Rhein-Pfalz Kreis „Klein und fein ist meins“

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Bobenheim-Roxheim. Der Notizblock liegt griffbereit vor Martin Lubojanski. Aber dann greift er doch immer wieder zu dem kleinen Schwarzen: dem Smartphone als wichtigstem Arbeitsmittel. Darin notiert er sich, welche Aufgaben für ihn in der Pestalozzi-Grundschule anstehen und was er sich vorgenommen hat. Nicht so sehr der neue Direktor, sondern die digitalen Medien werden die Grundschule in Zukunft verändern, meint der 35-Jährige. „Ich bin auf ein fahrendes Schiff aufgesprungen und habe nicht das Gefühl, irgendwo gegensteuern zu müssen“, sagt Lubojanski. „Hier wurde von meinem Vorgänger und dem Kollegium tolle Arbeit geleistet. Ich kann auf Kurs bleiben.“ Auch am Thema Digitalisierung ist die Schule dran: Als nächstes steht die WLAN-Vernetzung an und Lubojanski hat deswegen nachgehakt. Ein Klassensatz Tablets sei schon vorhanden, und es gibt ein Smartboard. „Ich bin nur noch nicht dazu gekommen es auszuprobieren.“ Dass die Grundschule Lesen, Schreiben und Rechnen vermitteln muss, daran sei nicht zu rütteln – wohl aber daran, wie es vermittelt wird. „Irgendwann gibt es Schulbücher als E-Books. Was da an Ranzengewicht gespart wird“, sagt Lubojanski. Er zeigt sich offen für das Neue, doch ein Technik-Freak scheint er nicht zu sein, eher Naturbursche: Im Garten des Pfeddersheimer Eigenheims mit den Händen arbeiten. Mit den beiden Terriern in den Weinbergen Gassi gehen. Mit den Watthosen im Bach stehen und die Angel nach Forellen auswerfen. Die Terrarien seiner Reptilien mit Wasser besprühen. „Angefangen hat es damit, dass ich als Grundschüler Eidechsen gefangen habe“, sagt Lubojanski. Auf seinem Handy kann Lubojanski gleich eine ganze Fotogalerie von seinen 15 afrikanischen Chamäleons zeigen. Gleichzeitig bereitet ihm Sorge, dass Kinder heute meist mit dem Auto zur Schule gebracht werden. Und dass sie auf dem iPad spielen statt Rad zu fahren. Er selbst hat – wie sein Vater und seine zwei älteren Brüder – lange Taekwondo trainiert. Sport belegte Lubojanski neben Grundschulpädagogik als Fach während seines Lehramtsstudiums in Landau. Am Lehren gefällt ihm, wenn der Aha-Effekt bei den Kindern eintritt. „Ich gebe Denkanstöße und höre die Meinung der Kinder dazu“, erzählt er. „Es ist schön mitzubekommen, wie sie die Welt sehen und das mit ihrem Wissen verknüpfen.“ Deshalb ist er gern in den 3. und 4. Klassen eingesetzt – und eine 3. Klasse hat er jetzt von seinem Vorgänger Heribert Ecker übernommen, der in den Ruhestand gegangen ist. In die Verwaltungsarbeit, die auf ihn als Leiter zurollt, hat er bereits als Konrektor an der Carl-Bosch-Schule in Limburgerhof hereingeschnuppert. Und auch Bobenheim-Roxheim ist ihm bekannt: Von 2007 bis 2009 sammelte er erste Berufserfahrung im Referendariat an der Rheinschule. Da liegt es nahe, dass er mit den Kollegen dort kooperieren und im Gespräch bleiben will – auch wenn Eltern einen Schulwechsel ihres Kindes anstreben. Noch bevor er sich für die Stelle in Bobenheim bewarb, führte er Gespräche mit Heribert Ecker, um nicht die Katze im Sack zu kaufen. „Klein und fein ist meins“, resümiert er über die Pestalozzi-Schule. Was ihn dabei am Führungsposten reizt? „Mit dem Kollegium eigene Ideen umzusetzen, mit der Zeit zu gehen“, sagt Lubojanski. „Die Schullandschaft steht nicht still.“ So zeigt er sich offen für das Angebot der Schulsozialarbeit, die er von seiner früheren Stelle her noch nicht kennt. Er weiß, dass die Pestalozzi-Schule klein, aber nicht zu klein sein darf, sonst droht Personalabbau. Bei heute 116 Schülern ist bisher nur die 4. Klasse einzügig. Im kommenden Schuljahr rücke voraussichtlich nur eine 1. Klasse nach, schätzt Lubojanski. Ab 25 Kindern werden sie auf zwei Klassen verteilt. Die Frage ist, ob der Trend auch im Jahr darauf so bleibt – abhängig von den Geburtenzahlen und den Anmeldungen an der Pestalozzi-Schule. Das bleibt noch abzuwarten. Zunächst hat er sich als großes Ziel etwas anderes notiert – natürlich in seinem Smartphone. „Ich möchte den Kindern Wissen vermitteln, gepaart mit Spaß und tollen Erlebnissen“, sagt er. „Schulfeste, Projekttage, Fachleute einladen, die von ihrem Beruf erzählen, Besuche in der Bäckerei oder bei der Feuerwehr.“ Und die Kinder sollen Selbstständigkeit lernen, um gut auf die 5. Klasse vorbereitet zu sein. Das wünscht er auch seinen eigenen Kindern. Seine Frau hat einen 15-jährigen Sohn mit in die Ehe gebracht. Gemeinsam haben sie einen Vierjährigen. Und der Schulanfang liegt nicht so fern. „Ich muss mich zügeln, nicht zu schauen, was die Schulen in Pfeddersheim an Programm machen“, sagt der Vater. „Ich versuche, Vertrauen in die Arbeit der Kollegen zu haben.“

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