Rhein-Pfalz Kreis Land und Leute

Es ist geradezu beeindruckend, wie es die Gemeinde Mutterstadt und ihre Lokalpolitiker geschafft haben, lange unbehelligt von „Land und Leute“ zu wirken. Doch bei der konstituierenden Sitzung des Gemeinderats hat sich der Ort gleich mehrfach um eine Erwähnung beworben, dem wir natürlich gerne nachkommen. Zum Beispiel mit der Tatsache, dass die Verwaltung jedem Ratsmitglied ein neues Kommunalbrevier, quasi die Pflichtlektüre jedes Kommunalpolitikers, mit an die Hand gegeben hat. Auch, wenn Bürgermeister Hans-Dieter Schneider betonte, erst mal keinen Test zu schreiben – so ganz ohne Hintergedanken hat die Verwaltung die Bücher nicht ausgeteilt. „Deshalb läuft’s in Mutterstadt auch so gut“, verriet eine Verwaltungsangestellte vor der Sitzung. Aha! Also doch. Die Tests gibt’s, sind dann bestimmt im nichtöffentlichen Teil unter „Verschiedenes“ versteckt. (tc) Ja, in Mutterstadt ist die Welt noch in Ordnung. Die Verwaltung sorgt sich rührend um die Ratsmitglieder. Nicht nur gnadenlos spannende Weltliteratur wird kostenlos verteilt. Es irrte bei der konstituierenden Sitzung am Dienstag kein Neuling im Ratssaal hilflos durch den Raum wie ein Jungtier auf der Suche nach der verlorenen Mutter im Dschungel. Nein, die Verwaltung hat sich fürsorglich darum gekümmert, dass jeder gleich wusste, wo er hingehörte. Mit Namensschildern auf jedem Platz. Das war fast wie bei einem großen Familienfest oder im Theater mit Platzkarten. Gut, für das komplette Theater-Gefühl fehlte der Heldentenor (obwohl sich Bürgermeister Hans-Dieter Schneider redlich mühte), auch die Arie einer Diva blieb aus. Großes Drama gab’s auch nicht. Aber die Legislaturperiode hat gerade erst begonnen. Geben wir dem neuen Ensemble noch Zeit, sich zu finden. (tc) Sie werden’s schon erraten haben, in Mutterstadt war’s am Dienstagabend eher entspannt. Zumindest im Ratssaal. Da konnte man als Journalist auch mal via Smartphone prüfen, wie es bei der Fußball-WM bei der Partie Belgien gegen Algerien steht. Drei Beigeordneten-Wahlgänge dauern. Und immerhin kommt aus der Gruppe das Opfer des künftigen Weltmeisters Deutschland im Achtelfinale. Unbeobachtet blieb das nicht. „Herr Treptow, wie steht’s?“, wollte Thorsten Leva wissen. „1:1. Noch ne Viertelstunde.“ Kurzes Nicken bei Leva. Fünf Minuten später – Kontaktaufnahme per Blick. „2:1.“ Daumen hoch bei Leva. Klar, dass der Sozialdemokrat am Schicksal der Belgier Interesse hat – schließlich sind die in Fußballkreisen auch als „Rote Teufel“ bekannt. (tc) Buddha hat sie angeblich schon vor mehr als 2500 Jahren gefunden: Erleuchtung. Seither bemühen sich viele, es dem Religionsstifter gleichzutun. Sollte das auch auf die Mitglieder des Maxdorfer Verbandsgemeinderats zutreffen? Immerhin bat Bürgermeisterin Marie-Luise Klein Ortsbürgermeister Werner Baumann: „Bitte erleuchten Sie uns!“ Sollte der Christdemokrat also seine Ratskollegen auf eine höhere Bewusstseinsebene führen oder gar den Grundstein für eine neue Weltreligion legen? Weit gefehlt. Denn manchmal sind die Dinge dann doch nicht so kompliziert. Hinter Kleins Worten verbarg sich keine religiös-mystische Aufforderung, sondern nur die simple Bitte, Baumann möge im dunkel werdenden Saal des Carl-Bosch-Hauses doch bitte das Licht einschalten. (mamü)