Rhein-Pfalz Kreis Land und Leute:
Die letzten Ratssitzungen eines Kalenderjahres haben ihren besonderen Reiz. Zum einen, weil da oft noch sehr gewichtige Dinge wie der Haushalt und andere größere Projekte beraten und beschlossen werden. Soll heißen: Die Sitzungen sind in der Regel recht lang, zum Teil hitzig und auf alle Fälle anstrengend. Und es gibt noch einen Grund, der solche Sitzungen zu etwas Besonderem macht: Danach treffen sich die Räte noch zum Plausch – bei ein paar Häppchen und einem kühlen Getränk. Man will sich bei aller politischen Konkurrenz einen schönen Jahresabschluss gönnen. Entsprechend gespitzt wurden die Ohren, als Mutterstadts Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD) am Dienstagabend den kurzen öffentlichen Sitzungsteil mit dem Hinweis auf das „Weihnachtspräsent“ für alle Räte beschloss. Die Blicke folgten Schneiders Zeigefinger. Da waren aber keine Häppchen oder Ähnliches zu sehen. Nein, Schneider meinte blaue Mappen, die in einem Einkaufswagen deponiert waren. Schneiders besondere Gabe zum Jahresabschluss war der Haushalt 2017. Den durften sich alle Ratsmitglieder mitnehmen. Sie können über die Feiertage im Zahlenwerk ganz besinnlich schmökern, damit der Gemeinderat ihn im Januar beschließen kann. Klingt zwar wenig festlich, aber sehr demokratisch. Was haben das Seebad Warnemünde und die fast 600 Jahre alte ehrwürdige Universität der Hansestadt Rostock mit Mutterstadt im Allgemeinen und mit Bürgermeister Hans-Dieter Schneider im Besonderen zu tun? Nichts – ganz genau. Dass der sozialdemokratische Ortschef dennoch mit leckerer Schokolade mit aufgedruckten Motiven aus Rostock aufwartete, ist aber nur auf den ersten Blick verwunderlich. Denn die Hansestadt-Süßigkeit diente nur als Anschauungsobjekt für etwas viel Besseres, was da noch kommen sollte: Mutterstadter Jubiläumsschokolade. Die gibt es inzwischen. So finden sich nun Darstellungen von Rathaus und Kirchen, Wasserturm und Palatinum aus Zucker auf feinster belgischer Schokolade. Die können sich die Mutterstadter zum 1250-jährigen Bestehen ihres Ortes im wahrsten Wortsinn auf der Zunge zergehen lassen. Schmeckt bestimmt viel besser als Rostock ... Roter Mantel, rote Mütze, rote Nase, weißer Rauschebart, dicker Bauch und ein gut gefüllter Jutesack. Wer ist es? Genau, der Nikolaus oder Weihnachtsmann oder Belzenickel, der diese Tage auf Weihnachtsmärkten, in Kitas und Wohnzimmern auftaucht. So einfach ist die Illusion vom gutmütigen Belzenickel. Eine Illusion, die für die Kleinsten magisch real ist. Sie sagen ein Gedicht auf und nicken ehrfürchtig und heftig, wenn der Heilige mit tiefer Stimme fragt: „Warst Du auch immer brav?“ Wie süß, seufzen Mama, Oma und Tante. Doch werden die Kleinen groß, wird es zunehmend schwieriger, den Mythos zu bewahren. Da nützt selbst die oskarreife Aufführung des Patenonkels wenig, der jovial den coolen Nikolaus gibt. Die Kinder haben ihren Spaß. Aber der Große schaut genauer hin. Und kaum ist der gute Mann verschwunden, werden Mama und Papa verhört: Warum hat der die gleichen Schuhe wie Onkel Daniel? Der Bart, der war ja gar nicht echt, oder? Die Eltern drucksen rum. Jede Antwort, etwa: wir haben ihn angerufen, führt zu weiteren Fragen. Hat der auch ein iPhone? Kann ich seine Nummer haben? Und die Eltern denken: Können sie nicht so klein und unschuldig bleiben? Wenigstens zu Weihnachten? |ax