Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Kurioses aus der Geschenke-Kiste: Mit Keule, Kegel und viel Wodka

Was so martialisch aussieht, ist ein Geschenk aus Polen: Bürgermeister Hans-Dieter Schneider mit einer Auswahl aus der „Geschenk
Was so martialisch aussieht, ist ein Geschenk aus Polen: Bürgermeister Hans-Dieter Schneider mit einer Auswahl aus der »Geschenke-Kiste«.

Mit den Geschenken, die die Gemeinde Mutterstadt in all den Jahren bekommen hat, könnte Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD) einen martialischen bis schräg-komischen Auftritt hinlegen. Und mit den alkoholischen Präsenten könnte theoretisch die Hemmschwelle dafür auch schnell sinken.

Einschlägig war die Erfahrung einiger Ratsmitglieder mit dem Wodka, mit dem die Partnerschaft zwischen dem polnischen Praszka und Mutterstadt im Jahr 2002 reichlich besiegelt wurde. Der Bürgermeister erinnert sich genau, als er eine dieser besonderen Wodka-Flaschen aus seinem Schrank holt – Ähren sind ins Glas gepresst, darauf ein stolzer Stier und in dem leicht gelblichen Getränk wird eine echte Ähre konserviert. Nachdem die Tinte unter dem Partnerschaftsvertrag getrocknet war, war die Mutterstadter Delegation – damals noch unter der Führung von Schneiders Vorgänger Ewald Ledig – zum Essen eingeladen. Ganz unscheinbar wirkten die Gläser zu jedem Gedeck, die nicht, wie Schneider damals vermutete, für Wasser, sondern für Wodka waren. Der Dolmetscher riet ihm, zu diesem nur, und wirklich nur Wasser zu trinken.

Der Alkohol floss reichlich und er hielt sich an den Rat, drei Ratsmitglieder – deren Namen der Bürgermeister verständlicherweise nicht preisgibt – aber nicht. Schneider beschreibt es in seiner gewohnt diplomatischen Weise: „Die drei waren in den kommenden zwei Tagen in ihrer Einsatzfähigkeit etwas eingeschränkt.“ Dann schmunzelt er schelmisch.

Viel Wodka

Der Wodka blieb aber nicht nur bei ihnen in bleibender Erinnerung. „Er schmeckt wirklich sehr gut, ist mild und angenehm zu trinken“, erzählt der Bürgermeister. Und darum wurde er zum Evergreen unter den Mitbringseln aus Praszka. Wann auch immer die Mutterstadter dorthin oder die Polen in die Pfalz kommen – ein paar Flaschen Wodka sind stets im Gepäck dabei.

Einschlägig könnte auch das Prachtstück der Geschenke-Sammlung sein, das ebenfalls die Freunde aus Praszka in den ersten Partnerschaftsjahren mitgebracht hatten: Eine reich verzierte Holzkeule mit rundem Kopf, der gespickt ist wie ein Morgenstern. „Leider wissen wir nicht mehr, was diese Keule zu bedeuten hat“, sagt Schneider. Auch ein Anruf in Polen brachte keine Aufklärung. Lange Zeit hat diese im Besprechungszimmer der Gemeindeverwaltung gehangen, wie ein Damoklesschwert mahnte es so vielleicht dem ein oder anderen Sitzungsteilnehmer, seine Streitlust im Zaum zu halten, scherzt der Bürgermeister. Seit einer Renovierung wurde es aber im Archiv aufbewahrt. Und als Schneider es für den Artikel von dort wieder hoch zu sich ins Bürgermeister-Zimmer geholt hatte, „wurde ich gefragt, ob ich mich jetzt bewaffnet hätte“. Einige Tage zuvor war er bei einer Kreistagssitzung von einem AfD-Mitglied angegriffen worden. Schneider versucht es, mit Humor zu nehmen.

Dann zeigt er ein kleines Holzhäuschen – auch ein Geschenk aus Polen. Es hat im Dach einen Schlitz wie bei einer Spardose. „Es soll dafür sorgen, dass wir immer genug Geld haben“, erzählt Schneider. „Und schaut man auf die Gemeinde-Finanzen, ist es uns bisher fast immer gelungen.“ Solche außergewöhnlichen Geschenke freuen ihn besonders und sie finden auch einen Ehrenplatz. So zeigt er einen zweifarbigen, tönernen Krug – ein Geschenk von der Maudacher Ortsvorsteherin. „Es ist eine Nachbildung eines Kruges, der aus dem 4. Jahrhundert nach Christus stammt und am Ortsausgang Maudach Richtung Mutterstadt gefunden wurde.“

Dreckschipp und Besen

Nicht ganz so alt, aber ebenfalls ein außergewöhnliches Geschenk ist der Kegel, den der ortsansässige Kegelverein mit einer Gravur versehen hat und der Gemeinde zum Ortsjubiläum, 1250 Jahre Mutterstadt, geschenkt hat. „Sehr kreativ ist auch alle Jahre unser Karnevalverein“, sagt Schneider und holt einen Bauarbeiterhelm mit der Aufschrift „Bob der Baumeister“ hervor. Als solcher musste er dann auch die Büttenrede halten, das Thema war die Ortskernsanierung. Und in einem anderem Jahr haben ihn die Geeßtreiwer mit einer Dreckschipp samt Handbesen aufgefordert, es doch bitte mit der Reinigung der Straßen im Ort etwas genauer zu nehmen. Auch die hat der Bürgermeister aufgehoben wie auch all die anderen Präsente. Die meisten lagern im Archiv der Gemeinde, es sind Bücher, Bildbände, Bilder, Teller oder Tassen.

Einen Bildband von Mutterstadt verschenkt der Bürgermeister selbst auch gern an Delegationen, Gäste oder Geehrte. „Es ist auch gar nicht so einfach, etwas Außergewöhnliches mit regionalem Bezug zu finden. Es gibt ja nichts Typisches aus Mutterstadt, wie zum Beispiel Schifferstadt seinen Goldenen Hut hat“, sagt er. Darum verschenke die Gemeinde am liebsten ein edel geschliffenes Dubbeglas, eben etwas typisch Pfälzisches, das auch noch eine schöne Geschichte hat. Und hofft auf einen ebenfalls einschlägigen Eindruck.

Die Serie

Geschenke erhalten die Freundschaft, schaffen Verbundenheit und sollen erinnern – an schöne Begegnungen und vielleicht auch an Zeiten, die so nie wieder kommen. Manche Geschenke sind ungewöhnlich, kurios oder erzählen eine besondere Geschichte. Für unsere Serie sind wir auf Spurensuche in den Gemeindearchiven- und -verwaltungen gegangen – und sind fündig geworden.

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