem VRN und einem Dienstleister zur Modellregion für On-Demand-Mobilität entwickelt, also flexiblere Ruf-Fahrdienste einrichtet, vor allem für die Strecken, wo sich Buslinien finanziell nicht lohnen oder wo es in Randzeiten kein Busangebot gibt.
Paul: Das muss sich mit der Eröffnung natürlich ändern, weil das Kreishaus auch ein gesellschaftlicher Mittelpunkt sein soll.