Rhein-Pfalz Kreis Kleine Bastler schrauben für junge Meisen
Mutterstadt. Damit junge Meisen sicher zur Welt kommen und aufwachsen können, haben Zweit- und Drittklässler der Mutterstadter Grundschule im Mandelgraben in den vergangenen Wochen fleißig Nistkästen gezimmert. Fachkundig unterstützt wurden sie dabei von der Lokalen Agenda, die auch das Aufhängen der Kästen an Spielplätzen organisieren wird.
Dienstagmorgen, 10 Uhr: Bereits zum vierten Mal sind Hermann Humm, Werner Krick und Werner Stubenrauch mit ihrem Werkzeug in der Schule angerückt, um den Kindern beim Bau der Nistkästen zu helfen. Heute sind die Jungen und Mädchen der 2c an der Reihe. „Ich habe mit meinem Papa schon mal ein Vogelhaus gebaut“, berichtet Marcel. „Das haben wir aber geklebt“, ergänzt er beim Anblick der bereitliegenden Schrauben und Nägel. Zunächst erläutert Stubenrauch den Kleinen, wofür die Vögel einen solchen Kasten überhaupt brauchen. „Sie bauen darin aus Zweigen und Stroh ein Nest, das sie mit Haaren auspolstern. Dann legen sie ihre Eier hinein, die sie zwei Wochen lang ausbrüten. Nachdem die Jungen geschlüpft sind, werden sie noch zwei Wochen gefüttert. Dann kommt die zweite Brut, wenn genug Nahrung vorhanden ist“, klärt er seine aufmerksamen Zuhörer auf. Mit der Vermutung, dass Würmer als Mahlzeit herhalten müssen, liegen sie allerdings daneben – zumindest bei Meisen. Die bevorzugen Raupen oder auch mal Käfer oder kleine Spinnen, erfahren die Schüler. Dann dürfen sie selbst ans Werk gehen, oder genauer: an die Bausätze, die Vogelexperte Franz Stalla aus Ludwigshafen besorgt hat. Stubenrauch und Krick erläutern jeder Gruppe das Vorgehen: Zuerst die Rückwand nehmen, dann die Seitenteile, die grüne Seite muss nach außen. Die Mitglieder der Lokalen Agenda reichen den Kindern die Schrauben sowie Ratsche beziehungsweise Schraubenzieher. „Immer mit beiden Händen, mit einer festhalten, mit der anderen drehen“, leiten sie geduldig an. Amelie hat während der Erklärungen gut aufgepasst und befolgt daher die Anweisungen gekonnt. Flugs versinkt die Schraube in dem dafür vorgesehenen Loch. „Das macht Spaß. Aber mir macht alles Basteln Spaß“, erzählt das Mädchen, das am gestrigen Mittwoch acht Jahre jung geworden ist. Beim Spazieren im Mutterstadter Wald sind ihr solche Nistkästen schon aufgefallen. „Daheim auf dem Balkon habe ich auch schon Vögel beobachtet, für die wir Futter besorgt hatten“, verrät sie. Derweil wundern sich Batuham und Mehmet über das Seitenteil: „Das ist ja schräg!“ Stubenrauch nennt den beiden Jungen den Grund. Das Dach müsse schief sein, damit bei Regen das Wasser ablaufen kann. Das leuchtet den Schülern sofort ein. Teil für Teil nehmen die Nistkästen Gestalt an. Einige der Schüler machen sich gegen Ende pflichtbewusst zur Bücherei auf, um ausgeliehene Werke zurückzugeben oder die Ausleihfrist zu verlängern. Nicht so Marcel, Yosef und Lennox, die bis zum Schluss ausharren. Es lohnt sich. Denn jetzt muss die Dachpappe festgenagelt werden. Und die drei Jungen hämmern kräftig und geschickt um die Wette, sind voll in ihrem Element. „Ich würde gerne noch weitermachen“, meint Lennox seufzend, als schließlich auch die Bügel angebracht und die zwei Nistkästen fertig sind. Insgesamt 15 Kästen haben die Grundschüler in den vier Wochen zusammengeschraubt. Diese werden demnächst an Bäumen auf öffentlichen Grünanlagen aufgehängt, vornehmlich an Spielplätzen. Damit jeder sieht, wer sich für die Meisen eingesetzt hat, werden auf jedem Kasten jeweils die Namen derjenigen zu lesen sein, die ihn gebaut haben. „So sollen die Kinder einen Bezug bekommen und sie idealerweise zum Beispiel im Winter reinigen“, erklärt Stubenrauch. (mamü)