Dudenhofen
„Kirche muss auch leere Ränge ertragen“
„Ich hätte sieben Jahre auf die Zulassung zum Medizinstudium warten müssen“, erklärt Kiefhaber den Wechsel von der Naturwissenschaft zur Lehre von Gott. Seine Entscheidung hat der Vikar „keinen Tag bereut“. Aufgewachsen in Wachenheim im christlichen Elternhaus, habe ihn Kirchenmusik von frühester Kindheit an begleitet, sagt er. Im Kirchen- und Posaunenchor sowie an der Orgel sei er aufgewachsen, berichtet Kiefhaber von der Wurzel zur Leidenschaft für Kirchenmusik. Neben Orgel spielt er Trompete. Den größten Teil seiner Jugend habe er ebenfalls in der Wachenheimer Kirchengemeinde verbracht, betont Kiefhaber. „Ich war immer integraler Bestandteil.“ Somit habe sich nach seiner Ausbildung zum Rettungssanitäter die Theologie „geradezu aufgedrängt“.
Professor begeistert
Die ersten drei Semester an der Mainzer Gutenberg-Universität seien für die Sprachen draufgegangen, berichtet er von Latinum, Graecum und Hebraicum – Voraussetzungen für das Theologiestudium. Als er diese Hürde genommen habe, habe er sich Dogmatik und Ethik zugewandt. „Mein Professor hat mich für praktische und systematische Theologie begeistert.“
Kiefhaber ist dankbar, dass er nach Dudenhofen ins zweieinhalbjährige Vikariat geschickt wurde. „Das ist in der Nähe von zu Hause und von Speyer.“ In die Domstadt verlegt er gerade seinen Wohnsitz. „In Dudenhofen habe ich gar nichts gefunden, in Speyer war es sehr schwer.“ Üblicherweise liege der neunmonatige Schuldienst vor der Gemeindearbeit des Vikars, sagt Kiefhaber. „Corona hat auch das umgekehrt.“ Zu unsicher sei bei der Ernennung der Zeitpunkt der Wiederaufnahme des normalen Schulbetriebs gewesen, erklärt er.
Gottesdienst zu halten hat der Vikar schon in seiner Heimatgemeinde geübt. Auch als Organist ist er versiert. Neu ist für ihn das Profil der Dudenhofener Kirchengemeinde. „Wachenheim ist sehr traditionell, Dudenhofen erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden“, erklärt Kiefhaber Unterschiede. Beispielsweise hätten Gottesdienste in Dudenhofen mehr Eventcharakter als in Wachenheim. Für den Vikar steht fest: „Kirche muss auch leere Ränge ertragen.“ Je besser es einer Gesellschaft gehe, desto weniger sei Kirche gefragt, ist er überzeugt. Denn: „Klagen ist leichter als danken.“
Seelsorge essenziell
In Dudenhofen hofft Kiefhaber, das notwendige Rüstzeug für die Leitung einer eigenen Gemeinde in etwa zweieinhalb Jahren zu erhalten. „Ich bin sehr zuversichtlich, den Spagat zwischen dem Heiligen und dem Profanen zu schaffen“, sagt er.
Für Kiefhaber sind Verkündigung und Seelsorge untrennbar mit dem Beruf des Pfarrers verbunden. Kulturelle Veranstaltungen in der Kirche seien nicht sein erster Weg, obwohl sie für die Jugendarbeit hilfreich sein könnten. „Freizeitangebote zu schaffen, gehört für mich nicht zum Hauptpfeiler.“ Vielmehr erhebt Kiefhaber den Anspruch, Kirche systemrelevant für jeden darzustellen, einen Ort für Gottesdeutung zu geben.
Der Vikar will da anknüpfen, wo er zum Glauben gefunden hat. „Begeisterung für Musik ist ein guter Anfang“, ist er sicher. Dazu zählt für Kiefhaber maßgeblich traditionelles evangelische Liedgut, modernem Gesang spricht er die Berechtigung dennoch nicht ab.
Auch vermehrte Kirchenaustritte erschüttern den Vikar nicht. Finanzielle Aspekte und schwindendes Vertrauen seien Anlässe, sagt er. Kiefhaber will Ansprechpartner für alle sein, Halt geben, seine Botschaft verbreiten, sich stellen und festhalten am Modell Volkskirche mit Taufe, Konfirmation, Hochzeit und Beerdigung. „Kirche muss Zuspruch geben“, betont der Vikar, der sich als Lutheraner bezeichnet. Regelmäßig besuche er katholische Gottesdienste, ein gemeinsames Profil beider Kirchen sieht er indes nicht.