Waldsee / Otterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Krippenkurrende: Proben für musikalische Weihnachtsgeschichte haben begonnen

Proben für ihren Auftritt: die Sänger der Krippenkurrende.
Proben für ihren Auftritt: die Sänger der Krippenkurrende.

Die Proben für die ökumenische Krippenkurrende, eine Jahrzehnte alte Tradition in Waldsee und Otterstadt, haben begonnen. In diesem Jahr laden die Veranstalter auch Interessierte aus den umliegenden Orten ein, bei diesem Projektchor mitzumachen.

Es ist seit vielen Jahren ein berührender Moment in Waldsee und Otterstadt am Vorabend des dritten Advents, wenn die Sängerinnen und Sänger der ökumenischen Krippenkurrende durch die Straße bis zur Kirche ziehen und draußen, vor der Tür die Weihnachtsgeschichte von der Verkündigung des Engels an Maria bis zur Ankunft der Heiligen drei Könige singen und spielen.

Im Freien, Wind und Wetter ausgesetzt. Es gab Jahre, in denen die Temperatur angenehm war, aber auch schon Jahre, in dem die Zuschauer und Sänger bei Graupelschauern im eisigem Wind gebibbert haben. Gerade das macht dieses besondere Krippenspiel aus und das ist der Grund warum viele der Sänger schon seit Jahren immer wieder mitmachen: Es ist kein Theaterstück mit Applaus am Ende, keine Aufführung in der warmen Kirche, sondern draußen, so wie es vor über 2000 Jahren in einem Stall auf den Feldern bei Bethlehem gewesen sein mag. Ungemütlich, das ganz sicher, doch es hinterlässt ein warmes Gefühl im Herzen der Zuschauer, wenn die Kurrendesänger wieder abziehen.

Konjunktur in Zeiten der Reformation

Die die es kennen, kommen meist im nächsten Jahr wieder. Die, die noch nie etwas davon gehört haben, können mit dem Begriff Krippenkurrende meist nichts anfangen. Pfarrer Andreas Buchholz, der die Krippenkurrende in Waldsee und Otterstadt etabliert hat, erzählt, was dahinter steckt. Kurrenden haben, wie der lateinische Ursprung des Wortes schon vermuten lässt, etwas mit laufen zu tun. Schon im 14. Jahrhundert zogen gingen Sänger durch die Straßen und sangen christliche Lieder. Während der Reformation hatte Kurrendelaufen dann richtig Konjunktur, denn die Sänger brachten dem Volk auf der Straße die neuen, nun auf Deutsch gesungenen Kirchenchoräle nahe.

Das Konzept der Krippenkurrende hat die Organistin Barbara Haller, Ehefrau des damaligen Landeskirchenmusikdirektors am Ulmer Münster, entwickelt. Noch heute gibt es in Ulm und in Schleswig, wo die Hallers ebenfalls wirkten, Krippenkurrenden. Später kam Barbara Haller auf den Weierhof bei Kirchheimbolanden. Ganz in der Nähe war der Vater von Andreas Buchholz in Eisenberg Pfarrer. Die beiden kannten sich schon aus der Ulmer Zeit. So entstand 1969 in Eisenberg die erste Krippenkurrende, bei der Andreas Buchholz als Siebenjähriger schon mitmachte. Später wechselten die Buchholz nach Ludwigshafen und etablierten die Krippenkurrende dort. Als Andreas Buchholz dann selbst Pfarrer in Waldsee und Otterstadt wurde, hat er die Kurrendetradition Mitte der 1990er-Jahre mitgebracht. Damals machten viele junge Familien mit. Die Kinder liefen als Hirten, Engel oder Laternenträger mit.

Neue Sänger aus den Nachbargemeinden gesucht

Heute sind die Kinder längst erwachsen und gehen ihre Wege. Viele der Eltern von damals singen heute noch mit. Manche sind neu dazugekommen. Doch auch wenn die Kurrende so weiter stattfinden könnte, würden sich die Sängerinnen und Sänger, sowie Chorleiter Peter Steiger und Pfarrer Andreas Buchholz Verstärkung für die Kurrende auch aus den christlichen Nachbargemeinden wünschen. Sehr gerne auch Familien mit Kindern. „Es können gar nicht genug sein. Je mehr desto schöner“, sagt Peter Steiger. Die Kinder müssten nur bei der Generalprobe dabei sein. Die Lieder seien leicht zu erlernen, sagt Buchholz. Insgesamt sind es fünf Probentermine.

Der erste hat schon stattgefunden, wenn auch, wie das bei der ersten Probe meist ist, mit kleiner Besetzung. Einige, die mitgemacht haben, sind schon lange dabei, wie Paul Warmbrunn aus Otterstadt – in der Kurrende einer der heiligen drei Könige. „Weil es Spaß macht“, ist seine schlichte Begründung. Zum ersten Mal dabei ist Sabine Kißler aus Waldsee, die es einfach mal ausprobieren möchte.

Termine & Kontakt

Die nächsten Proben finden am 29. Oktober, 4. November, 5. und 11. Dezember jeweils um 19.30 Uhr im protestantischen Gemeindehaus in Waldsee statt. Die Aufführungen sind am 14. Dezember um 17 und 18 Uhr. Der Ort ist noch nicht festgelegt. „Wenn sich dieses Jahr viele Sänger aus den umliegenden Gemeinden finden, muss es nicht unbedingt Waldsee und Otterstadt sein“, sagt Buchholz. Infos und Anmeldung bei Peter Steiger, Telefon 06232 43387, oder Andreas Buchholz, Telefon 06236 51291.

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