DUDENHOFEN
Kilianer-Ernte: Kinder lesen unten, Erwachsene oben
Im vergangenen Jahr durften die Erstklässler der Clemens-Beck-Grundschule die Rebstöcke am Ende der Gommersheimer Straße von ihrer Last befreien. Eine Premiere war das damals, die von Stefanie Kratz in die Wege geleitet wurde. Sie arbeitet als Honorarkraft in der Einrichtung, gehört gleichzeitig der Kilianer AG an und stellte so den Kontakt her. Mit drei weiteren Helfern ist sie die erste, die am Dienstagfrüh in den Wingert einbiegt.
Alles will vorbereitet sein, bis die fleißigen Unterstützer der Grundschule kommen. Diesmal sind die Zweitklässler an der Reihe, die der Parallelklasse 2019 den Vortritt ließen. Abgesehen davon, dass Kratz echten Dudenhofener Traubensaft, Becher und Brezeln richtet, Scheren und Wannen zum Sammeln der Früchte bereitstellt und ihre sportlichen Schuhe mit Gummistiefeln tauscht, muss vor allem eines erledigt sein bis zum ersten Abzwacken: das Entfernen der Netze.
Netze gegen Vögel
„Die sind zum Schutz gegen Vögel angebracht“, erklärt Kratz und führt aus: „Wo die Netze weiter auseinanderstehen, haben sie sich Früchte herausgepickt.“ Die gefiederten Freunde wissen offensichtlich, was gut ist. Kurz nach neun Uhr herrscht auf einmal Hochbetrieb zwischen den Rebstöcken. Die Grundschüler sind eingetroffen und stürzen sich direkt ins Ernte-Vergnügen.
„Keiner hat vorher schon Erfahrung damit gesammelt“, berichtet Kratz. Umso mehr freut es sie, dass die jungen Helfer mit Feuereifer an die Reben herangehen. „Sie sind wirklich begeistert und arbeiten wie die Brunnenputzer“, bescheinigt die Koordinatorin den Mädchen und Jungen. Anders als ihre Schulkameraden im vergangenen Jahr, müssen die heuer ein notwendiges Übel in Corona-Zeiten in Kauf nehmen: den Mund-Nasen-Schutz.
Der Routine, die die Kinder bei der Traubenlese entwickeln, tut das keinen Abbruch. Zu drei Vierteln gefüllt ist die Wanne nach dem Arbeitseinsatz. Kostproben zwischendurch sind einkalkuliert gewesen. Bürgermeister Jürgen Hook (SPD) ist angetan von der Emsigkeit der Grundschüler. Die Arbeitsteilung mit den Erwachsenen gefällt ihm besonders gut. „Sie ernten unten, wir oben – dann müssen wir uns nicht so viel bücken“, sagt er augenzwinkernd.
Trauben werden gepresst
Nach der Mittagspause im Bauhof wird die Traubenpresse zum ersten Durchgang angeworfen. Optimal für Kratz, die an diesem Nachmittag ihre AG in der Grundschule leitet. Mit einer Kindergruppe wird sie die Gelegenheit nutzen, um sich den Entsaftungsvorgang vor Ort anzuschauen. „Von der Menge her haben wir zwei Drittel mehr als letztes Jahr“, informiert Johann Sammet von der Kilianer AG. Zwischen 400 und 700 Liter Saft gibt’s durchschnittlich pro Jahr.
Öffentlich vermarktet wird das Kilianer-Erzeugnis – ob als Saft oder Wein – nicht. Es dient lediglich als Geschenk der Gemeinde zu besonderen Anlässen. Die Besonderheit des Dudenhofener Rebensaftes ist damit belegt.