Rhein-Pfalz Kreis Kleine Truppe, große Aufgaben

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BOBENHEIM-ROXHEIM. Kai Neiheiser und Oliver Hetzel, Mitte Juli gewählt und Ende August ernannt, wollen und sollen für die nächsten zehn Jahre die Freiwillige Feuerwehr von Bobenheim-Roxheim leiten. Was sie als ihre große Herausforderung beschreiben, ist das Los vieler Mannschaften in Gemeinden mit städtischem Charakter: Die Sonderaufgaben und Gefahren sind vielfältig, aber die Truppe ist fast zu klein, um alles ehrenamtlich zu bewältigen.

Bobenheim-Roxheim hat rund 10.000 Einwohner und 45 aktive Feuerwehrleute. „Von denen stehen im Schnitt aber nur 25 für Übungen und Einsätze zur Verfügung“, sagt Dominik Dinges, der im vergangenen halben Jahr die örtliche Wehr kommissarisch geleitet hat. Das sei angesichts der vielen Notfallarten, auf die man vorbereitet sein müsse, zu wenig. Oder sagen wir es lieber so: Auf relativ wenigen Schultern lastet viel Arbeit und Weiterbildungsdruck. Das fängt bei den acht Fahrzeugen, einem Boot und vielen Geräten, die gewartet werden müssen, an und endet bei den 60 bis 100 Einsätzen, die pro Jahr zu bewältigen sind. Und dazwischen liegen all die Übungen, Fortbildungen und Konzepte, die für die Gefahrenabwehr wichtig sind. „Wir sind die kleinste verbandsfreie Gemeinde im Rhein-Pfalz-Kreis, haben aber mit B 4 die zweithöchste Risikoklasse bei den Brandgefahren“, erläutert Frank Unvericht von der Gemeindeverwaltung. Der Grund: In Bobenheim-Roxheim gibt es ein Hochhaus, hohen Durchgangsverkehr, eine Bahnlinie und die Bundesstraße 9. Daraus folgt unter anderem, dass die örtliche Wehr eine Drehleiter und einen dafür ausgebildeten Maschinisten braucht, der für den Fall eines Bahnunglücks besonders geschult sein muss und erste Maßnahmen einleiten kann, falls ein Gefahrguttransporter in Ortsnähe verunglückt. Hinzu kommt die ebenfalls zweithöchste Risikoklasse W 4, weil es bei und in Bobenheim-Roxheim den Rhein sowie stehende Gewässer wie Silbersee und Nachtweideweiher gibt. Da braucht es Kollegen, die sich den schweren Lehrgang für den Bootsführerschein antun oder lernen, mit einem Spezialschlitten Menschen zu retten, die ins Eis eingebrochen sind. Hochwasser – das wird den Bürgern aktuell durch ein Landesvorsorgeprojekt klargemacht – ist eine weitere Gefahr, von der die Gemeinde mehr als andere bedroht ist. „Die Entlastungsgräben zusammen mit dem Bauhof säubern, den Rheinhauptdeich verteidigen, Wasserbarrieren an der B 9 errichten, das Dorf evakuieren ...“ Wehrleiter Kai Neiheiser zählt auf, was seine Einheit im Ernstfall leisten muss. „Das hat auch alles mit Verantwortung und der möglichen Bedrohung des eigenen Lebens zu tun“, sagt der 38-Jährige, um deutlich zu machen, wie schwerwiegend die Entscheidung, eine bestimmte Sonderausbildung zu absolvieren, sein kann. Die Prüfung zum Atemschutzgeräteträger sei so ein Beispiel. „Diesen Lehrgang will nicht jeder machen.“ Deshalb geht es ihm und seinem Stellvertreter Oliver Hetzel (26) darum, den verbliebenen Mannschaftsangehörigen den Rücken zu stärken, sie zu motivieren und mehr Kameradschaft und Geselligkeit zu pflegen. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ spricht es niemand konkret aus, aber all diese Dinge scheinen in den vergangenen Jahren unter der Führung von Patrick Janz gelitten zu haben. Auch die Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung soll verbessert werden, betonen Neiheiser und Hetzel. Ihrem Wunsch, dass es künftig zwei statt nur einen Stellvertreter geben darf, ist man schon nachgekommen. Am 30. September wird der zweite Wehr-Vize gewählt. Und dass die Wartung der Geräte vom Ehrenamt aufs Hauptamt umgestellt wird, wie es bereits in Maxdorf oder Schifferstadt der Fall ist und wie es in der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim angestrebt wird (wir berichteten). Bürgermeister Michael Müller (SPD) fragt sich sogar, wie lange Bobenheim-Roxheim noch mit Brandschutz auf freiwilliger Basis auskommt, wenn der Nachwuchs fehlt. Eine Berufsfeuerwehr sieht der Gesetzgeber in Rheinland-Pfalz aber erst ab 90.000 Einwohnern vor. Ein Konzept für die Wiederbelebung der Jugendfeuerwehr in Bobenheim-Roxheim liegt zwar in der Schublade, das lässt sich nach Ansicht der Wehrleitung aber nur umsetzen, wenn für die Betreuung und Ausbildung auch Personal vorhanden ist. Und so leicht wie früher dürfte es auch nicht sein, die Jugend für den freiwilligen Brand- und Katastrophenschutz zu begeistern. Dominik Dinges erinnert sich an seine Anfänge bei der Feuerwehr Ende der 90er-Jahre, als der Ausbildungs- und Freizeitdruck noch nicht so hoch gewesen sei: „Da waren wir 20 bis 25 Jugendliche. Das gibt es heute nicht mehr.“ Auf der anderen Seite hat die Bobenheim-Roxheimer Truppe auch wieder gute Karten: Gerade weil sie technisch und von den Aufgabengebieten so breit aufgestellt ist, könnte sie für Quereinsteiger, zugezogene Feuerwehrleute und Jugendliche attraktiv sein. Dem Vernehmen nach träumt nämlich so manche Wehr im kleinen Dorf von Spezialfahrzeugen wie beispielsweise einer Drehleiter. Serie Die Männer und Frauen von der Freiwilligen Feuerwehr in Frankenthal und Umgebung sind im Notfall Tag und Nacht ehrenamtlich im Einsatz. Unsere Serie beleuchtet die Facetten ihrer Arbeit: von der Technik über Sonderaufgaben einzelner Stützpunkte bis zu den menschlichen Aspekten.

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