Gegenüber
Klimaschutzmanagerin Maria Elmer macht die VG Lambsheim-Heßheim grüner
Die Corona-Krise hat auch Maria Elmer ins Homeoffice verbannt. Dort habe sie noch mehr zu tun als sonst. Ständig tauscht sie sich mit ihren Fachkollegen in Frankenthal, im Rhein-Pfalz-Kreis und in Freinsheim aus. Jetzt ist Zeit für Arbeit hinter den Kulissen, sagt Elmer. Bis Ostern will sie für eine CO2-Bilanz der Verbandsgemeinde (VG) Zahlen und Fakten der letzten fünf Jahre aufarbeiten: Wie viele Autos fahren durch die VG? Wie viel Gas, Wasser und Strom verbrauchen die Schulen und öffentlichen Gebäude? Was bringt die Umstellung auf LED-Lampen?
Der Fuhrpark der VG wird grüner
Elmer, die 1987 in Görlitz in Sachsen geboren wurde, schaut auf die Realität hinter den Zahlen. Sie gießt alle Informationen in Diagramme, entwickelt Handlungsempfehlungen, Richtlinien und Projekte. Zum Beispiel für die energetische Sanierung von Liegenschaften. Sie befasst sich etwa mit der kosteneffizienten Energieversorgung im Erweiterungsbau der Grundschule Beindersheim. Die VG hat sich zum Ziel gesetzt, auf grünen Strom umzusteigen. Dazu bräuchte es – nach dem Vorbild Lambsheims – aber eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Verwaltungsgebäudes in Heßheim. Ein zusätzliches Auto, ein Plug-In-Hybrid, hat die Verwaltung für ein Jahr geleast. Es soll ab 2021 die kommunale Wagenflotte grüner machen. Ein Thema, bei dem auch Elmer, die ein eigenes Ressort in der VG-Verwaltung bildet, viel Erfahrung und Wissen einbringen konnte.
Ihr Studium hat Elmer 2006 in Mainz begonnen. Nach einem Bachelorabschluss in Geowissenschaften folgte der Master in physikalischer Geografie mit Schwerpunkt Klima- und Umweltwandel. Anschließend forschte Elmer als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TH Bingen zum Thema Treibhausgasemmissionen. Eineinhalb Jahre lang machte sie Lobbyarbeit in Wiesbaden und Mainz beim Verband für Garten- und Landschaftsschutz und Sportplatzbau Rheinland-Pfalz. Zum Abschluss setzte sie noch eine Weiterbildung im Umweltmanagement drauf.
Mit dem Verlobten in die Pfalz
Für die Stelle bei der VG ist sie mit ihrem pfälzischen Verlobten und zwei Katzen Anfang März „schnell und spontan“ nach Weisenheim am Sand gezogen. Sich einleben sei leicht, „die Pfälzer sind offen, die Mentalität liegt mir“, sagt Elmer. Für den Job als Klimaschutzmanagerin hat sie sich bewusst entschieden: Sie will wissenschaftliche Inhalte in der Praxis umsetzen, Projekte initiieren, Bewusstseinsarbeit und Öffentlichkeitsarbeit machen können.
Vor zwei Wochen fiel der Startschuss für das Projekt „Klima-Coach“ der Energieagentur Rheinland-Pfalz, an dem sich landesweit Institutionen und Verwaltungen beteiligen. Bei der Aktion bis 8. April gehe es darum, CO2 am Arbeitsplatz und zu Hause einzusparen. Viele Kollegen seien bereits aufs Fahrrad umgestiegen, freut sich Elmer und meint: „Zehn Kilometer Radfahren spart 1,5 Kilo CO2.“ Aktionsgruppen in der VG hätten nach zwei Wochen bereits 353 Kilo CO2 eingespart.
Bei Projekten wie dem „Klima-Coach“ setzt Elmer auf den Domino-Effekt: „Es kostet nichts, tut nicht weh, man hat keine Einschränkungen und kann trotzdem etwas Gutes tun.“ Kleinigkeiten seien nicht zu unterschätzen. Ähnlich schmerzlos aber effektiv sei die „Earth Hour“, für die am Samstag von 20.30 bis 21.30 Uhr an Gebäuden in den Ortsgemeinden der Strom abgeschaltet wird.
Den Auswirkungen der Corona-Krise auf die Klimabilanz sieht Elmer mit wissenschaftlichem Interesse entgegen. Durch das Arbeiten daheim sei ein flächendeckender Anstieg des Strom-, Gas- und Wasserverbrauchs zu erwarten. Zugleich bleibe mehr Zeit für Hobbys. In Elmers Fall sind das „Lesen nach Gemütszustand“, meist mehrere Bücher parallel „vom erdgeschichtlichen Sachbuch bis zum Schundroman“ und „Kochen quer durch die Welt“.