Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Kindercampus: Altbürgermeister koordiniert das Bauprojekt

Das Bürgerbüro im Mutterstadter Rathaus ist noch bis März mittwochs geschlossen.
Das Bürgerbüro im Mutterstadter Rathaus ist noch bis März mittwochs geschlossen.

Die Mutterstadter Verwaltung plagt derzeit Personalmangel. In vier Abteilungen wurden und werden helfende Hände gesucht. Drei Pensionäre sind nun an ihren einstigen Arbeitsplätzen wieder anzutreffen – auch Altbürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD). Hat das ein „Geschmäckle“?

An den reduzierten Öffnungszeiten des Bürgerbüros haben es die Bürger direkt zu spüren bekommen, dass Leute fehlen. Eine Mitarbeiterin sei schwanger geworden. Für die Stelle haben sich laut Bürgermeister Thorsten Leva (SPD) viele beworben, derzeit werden Bewerbungsgespräche geführt. „Ich gehe davon aus, dass wir im Bürgerbüro ab April wieder voll besetzt sind“, sagt er. Derzeit sind die Öffnungszeiten für diesen Bürgerservice reduziert – bis Ende März ist das Bürgerbüro mittwochs geschlossen. Dies sei notwendig gewesen, um den Mitarbeitern, meist Teilzeitkräfte, einen Tag zum Bearbeiten der Bürgeranliegen zu geben, was während der Zeit mit Publikumsverkehr kaum möglich sei. Hinzu kam eine erschreckende Krankheitswelle in den vergangenen Wochen, mitunter sei das Bürgerbüro nur mit einer Person besetzt gewesen, das habe zu langen Schlangen geführt. „Die meisten Bürger waren aber sehr verständnisvoll“, sagt Thorsten Leva.

Unglücklich gelaufen ist es in der Sozialabteilung. Eine Vertretung für eine Kollegin, die in Mutterschutz gegangen war, habe ihre Stelle dann letztlich nicht angetreten, informiert Thorsten Leva. Doch in diesem Fachbereich, der sich unter anderem um Kitas, Schulen, Geflüchtete, Senioren, Bürgergeldempfänger oder Wohnungssuchende kümmert, sei bereits Ersatz gefunden worden. Bis dieser seine Arbeit aufnimmt, helfe eine Kollegin aus, die bereits pensioniert ist, berichtet Bürgermeister Thorsten Leva. Sie ist dafür geringfügig beschäftigt – wie auch die bereits Ende 2023 in Rente gegangene Mitarbeiterin im Eigenbetrieb Palatinum. Mit ihrer Nachfolgerin wurde laut Bürgermeister das Arbeitsverhältnis in der Probezeit beendet. Man habe aber mittlerweile wieder eine neue Kollegin gefunden, die schon bald ihre Arbeit beginnen werde.

Schneider wird Koordinator

Zwei Arbeitskräfte fehlen derzeit in der Bauabteilung – ausgerechnet die Abteilung, in der derzeit das größte Bauprojekt der Gemeinde, der Kindercampus, bearbeitet wird. Das könnte problematisch werden, befürchtet so manches Ratsmitglied. So sorgte sich Hartmut Magin (FWG) in seiner Rede zum Haushaltsplan 2024 um die Besetzung in der Bauabteilung: „Mit Blick auf die anstehenden Großbaustellen wie den Kindercampus oder das Baugebiet Südwest wird jede Hand dringend benötigt“, sagte er und hoffte, dass die Abteilung schon bald wieder mit voller Kraft arbeiten könne. Wie Bürgermeister Leva erläutert, sei eine Mitarbeiterin aus dem technischen Bereich Ende vergangenen Jahres weggegangen. Für ihre Stelle werden derzeit Gespräche mit potenziellen Bewerbern geführt. Die andere Stelle betrifft den Leiter des Fachbereichs „Natürliche Lebensbereiche und Bauen“, der nach RHEINPFALZ-Informationen seit Anfang des Jahres nicht mehr arbeitet. In der Sache möchte sich der Bürgermeister aber nicht äußern, denn das unterliege dem Datenschutz.

Unterstützt wird die Bauabteilung von Altbürgermeister Hans-Dieter Schneider beim Bauprojekt Kindercampus, das noch in diesem Jahr in die Hochphase gehen soll. Nach der Renovierung der Pestalozzi-Grundschule und Schulturnhalle soll schon bald mit dem Bau des Ersatzbaus für die protestantische Kita 1 und des Horts begonnen werden. Viele verschiedene Behörden sind in dem Projekt involviert. Vier Fördertöpfe von Land und Bund werden dabei angezapft. Kurz: „Die Sache ist komplex“, sagt Thorsten Leva.

Aus diesem Grund habe das beauftragte Architekturbüro der Gemeinde Mitte vergangenen Jahres empfohlen, einen Koordinator in der Verwaltung einzusetzen. „Schon damals war uns aber bewusst, dass wir aufgrund der Personalsituation keinen aus den eigenen Reihen dafür abstellen können“, sagt der Bürgermeister. Eine Überlegung sei gewesen, ein Ingenieur-Büro zu beauftragen. „Letztlich sind wir zu dem Schluss gekommen, Hans-Dieter Schneider diese Aufgabe zu übertragen, weil es viele Vorteile hat“, erläutert Thorsten Leva. Der Altbürgermeister kennt sich mit dem Projekt, das er in die Wege geleitet und bis zum Ende seiner Amtszeit im Juni vergangenen Jahres intensiv begleitet hat, bestens aus. „Für ihn war der Kindercampus von Anfang an eine Herzenssache.“ Thorsten Leva betont aber, dass sich Hans-Dieter Schneider für diese Aufgabe nicht aufgedrängt habe. Letztlich sei die Idee im Ältestenrat besprochen worden. „Alle Fraktionen haben das für gut befunden“, sagt der Bürgermeister. Altbürgermeister Schneider sei explizit dafür ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis mit der Verwaltung eingegangen.

Er habe keinen Beratervertrag, wie etwa einst der ehemalige Bauamtsleiter und Ingenieur Werner Klein, der die Gemeinde aus seiner Pensionierung heraus damals beim Bau des neuen Regenrückhaltebeckens an der Integrierten Gesamtschule unterstützt habe. Thorsten Leva betont, dass Schneiders Job als „Kümmerer“ für den Kindercampus unabhängig von der Personalsituation in der Bauabteilung zu sehen sei. Es sei für ihn sehr hilfreich, dass sein Vorgänger als Koordinator fungiere. „Hätten wir ein Ingenieur-Büro damit betraut, wäre das auf jeden Fall teurer geworden.“ Dennoch habe man sich auch mit der Frage beschäftigt, ob das in der Außenwirkung ein „Geschmäckle“ hätte haben können. Die Antwort sei nein gewesen, denn: „Sachlich und objektiv betrachtet ist das eine vernünftige Lösung.“

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