Römerberg
Kinderland Sternschnuppe wird erwachsen
„Kinder sind eine wohltuende Therapie für alle Sorgen“, findet Alexandra Köpper. Das Herz der Leiterin des Kinderlands Sternschnuppe schlägt für Kinder. Dass sie ihre private Betreuungseinrichtung nicht in erster Linie aus finanziellen Gründen betreibt, nimmt man der 49-Jährigen direkt ab. Als sie 2005, damals noch nicht im Berghausener Gewerbegebiet, sondern im Ortskern das Kinderland eröffnete, spielten die Erfahrungen, die sie selbst als junge Mutter gemacht hatte, eine wesentliche Rolle.
„Ich habe studiert und brauchte eine Kinderbetreuung. Das war aber vor 25 Jahren nicht so einfach“, sagt sie. Einen Platz bei einer Tagesmutter zu ergattern, war die einzige Möglichkeit. Krippenplätze in Kitas waren die Ausnahme. Köppers Idee: etwas dazwischen aufzubauen. Im größeren Maßstab als bei einer einzelnen Tagesmutter, die eine Handvoll Kinder bei sich zu Hause betreut. Aber auch keine öffentliche Krippe, sondern eine privat betriebene Einrichtung. „Ich wollte das gerne in meinem Heimatort in Berghausen machen“, blickt sie zurück. Sieben Jahre lang war das Kinderland in der St.-Michael-Straße.
Hilfe aus der Familie
2012 folgte der Umzug ins Gewerbegebiet Berghausen an der B9. „Wichtig war mir die gute Anbindung und dass nicht alle durch den Ort fahren müssen“, sagt Köpper. Ein weiterer Vorteil der Räume mit einer Fläche von 170 Quadratmetern, in denen vorher eine Werbeagentur ansässig war: Es gibt keine Treppen, von denen Kinder stürzen könnten. Zwischenzeitlich gehörte auch noch eine Außenstelle in einem Gebäude am Tafelsbrunnen zwischen Berghausen und Speyer zum Kinderland. Dort will die Ortsgemeinde Römerberg jetzt eine provisorische Kita-Gruppe einrichten. Für ihre eigene Einrichtung hat Köpper, die aus gesundheitlichen Gründen zwischenzeitlich kürzer treten musste, mittlerweile Unterstützung aus der eigenen Familie bekommen: Sohn Marc (26) kümmert sich um die Buchhaltung, Tochter Zoe (19) ist ausgebildete Sozialassistentin und hilft in der Betreuung – und auch die jüngste Tochter Angelina (14) interessiert sich schon für die Tätigkeit.
In Römerberg, aber auch in anderen Orten der Umgebung, fehlt es an Plätzen für Kinder unter zwei Jahren in den Kitas. Diese Lücke kann Alexandra mit ihrem Kinderland zumindest teilweise füllen – zumal die Betreuungszeiten flexibler sind als in vielen öffentlichen Einrichtungen. Berufstätige oder alleinerziehende Eltern können ihre zwischen wenigen Monaten und drei Jahre alten Kinder zwischen 7 und 18 Uhr – freitags bis 16 Uhr – in die Hände von Alexandra Köppers Team geben.
Die meisten kommen zwischen dem elften und 14. Lebensmonat zu uns“, berichtet sie. Das ist die Phase, in der viele Mütter wieder arbeiten gehen wollen, aber noch keinen Platz in einer Kita für den Nachwuchs bekommen. Die Nachfrage nach einem Angebot für diese Eltern ist groß: Etwa ein Dreivierteljahr müssen Interessierte derzeit auf einen Platz warten. 35 Kinder besuchen die Einrichtung – wobei jeweils 20 gleichzeitig da sein dürfen. Auch Kinder mit Beeinträchtigungen können im Kinderland betreut werden. Für Notsituationen, zum Beispiel bei häuslicher Gewalt, hält Köpper stets ein paar Plätze als Puffer vor.
Flut von Anfragen
„Viele Eltern verlassen sich darauf, nach der Elternzeit einen Kita-Platz zu kriegen“, hat sie beobachtet. Von einer regelrechten Flut an Anfragen aus Harthausen berichtet sie. Aber auch in Schifferstadt sei es offenbar schwierig, einen Betreuungsplatz zu bekommen. Diejenigen, die im Kinderland untergekommen sind, wechseln meist Anfang des dritten Lebensjahrs in eine reguläre Kita. Aber auch das ist mangels Plätzen nicht immer so einfach. Eltern seien dann oft verzweifelt, sagt Köpper und berichtet von einer weinenden Mutter, die keinen Betreuungsplatz für ihr Kind fand. „Wir werfen keine Kinder raus, sondern behalten sie, bis sie einen Kita-Platz haben“, stellt die 49-Jährige klar.
Irgendwann ist allerdings Schluss im Kinderland. Länger als bis zum Ende des dritten Lebensjahrs dürfen Kinder nicht bleiben, weil die Einrichtung dafür keine Genehmigung hat. Wie viele Stunden ein Kind jeden Tag betreut wird, hängt vom Bedarf der Eltern ab – aber nicht nur: „Dem Kind soll es hier gut gehen“, sagt Köpper. Wenn sie das Gefühl hat, dass ein Kind leidet, weil es zu lange im Kinderland ist, werde das ebenso mit den Eltern besprochen wie der Fall, dass einem Kind mehr Zeit dort guttun könnte.
Zwei Gruppen gibt es im Kinderland – die Sonnen- und die Regenbogenkinder. Jede Gruppe wird von drei Erziehungskräften, ergänzt durch einen FSJler oder einen Azubi, beaufsichtigt. Es gibt einen eigenen Wickelraum und eine Küche. Auch ein Mann gehört zum Team: „Das ist wichtig für die Kinder“, findet Köpper. Eine Köchin bereitet jeden Mittag frisch Essen für die Kleinen zu. Tochter Zoe berichtet, wie ein Tag im Kinderland abläuft: Wenn sie gebracht werden, werden die Kinder individuell mit einem Lied begrüßt. Dann dürfen sie frei spielen, bevor um 9 Uhr gemeinsam gefrühstückt wird. Anschließend wird wieder gespielt, gebastelt oder auf das Außengelände gegangen. Um 11.30 Uhr gibt es Mittagessen, danach wird Mittagsschlaf gehalten.
Die Kosten für einen Platz im Kinderland seien niedriger als viele Eltern glaubten. Das Modell sei das gleiche wie bei einer Tagesmutter, erklärt Alexandra Köpper. Heißt: Die Eltern zahlen einen einkommensabhängigen Betrag ans Jugendamt, das damit das Kinderland mit einem Fixbetrag pro Stunde bezahlt. Direkt an die Einrichtung bezahlen die Eltern dann noch rund einen Euro pro Stunde – die Differenz zwischen dem, was das Kinderland als Stundenbeitrag erhebt und der Förderung durchs Jugendamt. Allerdings: Im Umkreis zahlt nur der Rhein-Pfalz-Kreis diese Förderung. Speyer mittlerweile nicht mehr und auch der Kreis Germersheim nicht. Für Eltern von dort wäre ein Betreuungsplatz deutlich teurer. „Wir haben deshalb fast nur noch Kinder aus dem Rhein-Pfalz-Kreis“, sagt Köpper. Früher seien es nur rund die Hälfte gewesen.
Problem Bürokratie
Die Probleme ihrer Heimatgemeinde, genügend Betreuungsplätze in Kitas anzubieten, beobachtet Alexandra Köpper freilich auch. „Eine eingruppige Einrichtung ist immer sehr aufwendig zu führen“, sagt sie zu den Plänen einer provisorischen Kita am Tafelsbrunnen. Krankheit oder Urlaubszeiten seien problematisch. Außerdem sei relativ wenig Platz in dem Gebäude. „Aber das Außengelände ist ein Traum“, findet sie. „Meines Erachtens gibt es zu viel Bürokratie“, benennt sie, was ihrer Ansicht nach der Hauptgrund für den Mangel an Betreuungsplätzen ist. Schnell Abhilfe zu schaffen sei kaum möglich.
Bei der Gründung ihres Kinderlands musste auch sie viele Hürden überwinden. „Mein großer Vorteil war, dass ich Verwaltungsrechtlerin bin“, glaubt sie. „Trotzdem musste ich acht Monate auf die Baugenehmigung warten.“ Die Zusammenarbeit mit der Verwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises lobt Alexandra Köpper zwar, aber an komplizierten und zeitaufwendigen Prozessen ändert das nichts. „Wenn die Bürokratie nicht wäre, würde mir die Arbeit noch mehr Spaß machen“, sagt sie.
In diesem Jahr gibt es das Kinderland seit 18 Jahren. Es ist sozusagen selbst gerade erwachsen geworden und mittlerweile eine Institution in Römerberg. Die ersten Kinder, die Alexandra Köpper in den Anfangszeiten betreut hat, werden selbst gerade volljährig. „Das ist ganz toll, wenn man sie heute wiedersieht“, sagt sie. Besonders schön findet sie die Vorstellung, dass deren Nachwuchs vielleicht einmal selbst das Kinderland besuchen wird.