Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Konrad Heller verlässt CDU-Ortsverband

Stephan Heller (links) und Konrad Heller agieren nun als Heller-Fraktion.
Stephan Heller (links) und Konrad Heller agieren nun als Heller-Fraktion.

Konrad Heller gehört zur CDU Mutterstadt wie die Roten Teufel zur Pfalz. Doch nun hat er dem Ortsverband den Rücken gekehrt, wie kurz zuvor sein Sohn. Es rumort.

Es muss einiges vorgefallen sein, wenn ein gestandener CDU-Politiker wie Konrad Heller aus seinem Ortsverband austritt, in den Kreisverband wechselt und die Fraktion verlässt. Seit über 60 Jahren ist er in der CDU, hat den Mutterstadter Ortsverband mit aufgebaut, war Beigeordneter in seiner Heimatgemeinde und für den Kreis und hat einen Sitz im Gemeinderat. Nun der Bruch mit der Fraktion und dem Ortsverein. Er gibt zu: „Ich bin inwendig und auswendig CDU, darum ist mir dieser Schritt auch sehr schwergefallen.“

Der 81-Jährige spricht von Zerwürfnissen innerhalb des Ortsverbands, die sich über Jahre aufgetürmt hätten. Man habe ihn deutlich spüren lassen, dass man auf seine Meinung keinen Wert mehr lege. „Ich wurde als Besserwisser hingestellt“, sagt er, bis hin zu persönlichen Beleidigungen. „Das Fass zum Überlaufen gebracht hat die Wahl des Beigeordneten Klaus Lenz zum Bürgermeisterkandidaten, den ich und auch andere Verbandsmitglieder für nicht geeignet halten“, sagt Konrad Heller. In jener Mitgliederversammlung, bei der er nicht anwesend war, wurden auch die Delegierten für einen Kreisparteitag gewählt, dabei entfiel eine Stimme von 18 auf ihn. Das sei das Signal gewesen, den Schlussstrich zu ziehen.

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Trennen tut weh

Die beiden bilden die Heller-Fraktion

Mit dem Austritt aus dem Ortsverein folgte er seinem Sohn Stephan Heller, zusammen bilden sie nun die Heller-Fraktion im Rat. Stephan Heller tritt zudem auch aus der Partei aus. Er möchte damit einen klaren Schlussstrich ziehen – „auch wenn es wehtut“, sagt er offen. Die CDU sei für ihn wie eine Familie, und in Familienstreitigkeiten auseinanderzugehen, dass sei immer schmerzhaft. Seit seinem 14. Lebensjahr sei er für die Junge Union und seit er 20 ist für die CDU aktiv. „Mein innerer Wertekompass ist christlich“, sagt er. In der CDU habe er seine Partei gefunden und sei ihr tief verbunden. Doch die Spannungen im Ortsverband seien zu groß. Dort hätten sich starke Charaktere aneinander aufgerieben. Die Differenzen hätten ab 2007 zugenommen, sagt Stephan Heller. Er, damals 36 Jahre alt, kandidierte neben Lenz für den Posten zum Beigeordneten und zog den Kürzeren. Es sei dann immer kontroverser zu Sachthemen diskutiert worden, aber nicht generell, sondern man habe über Kleinigkeiten gestritten. Meinungsverschiedenheiten wurden ihm persönlich übelgenommen, er fühlte sich von einigen Parteikollegen nicht mehr respektiert, sei immer wieder persönlich angegangen worden. Eine Möglichkeit wäre nun gewesen, sich einer anderen Fraktion zuzuwenden. Doch das schließt er für sich aus: „Es wäre eine Wahlverfälschung, denn ich habe bei der Wahl auch Listenstimmen der CDU bekommen.“

Kritik Hellers: Mitglieder nicht eingebunden

Der Anstoß, Verband und Partei zu verlassen, war für ihn die Art und Weise, wie der Kandidat für die Bürgermeisterwahl 2023 aufgestellt worden sei. „Diese Findung ist an Fraktion und Mitgliedern vorbeigegangen“, kritisiert er. Die Mitglieder hätte man im Vorfeld bei der Suche einbinden sollen, so aber sei das im Hinterzimmer entschieden worden.

Wäre er denn selbst gern aufgestellt worden? Stephan Heller verneint das ausdrücklich. Wenn er solche Ambitionen gehabt hätte, hätte er sich im Ortsverband zur Wahl gestellt. Er werde auch nicht mit der neuen Fraktion kandidieren, „das wäre für mich unmoralisch“, stellt er klar und will damit den Gerüchten, dass er nur deshalb aus dem Ortsverband ausgetreten sei, ein Ende setzten.

Konflikte nicht zu lösen

Für die CDU-Fraktionsvorsitzende Yvonne Wittmann setzt der Austritt der beiden einen Schlussstrich unter die seit Jahrzehnten bestehenden Spannungen innerhalb des CDU-Verbands. „Wir können nun entspannter mit der politischen Arbeit weitermachen, auch in Hinblick auf die Bürgermeisterwahl“, sagt sie. Sie bedauere es aber auch, „dass wir für diese Spannungen keine Lösung gefunden haben“, obwohl man es versucht habe. „Es gab Konflikte zwischen Konrad und Stephan Heller und diversen Personen, ich möchte da aber niemandem die Schuld zuweisen.“ Und sie ergänzt: „Wenn sich jedes einzelne Mitglied der CDU Mutterstadt in den letzten Jahren auf die politische Arbeit anstatt auf persönliche Befindlichkeiten konzentriert hätte – und da nehme ich niemanden aus – , dann hätten wir einen Konflikt dieser Art nicht gehabt.“ Auch wenn sie nicht immer mit dem politischen Handel von Konrad Heller einverstanden war, würdigt sie seine politische Arbeit. Er habe viel für die CDU geleistet.

Den letztlichen Grund für die Austritte sieht sie in der „demokratischen und deutlichen Wahl“ von Klaus Lenz zum Bürgermeisterkandidaten. Man habe sich intensiv in den Vorstandssitzungen Gedanken über die Kandidatur gemacht und das sei ein transparenter Prozess gewesen. Dass die beiden vom Verband ins Abseits gestellt worden seien, möchte Wittmann so nicht stehen lassen: Zu keiner Zeit seien sie von der Fraktionsarbeit ausgeschlossen worden. Es sei eher so gewesen, dass Stephan Heller sich in den vergangenen zweieinhalb Jahren wenig eingebracht habe.

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