Schifferstadt / Speyer / Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Kiloweise Drogen, kein Führerschein

Der Angeklagte besaß noch nie einen Führerschein, leaste aber Autos für knapp 20.000 Euro. Seinen Lebenstil finanzierte er mit D
Der Angeklagte besaß noch nie einen Führerschein, leaste aber Autos für knapp 20.000 Euro. Seinen Lebenstil finanzierte er mit Drogenhandel.

Ein 27-Jähriger steht wegen Drogenhandels und Fahrens ohne Führerschein vor Gericht. Was trieb ihn in die Kriminalität? Das Urteil folgt diese Woche.

Frankenthal. Wegen gewerbsmäßigen Handels mit größeren Mengen Amphetamin und Kokain steht ein 27-Jähriger aus Speyer vor dem Landgericht Frankenthal. Dazu kommen zwei Fälle des Fahrens ohne Führerschein, auch unter Alkoholeinfluss. Der Angeklagte hat ein weitgehendes Geständnis abgelegt. Die Drogengeschäfte sollten offenbar der Geldbeschaffung dienen.

Der in Ludwigshafen-Maudach geborene, aber in Schifferstadt aufgewachsene 27-Jährige ist für Polizeibeamte in Ludwigshafen und Speyer kein Unbekannter. Dies wurde ihm im Juli 2024 in der Domstadt zum Verhängnis. Ein Polizeibeamter auf seinem Weg zum Dienstantritt erkannte auf der B39 ein Fahrzeug mit dem 27-Jährigen am Steuer. Da er aus einem früheren Vorfall mit einer „Trunkenheitsfahrt“ wusste, dass dieser keinen Führerschein besitzt, verständigte er die Kollegen. Eine Streife stoppte den 27-Jährigen in der Speyerer Innenstadt. Eine Lehre war ihm dies nicht.

An Tankstelle gestoppt

Im Oktober 2024 wurde er erneut aktenkundig. Auf einen Zeugenhinweis hin, dass ein Audi-Fahrer an einer Ludwigshafener Tankstelle Alkohol getrunken habe und weiterfahren wolle, wurde er vor Ort von der Polizei kontrolliert. Wie die im Gerichtssaal gezeigten Bilder einer Überwachungskamera zeigten, war der 27-Jährige eindeutig Fahrer eines Pkw mit mehreren Insassen. „Dazu hat er geschwankt und war sichtlich alkoholisiert“, berichtete ein Polizeibeamter im Zeugenstand. Was eine Blutprobe später bestätigte.

Im Prozess äußerte sich der Angeklagte selbst zu seinen persönlichen Verhältnissen und den Tatvorwürfen. Die Eltern seien geschieden, er sei als Einzelkind bei der Mutter in Schifferstadt aufgewachsen, habe dort die Mittlere Reife gemacht. Zum zweiten Mann der Mutter, seinem Stiefvater, habe er ein gutes Verhältnis. Da dieser in der Tankstellen-Branche tätig war, habe er dort gearbeitet, eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann begonnen, aber nach 1,5 Jahren aufgehört, „weil es zu wenig Geld war“. Auch andere Jobs im Fahrzeughandel und Transportgewerbe gingen wegen „zu wenig Geld“ nicht lange gut.

Jugendstrafe abgesessen

Er sei wegen „räuberischer Erpressung“ zu einer Haftstrafe in der Jugendstrafanstalt Schifferstadt verurteilt worden. Was sei das Motiv für die Tat gewesen, fragte ihn die Vorsitzende Richterin Mirtha Hütt. „Geldprobleme“ lautete seine Antwort. Nachdem er ohne Führerschein mit einem „frisierten“ Roller erwischt worden war, habe er eine MPU (medizinisch-psychologische Untersuchung) für den Erwerb des Pkw-Führerscheins machen müssen, sei aber gescheitert. „Ich hatte noch nie einen Führerschein“, räumte der Mann ein.

Er habe als Jugendlicher kaum Alkohol getrunken und keine Drogen genommen. Auch heute trinke er nur ab und zu an Wochenenden etwas. Wenn er einen Joint mit Cannabis rauche, benutze er das nur als Einschlafhilfe. Nach einer Hausdurchsuchung im Elternhaus sei er zu Hause rausgeflogen.

Käufer mit Kokain unzufrieden

Zum Vorwurf des Handels mit einem Kilogramm Kokain sagte der 27-Jährige, er habe von einem Lieferanten nur 500 Gramm bekommen und sei damit zu einem Kaufinteressenten nach Bensheim gefahren. Dieser habe es probiert, sei aber mit der Qualität der Ware nicht zufrieden gewesen. Daher habe er das Kokain dem Lieferanten aus Schifferstadt zurückgegeben. Den Verkauf von 550 Gramm Amphetamin an einer Ludwigshafener Tankstelle hatte er schon zum Prozessauftakt zugegeben.

Der psychologische Sachverständige Thomas Holzmann sagte über den Angeklagten: „Er ist kein Drogensüchtiger und auch kein Alkoholiker.“ Eine Drogentherapie sei daher kein Thema Auf die Frage, warum er mit Drogen gehandelt habe, gebe es wohl nur die Antwort: es ging ums Geld. Das Fahren ohne Führerschein sei eine freie Entscheidung gewesen. Der Angeklagte habe dies geplant und dafür Fahrzeuge gemietet. Wie eine Ermittlerin der Ludwigshafener Polizei berichtete, seien bei der Überprüfung seiner Bankkonten Zahlungen für geleaste Fahrzeuge aufgefallen. Dazu habe es etwa 2022 Bareinzahlungen von über 18.000 Euro gegeben. Am 19. November soll das Urteil fallen.

x