Bobenheim-Roxheim
Kurioses aus der Geschenke-Kiste: Schnecken aus Burgund
Die silbergraue Keramikschnecke stammt aus Frankreich und ist ein Gastgeschenk der Partnergemeinde Chevigny-St. Sauveur. Jetzt sitzt sie, umgeben von Steinen aus dem Atlantik, in einer Korbschale auf Manuela Lemsters Schreibtisch im Vorzimmer des Bürgermeisterbüros. Sie sei Symbol für das langsame Wachsen der Partnerschaft, die Steine verwiesen auf Schwierigkeiten und Probleme, die es immer wieder mal gebe und die man mit Bedacht und Beharrlichkeit lösen könne.
Manuela Lemster ist so etwas wie die Kuratorin der gemeindeeigenen Geschenkesammlung und als solche macht sie sich Gedanken über jedes einzelne Stück. Die Partnerschaft mit Chevigny-St. Sauveur in Burgund besteht seit 41 Jahren, und mit Jeßnitz im Kreis Bitterfeld ist die Altrheingemeinde seit 31 Jahren verbandelt. Materialisierte Zeugen dieser Freundschaften sind zahlreiche Mitbringsel, die – zwischen Kunst, Kitsch und Kuriosum angesiedelt – oft symbolisch und vielfältig interpretierbar sind.
„Beamtenschnecke“ thront auf dem Dach
Die kleine Schnecke auf Lemsters Schreibtisch hat übrigens Zuwachs bekommen: Ein Outdoor-Exemplar, etwa einen halben Meter hoch, thront mit Blickrichtung Büros auf einem Flachdach am Rathaus. „Beamtenschnecke“ lautet unbestätigten Gerüchten zufolge der inoffizielle Titel des Keramikobjekts.
Konkreter ist da schon die Tänzerin, 2005 zum 25. Jubiläum der Jumelage überreicht. Sie steht zuoberst auf der Vitrine im Besprechungsraum mit dem Namen Chevigny und tanzt einer Miniaturausgabe des Denkers von Rodin und einem stolzen gallischen Hahn auf der Nase herum. „Lebensfreude, Leichtigkeit, Savoir-vivre“, fällt der Verwaltungsmitarbeiterin dazu ein. Etwas kryptischer dagegen ist eine dreiköpfige Keramik. Die Gesichtszüge der Frauen verweisen auf Menschen aus unterschiedlichen Erdteilen. Das sei Symbol für die globalisierte Welt und dafür, dass die Partnerschaft im Kopf beginne, meint Lemster.
Wein, Käse und ein Rosenstock
Gastgeschenke erhalten die Freundschaft, sind Ausdruck guten Willens und beliebtes Motiv für Erinnerungsfotos, sei es das pittoreske Vogelhäuschen oder die abstrakte Edelstahlskulptur namens „L’Oiseau Lyre“, die kurzerhand zum Altrheinkranich umbenannt wurde. Allesamt Stücke für die museale Ewigkeit. Eine deutlich kürzere Lebensdauer dagegen hätten kulinarische Mitbringsel wie Wein oder Käse, verrät Lemster. Gastgeschenke landen also nicht immer als Staubfänger in Vitrinen.
Einige setzen auch draußen Akzente. Wie der Rosenstock, den Vertreter der ostdeutschen Partnergemeinde Jeßnitz vor dem Rathaus gepflanzt haben. Und der Gedenkstein auf dem Platz der Partnerschaften in der Nähe der Rheinschule legt Zeugnis ab vom Werden und Wachsen der Freundschaftsbande auf kommunaler Ebene. Ein zweites Besprechungszimmer im Bobenheim-Roxheimer Rathaus trägt den Namen Jeßnitz. Dort sollen demnächst alte Stadtansichten und die gesammelten Mitbringsel aus der ostdeutschen Partnergemeinde ausgestellt werden.
Und wie ist es momentan um die Gemeindepartnerschaften bestellt? „Seit Corona heißt es: Still ruht der See“, beschreibt Manuela Lemster die offizielle Funkstille. Zwar halte der französische Freundeskreis Kontakt, doch virtuelle Treffen hätten bislang nicht stattgefunden. Bleibt zu hoffen, dass bald wieder Gelegenheit sein wird, Schönes, Seltsames und Kurioses als Zeichen der Freundschaft auszutauschen.
Die Serie
Geschenke erhalten die Freundschaft und sollen an schöne Begegnungen und gute Zeiten erinnern. Manche Geschenke sind ungewöhnlich, kurios oder erzählen eine besondere Geschichte. Für unsere Serie haben wir sie in den Archiven und Verwaltungen der Gemeinden im Rhein-Pfalz-Kreis gesucht.