Rhein-Pfalz Kreis Keiner der „vielen Fußgönheimer“ ist da
«Fussgönheim.» In Fußgönheim wird für Landwirte die Pacht teurer, die Schließung von drei Übergängen der Rhein-Haardtbahn geht voran, und bei der Grünschnitt-Entsorgung bleibt alles beim Alten. Und die Gegner der geplanten Arztpraxis melden sich zu Wort – allerdings anonym. Ein Überblick aus dem Rat.
„Der 11. November ist ein historisches Datum“, sagte Fußgönheims Ortsbürgermeisterin Marie-Luise Klein (SPD). Am St.-Martins-Tag müssen Landwirte, die auf Pachtflächen wirtschaften, den Pachtzins bezahlen. Fußgönheim verpachtet insgesamt etwa 37,7 Hektar an landwirtschaftlichen Grundstücken, aufgeteilt in vier Pachtstufen. Die Kategorien A, B, C stehen für Ackerland, die Kategorie S für Wiesen und Weiden. Die Gemeinde nahm bislang rund 10.350 Euro ein. Der Sammelpachtvertrag läuft in diesem Jahr aus und wurde am Mittwochabend bis 2022 verlängert. Dabei hat der Ortsgemeinderat den Pachtzins um zehn Prozent erhöht. In der Pachtstufe A steigt er auf 364 Euro je Hektar (vorher 331 Euro), in B auf 315 Euro (286 Euro) und in der Kategorie C auf 273 Euro (248 Euro). Für die Pächter der Stufe S werden fortan 174 Euro fällig (158 Euro). „Zehn Prozent mehr klingt erst einmal viel, im Vergleich zu den Nachbargemeinden sind das aber moderate Preise“, sagte SPD-Fraktionssprecher Thomas Bauer. Überhaupt hätten sich die Landwirte mit der Erhöhung einverstanden gezeigt. „Es sind etwas mehr als 1000 Euro, die wir jetzt mehr an Pacht bekommen“, sagte Klein. Bahnübergänge Die RNV will drei unbeschrankte Übergänge der Rhein-Haardtbahn auf Fußgönheimer Gemarkung schließen, damit die Züge schneller fahren können. Dieses Vorhaben schreitet laut Klein voran. Die Grundstücksfragen seien geklärt, die RNV beabsichtige, die erworbenen Flächen der Gemeinde zu übertragen. Die meisten Verträge sind Klein zufolge geschlossen. Damit die Landwirte weiter an ihre Felder fahren können, müssen Wege teilweise umgeplant werden. Die Planung sieht Folgendes vor: Der in Ost-West-Richtung verlaufende Weg im Anschluss an den Weisenheimer Weg wird als Schotterweg ausgebaut. Der in Nord-Süd-Richtung verlaufende Weg zwischen Weisenheimer Weg und Schwabenbach wird asphaltiert. Rudolf Renner (FWG) plädierte dafür, sich die Möglichkeit zu lassen, den Übergang am Gewerbegebiet am Weisenheimer Weg in der Zukunft wieder öffnen zu können – etwa wenn das Gebiet irgendwann einmal bebaut werden sollte. Das werde geprüft, sagte Klein. Grünschnitt Bei der Grünschnitt-Entsorgung arbeitet Fußgönheim mit der Mutterstadter Firma Zeller zusammen. Das Unternehmen hat seine Preise im Frühjahr angehoben, wenn die Abfälle in Großcontainern abgeholt werden. Dies ist in Fußgönheim laut Klein jedoch kaum der Fall, höchstens zwei- bis dreimal im Jahr bei größeren Pflegearbeiten. Die Grün-Abfälle vom Friedhof etwa werden in kleineren Behältern abtransportiert. Da die Gemeinden aber angehalten sind, die Grünschnitt-Entsorgung neu auszuschreiben, schaute sich auch Fußgönheim nach alternativen Recycling-Betrieben in der Region um. Das Ergebnis: „Es gibt keine weiteren Anbieter“, sagte Klein. Es ändert sich also nichts. Und zum Schluss Marie-Luise Klein rechnete wohl insgeheim damit, dass „viele Fußgönheimer“ zur Sitzung ins Rathaus kommen würden. Denn mit „viele Fußgönheimer“ war ein anonymes Schreiben unterzeichnet, das die Bürgermeisterin im Briefkasten hatte. Es ging um die geplante Arztpraxis bei der Mehrzweckhalle in der Jahnstraße. Sollte die Praxis eine Kassen-Zulassung erhalten und sich ein Arzt dort ansiedeln, müsste die Gaststätte, das Vereinsheim des ASV Fußgönheim, weichen. Der Klub ist mit der Entscheidung unglücklich. Die Gemeinde sieht aber keine Chance, eine Praxis woanders im Dorf anzusiedeln. Die Fragen, die nun aufgeworfen wurden, drehen sich beispielsweise um die Mieteinnahmen, die Fußgönheim mit der Praxis erzielen wolle. Allerdings ist der Brief laut Klein ziemlich unfreundlich, geradezu pampig formuliert. „Einen gewissen Stil erwarte ich schon“, sagte Klein. Dennoch war sie, genauso wie der Beigeordnete Klaus Weiler (CDU), in dessen Zuständigkeit die Mehrzweckhalle fällt, vorbereitet. Da aber keiner der „vielen Fußgönheimer“ kam – der Zuschauerraum war zu diesem Zeitpunkt leer –, gab es keine Antworten. „Zu einem anonymen Schreiben nehme ich keine Stellung“, sagte Klein.