Rhein-Pfalz Kreis Kostenloses Internet im Vorbeigehen

Ein freier Internetzugang für alle. Dieses Ziel hat sich der Verein Freifunk Rhein-Neckar als Ziel auf die Fahnen geschrieben. Doch während das Projekt in Baden und an der Bergstraße ordentlich angelaufen ist, hinkt die Pfalz hinterher. Der Lambsheimer Martin Eberle will das ändern.
„Vor allem auf pfälzischer Seite ist die Abdeckung noch sehr dünn“, sagt Martin Eberle. Der 29-Jährige, der an der Hochschule in Worms seinen Master in Informatik macht und sein Freund Lukas Bisdorf (23) schauen auf die Karte, die auf dem Laptop zu sehen ist. Speziell auf der rechten Rheinseite sind die blassgrünen Punkte zu sehen. Sie zeigen an, wie dicht das Netz an WLAN-Routern im Ort schon ist. Und da sieht’s speziell in der Vorderpfalz recht mau aus. Das Projekt sieht folgendermaßen aus: Privatleute oder Einzelhändler stellen in ihren Räumen einen WLAN-Router auf, über den man sich kostenlos einwählen und dann im Internet surfen kann. Natürlich nur, solange man sich im Einzugsbereich des jeweiligen Geräts befindet. „Das Netz soll von den Bürgern selbst betrieben werden“, sagt Lukas Bisdorf. Jeder solle es erweitern können. So sollen sich die Kosten verteilen, ergänzt der Informatik-Student. Ein Router kostet, je nach Modell, 20 bis 50 Euro. Das Gerät könne auch ganz einfach angeschlossen und mit den anderen Freifunk-Routern verbunden werden. Lediglich eine Software müsse aufgespielt werden. Natürlich hat Martin Eberle in seinem Wohnzimmer auch einen Freifunk-Router stehen. Das schreit geradezu nach einem Selbstversuch. Smartphone rausgeholt, Liste mit verfügbaren Verbindungen aufgerufen – und tatsächlich. Fast ganz oben steht der „Freifunk Rhein-Neckar“. Angetippt, und schon ist man drin. Ohne Passwort, ohne seine Kreditkartennummer oder Kontodaten angeben zu müssen. 50 bis 60 Mitglieder hat der Verein aktuell, sagt Lukas Bisdorf. Etwa 500 bis 600 Leute nutzen das Angebot des kostenlosen Internetzugangs im Schnitt jeden Tag. Etwa 860 Nutzer hat das freie Netz. Aktuell sind über 730 Router angeschlossen. Durchschnittlich über 550 sind online. Um sich in dem Netz einzuwählen, muss man kein Mitglied im Verein sein. Nach der Anlaufphase – gegründet wurde der Verein 2014 – soll das Netz nun ausgebaut werden. „Flächendeckend werden wir vermutlich nicht erreichen“, vermutet Martin Eberle. Aber an dem Beispiel Heppenheim sieht man, was möglich ist. „Dort ist in der ganzen Fußgängerzone Freifunk“, sagt Lukas Bisdorf. Rund 100 Zugangspunkte gibt es da. Wer sich dort einwählt, ist beim Einkaufsbummel in der Fußgängerzone ununterbrochen im freien Netz. Heißt: Man kann sich ein Video anschauen oder skypen ohne Ruckler oder Unterbrechungen. „Das Handy verbindet sich automatisch mit dem jeweils schnelleren Knoten“, erklärt Bisdorf. Organisiert haben das in der südhessischen Stadt die Einzelhändler, sagen die beiden. Dieses Modell schwebt ihnen auch für die Frankenthaler Innenstadt vor. Bislang noch ohne Erfolg. Auch in Flüchtlingsunterkünften hat der Verein schon etwa ein Dutzend Router installiert. „Für Flüchtlinge ist das Internet die beste Möglichkeit, mit der Heimat in Kontakt zu treten“, führt Martin Eberle aus, der sich in Lambsheim in der Flüchtlingshilfe engagiert. Bislang müssten sich die Asylsuchenden noch Prepaid-Karten kaufen. „Mit dem kostenlosen WLAN würden sie jede Menge Geld sparen. Und es würde ihr Leben erleichtern“, betont Eberle. Natürlich träfen sie auch auf Skeptiker, erzählen die beiden. Eines der häufigsten Argumente, dass sie hören, sei dann, dass doch jeder Internet habe. Auch wollten viele nicht ihre Leitung teilen, weil sie befürchten, an Geschwindigkeit bei der Übertragung einzubüßen. „Die meisten Anschlüsse sind nicht ausgelastet“, erläutert Eberle. „Meiner langweilt sich zum Beispiel zu Tode“, sagt er und grinst. Die Bandbreite, die man nicht brauche, könne man zur Verfügung stellen, argumentiert er. Was aber, wenn jemand einen Film herunterlädt, der urheberrechtlich geschützt ist? Könnte man als Besitzer des Routers verklagt werden? Nein, sagt Eberle. Denn wer sein Netz über den Freifunk-Verein zur Verfügung stellt, lässt die Daten auch technisch darüber laufen. Es taucht nur die IP-Adresse des Vereins Rhein-Neckar auf, keine private, die zu dem eigenen Router führen würde. Der Verein ist wiederum gegen Klagen geschützt, weil er quasi als Provider gilt, also nur Daten unverändert weiterleitet und daher nicht haftbar ist. „Eine clevere Konstruktion“, sagt Eberle. Der Verein Freifunk Rhein-Neckar ist kein abstraktes Gebilde in der virtuellen Welt. Alle vier Wochen gebe es Treffen, bei denen Neuigkeiten präsentiert und Fragen beantwortet werden. Wer nicht zu den Zusammenkünften kommen kann, dem werde gerne online geholfen – zum Beispiel im Forum auf der Homepage des Vereins. Und das sei ein Grund, warum es nicht einen Frei-Funk-Verein für ganz Deutschland, sondern zahlreiche kleine gebe. Nur so könne man regelmäßige Treffen organisieren. Einen weiteren Frei-Funk-Verein gibt es laut Eberle auch in Landau. Kontakt Informationen rund um den Verein und zum Freifunk gibt es auf der Homepage www.freifunk-rhein-neckar.de.