Meinung
Landratsabschied: Von der Kanalisation bis jetzt
Für Clemens Körner beginnt in wenigen Tagen ein neuer Lebensabschnitt. Der Christdemokrat, 16 Jahre lang als Landrat Regent des Rhein-Pfalz-Kreises, geht in den Ruhestand. Am 14. November ist Amtsübergabe, am 18. November ist Körners letzter Arbeitstag, ab 19. November übernimmt sein Parteifreund Volker Knörr die Amtsgeschäfte.
Ja wie? Das war’s jetzt? Nie wieder Körner im „Land und Leute“? Nein, selbstverständlich nicht. Das würde sich für uns auch nicht richtig anfühlen. In dieser Woche hatte der scheidende Landrat die Pressevertreter, mit denen er in seiner Amtszeit Kontakt hatte, zum Essen eingeladen. Es war die Gelegenheit, sich noch einmal in ungezwungener Atmosphäre auszutauschen, abseits von Sitzungsformalitäten, ohne drängende Themen wie Haushalt, Flüchtlinge oder neues Kreishaus auf der Tagesordnung.
Es war die Chance, sich im Gespräch einfach mal treiben zu lassen, zu schauen, wohin die verbale Reise führt. Es war auch die Möglichkeit, sich an gemeinsame Erlebnisse zu erinnern. Jeder von uns, der sich in den vergangenen 16 Jahren mit den Geschehnissen im Rhein-Pfalz-Kreis beschäftigt hat, hat seine ganz eigenen Erfahrungen und wird den Dudenhofener immer mit ein, zwei bestimmten Themen oder Terminen in Verbindung bringen.
Meine persönliche Reise mit Clemens Körner begann im Sommer 2008. Körner war damals noch Bürgermeister der Verbandsgemeinde Dudenhofen, ich selbst frischgebackener Volontär bei der RHEINPFALZ und noch am Antesten, was journalistisch alles so geht. Wie es am Ende zu der Geschichte kam, kann ich nicht mehr sagen. Fest steht aber, dass sie sowohl dem bald Ex-Landrat als auch mir nachhaltig in Erinnerung geblieben ist. So sehr, dass Körner diese Geschichte in den vergangenen Jahren gerne zum Besten gegeben hat, sobald wir uns bei einem Termin getroffen haben und jemand anders dabei war, der sie noch nicht kannte. Immer wieder kam dann dieses schelmische Grinsen in Körners Gesicht, gepaart mit einem Glitzern in den stets wachen Augen.
In meinem Hinterkopf ist noch irgendwie verankert, dass wir damals in der Landredaktion in Speyer die Idee hatten, den Lesern zu erzählen, wie das mit der Abwasserentsorgung in der Verbandsgemeinde Dudenhofen läuft. Körner war sofort mit an Bord. Er machte die entsprechenden Gesprächspartner klar und war selbst mittendrin, statt nur dabei. Das war aus meiner Sicht eine der wesentlichen Eigenschaften des Regenten: Er hat viele Dinge für uns mitgemacht, bei denen er auch hätte sagen können, „danke, aber nein danke“. Und wir hätten es ihm auch nicht übelnehmen können.
Doch sein Naturell ist eben ein anderes. Und so zeigte er in diesem Sommer 2008 dem nicht mehr ganz so jungen Volontär Christian Treptow die Abwasserbeseitigung in der Verbandsgemeinde Dudenhofen. Der Höhepunkt war, als jeder von uns in einem weißen Plastikoverall steckte, gelbe Gummistiefel an den Füßen, Gummihandschuhe an und einen Schutzhelm auf dem Kopf hatte. Ab ging’s in die Kanalisation. Damit Sie sehen, dass das keine Fake News sind, habe ich das Beweisfoto beigefügt. Zum Abschluss, auch das gehört zu Clemens Körner, gab’s einen herzhaften Imbiss in der Kläranlage.
Danach trennten sich unsere beruflichen Wege jedoch. Für mich ging’s im Volontariat von einer Station zur nächsten. Körner wurde Landrat. Da führte uns das Schicksal wieder zusammen, als ich meine erste Redakteursstelle in der Kreisredaktion der Lokalredaktion Ludwigshafen antrat. Der Rest ist Geschichte.
Waren wir uns immer einig? Auf gar keinen Fall. Fanden wir immer alles gut, was im Kreishaus ablief? Nein. Umgekehrt war Körner bestimmt auch nicht immer glücklich mit dem, was wir geschrieben haben. Auch darüber haben wir diese Woche noch einmal gesprochen. Unterm Strich waren wir uns aber einig, dass wir die 16 Jahre mit allen Krisen ordentlich über die Bühne gebracht haben. Daher an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank für die gute Zusammenarbeit, Clemens Körner, und dass Sie auch außerhalb der Bürozeiten erreichbar waren, wenn die Hütte brannte, wir partout nicht mehr weiterwussten oder wir noch einen Gesprächspartner für eine Umfrage brauchten.
Und jetzt? Clemens Körner wird bald Ex-Landrat sein. Langweilig wird ihm nicht werden. Auch das wäre nicht er. Frau, Kinder, Enkel, CDU, ehrenamtliche Tätigkeit – er wird Betätigungsfelder finden. Und wenn die Langeweile doch zu groß wird: Wir freuen uns über jeden Freien Mitarbeiter. Kleiner Scherz. Alles Gute und viel Gesundheit. Machen Sie’s gut.