Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kreditbetrug: Angeklagter bekommt Hilfe von Bankmitarbeiter

Ein Mitarbeiter der Sparkasse soll dem Angeklagten beim Betrug geholfen haben.
Ein Mitarbeiter der Sparkasse soll dem Angeklagten beim Betrug geholfen haben.

Am Mittwoch ist ein 41-Jähriger vor dem Landgericht Frankenthal wegen Betrugs verurteilt worden. Im Prozess ging es vor allem um das Strafmaß.

Die Verhandlung dauerte keine 90 Minuten: Dann stand fest, dass der Angeklagte erneut für Jahre hinter Gitter muss. Vor dem Landgericht räumte der 41-Jährige über seinen Anwalt die Betrugsfälle in Bobenheim-Roxheim im September und Oktober 2016 wie in der Anklage beschrieben ein: Damals hatte er einen Mann dazu überredet, in einer Filiale der Sparkasse Vorderpfalz vier Darlehensverträge in einer Gesamthöhe von 200.000 Euro für ihn abzuschließen. Dann soll er dem Opfer aber bald nicht mehr die monatlichen Raten gezahlt, sondern sich nach Tunesien abgesetzt haben. Das Darlehen wurde gekündigt, und es entstand ein Saldo von knapp 187.000 Euro.

Der Angeklagte soll bei dem Betrug mit einem Privatkundenbetreuer der Bank zusammengearbeitet haben, der trotz mangelnder Bonität Darlehen gewährte – dafür muss sich der Sparkassen-Mitarbeiter noch in einem gesonderten Verfahren verantworten, im dem dann auch der 41-Jährige als Zeuge Details nennen will.

Am Mittwoch ließ sich der Angeklagte vor Gericht aber hauptsächlich zu seinem bewegten Leben ein: Schon als kleines Kind musste der gebürtige Tunesier immer wieder umziehen, lebte mal in der Heimat, mal in Deutschland. Über Projekte verbrachte er wohl auch einige Zeit in Spanien und Südamerika. Irgendwann brachte ihn das deutsche Jugendamt im Heim unter, weil sein Wohl Zuhause gefährdet war. Aus der Einrichtung riss er mit 13 Jahren aus und lebte fortan auf der Straße, verkaufte und konsumierte Drogen wie LSD und Haschisch – bis er 1998 erstmals in Haft musste. „Das war meine Rettung, sonst wäre ich bestimmt tot“, sagte er in der Verhandlung.

Im Gefängnis ging es bergauf, er machte einen Schulabschluss und eine Ausbildung. Nach seiner Entlassung war er zeitweise als Reiseleiter für ein deutsches Unternehmen in Tunesien tätig. Als er Mitte der 2000er-Jahre zurück nach Deutschland kam, geriet er über eine Liebschaft im Rotlichtmilieu wieder in die Drogenspirale. Es folgten mehrere Strafverfahren gegen ihn, unter anderem wegen Urkundenfälschung, Diebstahls, Raub sowie Falschaussagen, und immer wieder musste er ins Gefängnis. Dass er selbst in seiner Bewährungszeit Crack, Kokain, Alkohol und Cannabis konsumierte, fiel trotz unangekündigter Drogentests nicht auf. Seit Mai vergangenen Jahres saß der Angeklagte nun wieder wegen einer anderen Sache im Gefängnis.

Da der Angeklagte den Sparkassenbetrug von Beginn an einräumte, ging es am Mittwoch vor allem um die Höhe der Strafe: 2017 war er bereits von einem Mannheimer Gericht zu drei Jahren Haft verurteilt worden, weil er sich in mehreren Fällen Darlehen erschlichen hatte. Aus dieser Strafe wurde mit den aktuell verhandelten Taten eine Gesamtstrafe von drei Jahren und neun Monaten wegen zweifachem Betrugs in besonders schwerem Fall gebildet. Auch die Kosten des Verfahrens und die Schadenssumme muss der Angeklagte zurückzahlen. Der Geschädigte werde sein Geld zurückbekommen, versicherte der 41-Jährige vor dem Urteilsspruch. „Ich arbeite an mir“, sagte er und betonte, dass dies „definitiv das letzte Mal“ vor Gericht gewesen sei. Er strebe eine Drogentherapie an und wolle danach wieder in Tunesien leben, wo er Frau und Kinder hat.

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