Mutterstadt Kulturelle Höhepunkte von Mutterstadt in 360°-Ansicht

Start des Projekts KuLaDig in Mutterstadt: (von links) Schirmherr und Bürgermeister Thorsten Leva, Florian Weber, Michael Cerans
Start des Projekts KuLaDig in Mutterstadt: (von links) Schirmherr und Bürgermeister Thorsten Leva, Florian Weber, Michael Ceranski, Micheal Hemberger, Christina Wolf, Robert Liebhart.

Ein neues Projekt ermöglicht den virtuellen und kulturellen Rundgang durch Mutterstadt. Videos, Musik und Drohnenflüge machen die Vergangenheit lebendig.

Einen Rundgang durch Mutterstadt unternehmen, dabei auf unterhaltsame Weise alles Wissenswerte über die wichtigsten Gebäude und Gedenkstätten erfahren, das Ganze von der Couch aus und ohne das Haus verlassen zu müssen? Von nun an kein Problem. Nötig ist nur ein digitales Endgerät. Wie Vergangenheit damit plötzlich bequem virtuell erleb- und gar begehbar wird, wurde vom Historischen Verein der Pfalz, Ortsgruppe Mutterstadt, unter Schirmherrschaft von Mutterstadts Bürgermeister Thorsten Leva (SPD) nun der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das zuständige Team für das Projekt präsentierte die zwölf multimedial zu entdeckenden Stationen. Förderung und Unterstützung gab es vom Institut für Kulturwissenschaften der Universität Koblenz, durch das KuLaDig-Kompetenzzentrum bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd, vom Innenministerium des Landes Rheinland-Pfalz sowie von der Gemeinde Mutterstadt. Die gesamte finanzielle Förderung beträgt rund 5000 Euro.

Federführend in der Sache waren und sind Gemeindearchivarin Christina Wolf, Michael Hemberger, Pressesprecher der Gemeinde, sowie Robert Liebhart und Michael Ceranski vom Historischen Verein. Sie haben die Informationen, basierend auf der Ortschronik zur 1250-Jahr-Feier im Jahr 2019, recherchiert und zusammengetragen. Ansprechpartner vonseiten der Uni Koblenz war Florian Weber. „Es wurde akribisch und sehr ernsthaft vorgearbeitet“, zeigte sich dieser beeindruckt. Mutterstadt sei eine der 62 Modell-Kommunen, die bislang ausgewählt wurden.

Interviews, Musik, Geschichten

Michael Ceranski demonstrierte die praktische Anwendung. Das Team habe sich, wie er erzählte, in die Drohnenansicht verliebt. Auf den digitalen Luftaufnahmen sind Pfeile, denen man durch Anklicken folgen kann und durch die man an Stellen von Mutterstadt gelangt, die man normalerweise nicht so einfach zu Gesicht bekommt. Videosymbole verweisen gleichzeitig auf Interviews, erklären oder spielen musikalische Elemente ein, Fotos sind hinterlegt. Der evangelische Pfarrer Heiko Schipper führt mit Barett-Hut in seinen Glockenturm. Es ertönt der Glockenklang oder das Orgelspiel von Stefan Franz. In der katholischen Kirche darf man Bernd Albert lauschen. Ex-Bürgermeister Ewald Ledig (FWG) erzählt auf Knopfdruck von seiner Schulzeit in der „Hoffmann-Schule“. Und sein Nachfolger Hans-Dieter Schneider (SPD) von seinen Wohnstraßen Quetsche- und Schnoogegässl, seiner Kindergartenzeit in zwei konfessionellen Kindergärten und warum er glaubt, dass ihm das bei seiner späteren Wahl zupass kam.

Zeitreise zurück

Zeitzeugin Irmgard Metzger beschreibt den Horror des Tages, an dem 1938 die alte Synagoge niederbrannte, und Gertrud Wentz, wie sie beinahe versehentlich deportiert wurde. Ernst Bohlig, den vermeintlich stärksten Mann der Welt, kann man auf einem Bild beim Stemmen von Gewichten bewundern. Von Birgit Bauer, der Leiterin der Gemeindebibliothek, erfährt man, dass die Bücherei 1961 in der Wartehalle des ehemaligen Lokalbahnhofs eingerichtet war.

Die Brezelfrau auf dem alten Bahnhof wird durch die Stimme von Eve Gadomski von der Uni Koblenz wieder zum Leben erweckt. Sie hat zusammen mit Feenja Tscheulin die meisten Videos gedreht. Nach Überlieferungen hat Künstler Michael Kunz eine Bleistiftzeichnung gefertigt, wie das „Untere Tor“ ausgesehen haben könnte. Schwierigkeiten bei den Videoaufnahmen gab es laut Hemberger so gut wie keine. „Alles hat geklappt.“ Man habe für die Aufnahme sogar Glockengeläut zu abweichenden Zeiten arrangiert.

„Lernen Sie unser schönes Mutterstadt ganz neu kennen“ heißt es auf dem zugehörigen Flyer. Dort und auch an den jeweiligen Objekten befindet sich ein QR-Code. Sobald dieser gescannt ist, kann die Tour losgehen.

Im Netz

Der Mutterstadter Kulturrundgang ist über die KuLaDig-App oder www.kuladig.de abrufbar.

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