Rhein-Pfalz Kreis Kleine Beute, großer Schaden
„Nun hat es uns am Wochenende auch erwischt ...“ Mit diesen Worten auf einem Schild informieren die Erzieherinnen der Kindertagesstätte in Ebertsheim die Eltern über den Einbruch. Außerdem sind Unbekannte am Wochenende auch in Kindergärten in Gerolsheim und Dirmstein eingedrungen. Wenige Tage vorher, in der Nacht zum Donnerstag, waren Kitas in Sausenheim, Bockenheim und Kindenheim das Ziel der Straftäter. In Carlsberg, Hettenleidelheim und Kirchheim wurde kürzlich ebenfalls in Kitas eingebrochen. Der Schaden liegt meist im vierstelligen Bereich. Die Grünstadter Polizei geht davon aus, dass es sich um den- oder dieselben Täter handelt. Das Motiv kann sich bei der Polizei niemand erklären. „Normalerweise gehen Diebe gezielt vor, sie rechnen den Aufwand und Ertrag eines Einbruchs gegeneinander auf, schätzen Risiken genau ein“, sagte Sigfrid Doll, der Leiter Polizeiinspektion Grünstadt, gestern zur RHEINPFALZ. Er räumt ein, dass die Ermittler im Dunkeln tappen. „Wir haben bislang keinen Schimmer, wer die Taten begeht, auch wenn wir vor Ort nach Spuren suchen.“ Profis wollen Beute machen, deshalb geht der Grünstadter Polizeichef davon aus, dass eventuell Amateure am Werk sind. Mittlerweile ist laut Doll die Kriminalpolizei in Neustadt mit im Boot, denn die Ermittlungen gehen über das Gebiet der Inspektion Grünstadt hinaus, da auch im benachbarten Donnersbergkreis mehrere Kindertagesstätten das Ziel von Einbrechern waren. Stefan Molter von der Polizeidirektion Neustadt sind allein in den vergangenen Wochen im Leiningerland und rund um Bad Dürkheim (Freinsheim, Erpolzheim, Bad Dürkheim-Trift) zehn Einbrüche in Kindergärten gemeldet worden. Die Neustadter Polizisten würden sich jetzt mit den Kollegen der anderen Polizeidienststellen und Präsidien austauschen, sagt er. In Ebertsheim sind die Diebe am Wochenende leer ausgegangen, aber der Schaden am Gebäude ist groß. Eine genaue Berechnung stand gestern noch aus. Es wurde eine Außentür aufgebrochen und ein Fenster genutzt, um in die Räume zu kommen. Außerdem wurde versucht, die stählerne Kellertür aufzubrechen. „Das war niemand, der sich hier auskennt“, vermutet die Leiterin der Ebertsheimer Kindertagesstätte, Claudia Amodeo. „Vom Vorraum kommt man um die Ecke in die Innenräume, da hätte man nicht ans Fenster rangehen müssen“, erklärt sie vor Ort. In Ebertsheim wird kein Geld in der Kita aufbewahrt. „Wir nehmen alles mit, haben die Schränke offen“, sagt Amodeo. Dennoch seien Ordner und Schubladen durchwühlt worden. „Die Kinder nehmen den Vorfall gelassen. Wir haben das im Morgenkreis besprochen, haben erzählt, dass die Diebe nichts mitnehmen konnten. Es besteht ein gewisser Stolz, dem Bösen ein Schnippchen geschlagen zu haben.“ Interessiert hätten die Kinder den Besuch der uniformierten Beamten, die nach Spuren gesucht haben, verfolgt. Etwas mehr Beute, allerdings keine größeren Beträge, ließen der oder die Einbrecher in Gerolsheim und Dirmstein mitgehen. In Gerolsheim waren rund 30 Euro in Münzen im Gebäude, in Dirmstein einige Euro mehr, informierte die Polizei auf Nachfrage. Aber auch dort stehe die Beute nicht im Verhältnis zum angerichteten Schaden. In Kindenheim waren die Täter vergangene Woche zugange: Cornelia Nitsche von der dortigen Villa Kunterbunt hat in ihren 37 Berufsjahren den dritten Einbruch in die Kita miterlebt. „Es ist ein komisches Gefühl“, sagt sie und fügt an: „So schlimm wie dieses Mal war es noch nicht.“ Denn die Täter hätten alles durchwühlt. Sie zogen ohne Beute wieder ab, berichtet Nitsche. „Es gibt in der gesamten Einrichtung kein Bargeld.“ Für die Kinder habe das Ganze glücklicherweise nichts Bedrohliches: „Die Kinder haben keine Ängste. Die fanden das sehr interessant.“ Die protestantische Kindertagesstätte in Bockenheim hat es in der Nacht zum Donnerstag erwischt. Nach Angaben von Leiterin Elke Happersberger haben die Täter vor allem im Personalraum und im Büro im zweiten Stock ihr Unwesen getrieben, dort alles durchwühlt und einen kleineren Bargeldbetrag entwendet. Die Kita-Leiterin ist über die Rücksichtslosigkeit, mit der die Täter vorgegangen sind, schockiert: „Die haben mit dem Stemmeisen die Schranktüren aufgebrochen.“ Der Schaden wurde auf 3000 Euro geschätzt. Elke Happersberger nimmt aber an, dass er höher ausfallen könnte, weil auch eine Tür, durch die die Täter in die Kita kamen, repariert werden muss. Im Juli vergangenen Jahres hatten sich schon einmal Unbekannte an einem Einbruch versucht. Sie scheiterten zwar, aber das Fenster sei trotzdem kaputt gewesen, sagt die Kita-Chefin. Kontakt Die Polizei Grünstadt bittet zu den genannten Fällen um Hinweise unter Telefon 06359 93120.