VG Lambsheim-Hessheim
Klimaschutzmanagerin und Sozialarbeiterin verlassen Verwaltung
Maria Räch, geborene Elmer, wird eigenen Angaben zufolge für die VG Rheinauen selbst ein Klimaschutzkonzept entwickeln. In der VG Lambsheim-Heßheim sollte sie das bestehende Konzept umsetzen und fortschreiben. Räch war erst seit einem Jahr auf der vom Staat geförderten Klimaschutzstelle tätig, und ihre drei Vorgänger hatten es auch nicht lange ausgefüllt: Ulf Gütermann von Februar bis August 2015, Ralf Monecke von August 2015 bis Juli 2017 und Rosemarie Lindhorst von Juli 2017 bis Ende 2019. Räch kam im Januar 2020.
Dass ihre Stelle befristet war, sei für sie nicht der Grund für den jetzigen Wechsel gewesen, sondern der neue Anreiz, sagt die 33-Jährige. In der Stellenausschreibung der VG heißt es, die Stelle sei wegen der Bundesförderung bis 30. April 2022 befristet, könne dann aber ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übergehen.
„Wir haben schon recht vieles umgesetzt“, meint die 33-Jährige, die ungeduldig darauf wartet, dass der Wandel in der Bevölkerung hin zu mehr Klimaschutz schneller vorankommt. Im Moment gehe es immer noch darum, den Bürgern immer und immer wieder zu erklären, dass es „die Kleinigkeiten sind, die sich summieren“. Beraten, aufklären, motivieren, das seien wesentliche Aufgaben. Doch der direkte Kontakt zu den Bürgern habe gelitten, weil wegen der Pandemie Veranstaltungen ausfielen.
In sechs Jahren vier Stelleninhaber
Auf ihre neue Aufgabe in der für Altrip, Neuhofen, Otterstadt und Waldsee zuständigen VG Rheinauen freut sie sich sehr. Jedes kommunale Klimaschutzkonzept sei anders, sagt sie. In Städten etwa sei Carsharing ein Thema, im ländlichen Raum eher die Windkraft, in der VG Lambsheim-Heßheim seien es auch E-Mobilität und Radfahren. In der VG stehe im Moment das Energiemanagement für gemeindeeigene Gebäude im Vordergrund.
Klimaschutz ist in der VG Lambsheim-Heßheim der Geschäftsbereich des Ersten Beigeordneten Willi Boxheimer (CDU). Er bedauert den Weggang von Maria Räch. Sie habe sehr gute Arbeit für die Verwaltung und für den Umweltschutz geleistet. Auf die Frage, was das Problem sei mit der Klimaschutzstelle, auf der es innerhalb von sechs Jahren vier Inhaber gab, teilt Boxheimer schriftlich lediglich mit: Rächs Weggang sei „ausschließlich in einer privaten Veränderung begründet“. Sie habe im Oktober geheiratet und „ihren Lebensmittelpunkt nun an den Wohnort ihres Mannes verlagert“. Als von Räch angestoßene Investitionsprojekte, die bald angegangen werden sollen, nennt der Beigeordnete Fotovoltaikanlagen in Lambsheim und Heßheim und eine E-Ladestation für Dienstfahrzeuge.
Probleme mit Kosten für Unterkünfte
Nergül Akyayla (41) geht mit einer gewissen Traurigkeit und mit Dank „für eine schöne Zeit“. Sie ist zur VG Rheinauen gewechselt, weil sie sich dort ganz auf die soziale Betreuung von Geflüchteten und Obdachlosen konzentrieren kann, wie sie sagt. Dort gebe es neben dem engagierten Fachbereichsleiter noch zwei Mitarbeiter für die mit der Sozialarbeit verbundene Verwaltungsarbeit, sodass sie selbst sich voll und ganz nur auf die Betreuung konzentrieren könne.
Damit spricht sie eine Sache an, die der VG-Verwaltung Lambsheim-Heßheim nicht zum Ruhm gereicht. Akyayla hatte nach dem Weggang einer Verwaltungskraft zugestimmt, die Mietkosten für Flüchtlingsunterkünfte mit dem Rhein-Pfalz-Kreis als Kostenerstatter zu übernehmen – ohne große Verwaltungskenntnisse zu haben und zusätzlich zur Sozialarbeit. So sparte die VG über Jahre zwar deutlich Personalkosten, aber in der Vorbereitung zum VG-Haushalt 2021 und auf Nachbohren der SPD-Fraktion wurde deutlich, dass knapp 500.000 Euro an Einnahmen fehlten, weil wegen fehlerhafter oder verzögerter Abrechnung noch keine Kostenerstattung für das Jahr 2019 erfolgt war. Nergül Akyayla sagt heute: „Ich bin in diese Abrechnungssache reingerutscht, und immer ist etwas auf der Strecke geblieben. Allein war das alles gar nicht zu bewältigen.“
Merkel: Rückstände werden aufgearbeitet
Die Angelegenheit scheint im November halbwegs geklärt worden zu sein, denn Anfang Dezember hieß es im Hauptausschuss, dass nur noch rund 150.000 Euro offen seien. Die Aufarbeitung der Rückstände sei im Gange, werde aber noch eine Weile dauern, teilte der zuständige VG-Beigeordnete Ewald Merkel (FWG) jetzt auf RHEINPFALZ-Anfrage mit. „Geld vom Kreis geht deshalb aber nicht verloren.“ Der Fachbereich sei inzwischen personell verstärkt worden, und eine gelernte Bürokauffrau werde sich nun um die Wohnungsverwaltung und die Abrechnung mit den verschiedenen Ämtern kümmern.
Die Sache ist jetzt allerdings ein Politikum. SPD-Fraktionsvorsitzende Angela Haller meint, hier hätten Beigeordneter Merkel und sein Vorgänger Michael Hack (CDU) sich nicht genug um ihr Ressort gekümmert. Ihr sei auf Nachfrage immer wieder versichert worden, dass mit dem Kreis mittlerweile wie andernorts üblich vierteljährlich abgerechnet werde, berichtet die Lambsheimerin.
SPD bringt Abrechnungsfehler ans Licht
Als Beigeordneter Merkel nur spärliche Ausführungen zu dem Thema gemacht habe, sei sie selbst an die Kreisverwaltung herangetreten. Die Antwort von dort: Rechnungen für das gesamte Jahr 2019 seien erst Ende Februar 2020 eingegangen und dann auch noch mit Belegen, die nicht mit den über die Unterkünfte geführten Listen übereinstimmten. „Also hatte man mir die Unwahrheit gesagt“, ärgert sich Angela Haller. Sie findet, Hack und Merkel sowie der Fachbereichsleiter hätten sehen und sagen müssen, dass es nicht funktioniert, wenn jemand sich zusätzlich zur vollen Sozialarbeiterstelle auch noch um die Abrechnungen kümmern muss.
Ewald Merkel, der im September 2019 Beigeordneter wurde, weist den Vorwurf zurück und erklärt, der Ursprung des Problems, nämlich „mangelhafte Personalausstattung im zuständigen Fachbereich sowie Kommunikationsprobleme innerhalb verschiedener Fachbereiche“ liege vor seiner Amtszeit, als die „SPD-dominierte Verwaltungsspitze“ die richtigen Weichen hätte stellen müssen. Eine E-Mail von 2018 soll das untermauern: Schon damals habe der Fachbereichsleiter den Bürgermeister informiert, „dass dringend Personal benötigt wird“.